Fachbeitrag | Informieren und Recht
12.01.2015

Sagen Sie SRS-Unfällen den Kampf an

SRS-Unfälle sind ein Schwerpunkt des betrieblichen Unfallgeschehens. Wenn es Ihnen hier gelingt, die Aufmerksamkeit zu erhöhen und die Gefahren, die von Böden und falschem Schuhwerk ausgehen, zu vermindern, haben Sie zugleich einen bedeutenden Beitrag zur betrieblichen Arbeitssicherheit insgesamt geleistet. Nutzen Sie zum Beispiel eine „Rutschhemmungsmatrix“, um geeignete Kombinationen von Schuhwerk und Bodenbelägen zu finden.

Stolpern rutschen Stürzen© chuntise /​ iStock /​ Thinkstock

Jeden Tag ereignen sich durchschnittlich über 1.000 Unfälle in den Betrieben infolge Ausrutschens, Stolperns und Stürzens (sogenannte „SRS-Unfälle“). Durch die Unfallversicherungsträger werden pro Jahr für über 100.000 Rutschunfälle Rehabilitations- und Entschädigungsleistungen erbracht.

Neben ihrer hohen Zahl sind Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle durch eine hohe Unfallschwere gekennzeichnet, die neben einer durchschnittlichen Ausfallzeit von 20 Tagen insbesondere durch den Anteil von 25 Prozent dauerhafter Erwerbsunfähigkeit zum Ausdruck kommt. Denn die Folgen dieser Unfälle sind zumeist gravierender als allgemein angenommen wird. In den allermeisten Fällen erleiden die Betroffenen schwere Verletzungen wie Zerrungen, Bänderrisse, Knochenbrüche oder Gehirnerschütterungen.

Als Hauptursache für SRS-Unfälle am Arbeitsplatz gilt das persönliche Verhalten der Beschäftigten. Verhaltensbedingte Unfallursachen sind vor allem:

  • Unachtsamkeit
  • Unkonzentriertheit
  • Ablenkung
  • Stress
  • Müdigkeit
  • Hektik
  • Bequemlichkeit

Fußböden in Arbeitsstätten müssen rutschhemmend sein

Die Beschaffenheit des Bodens und die Qualität des Schuhwerks spielen bei der Vermeidung von Rutschunfällen die größte Rolle. Rutschunfälle werden vor allem durch das Material und die Oberflächenstruktur des Bodenbelages, den Grad der Verschmutzung durch gleitfördernde Stoffe sowie die rutschhemmenden Eigenschaften des getragenen Schuhwerks beeinflusst. Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) schreibt im Anhang vor, dass Fußböden rutschhemmend ausgeführt sein müssen.

Königsweg Rutschhemmungsmatrix?

In den Jahren 2009 bis 2012 wurde an der Bergischen Universität Wuppertal das Forschungsprojekt „Entwicklung einer Rutschhemmungsmatrix“ durchgeführt. Das Ziel war, Fußböden und Schuhe nach ihren rutschhemmenden Eigenschaften zu kategorisieren und in Klassen einzuteilen sowie die Kombinationen der Bodenbeläge, Schuhe und gleitfördernden Stoffe entsprechend ihrem Unfallrisiko zu bewerten.

So sieht eine Rutschhemmungsmatrix aus

Dazu wurden die Reibungskoeffizienten der Fußboden-Schuh-Kombinationen von über 80 Fußböden mit mehr als 100 verschiedenen Sicherheits- und Straßenschuhen sowohl mit Wasser als auch mit Motoröl als Zwischenmedium gemessen. Die Fußböden und Schuhe wurden in der Folge auf Basis der ermittelten praxisgerechten Referenzmaterialien sortiert. Aus den so sortierten Messdaten können anhand des gemessenen Gefährdungspotentials der Boden-Schuh-Kombinationen die Klassengrenzen abgeleitet und die Klassenschnittpunkte bewertet werden. So entsteht eine „Rutschhemmungsmatrix“.

Ihre Anwendung eröffnet die Möglichkeit einer praxisorientierten Produktauswahl. Die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung „Ausgleiten beim Gehen auf Verkehrswegen und am Arbeitsplatz“ soll mithilfe ergänzender Vor-Ort-Messungen wesentlich vereinfacht werden. Die Kombination von Rutschhemmungsmatrix und Analyse vor Ort ergibt ein einfach anzuwendendes Präventionsinstrument für Arbeitsschützer, Arbeitgeber, Architekten, Gebäudeeigner und -betreiber sowie Hersteller von Bodenbelägen und Schuhen. So bietet sich die Chance, Ausgleitunfälle systematisch zu reduzieren.

Studie entlarvt Straßenschuhe als mögliche Gefahrenquelle

Unter anderem zeigen die Ergebnisse der Wuppertaler Untersuchungen, dass in Verbindung mit Fußböden deutlich mehr kritische Situationen mit Straßenschuhen als mit Sicherheitsschuhen auftreten. Informieren Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen darüber und sensibilisieren Sie sie für dieses wichtige Thema.

Autor: Markus Horn 

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