28.05.2021

Gefährliche Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS)

Die Richtlinie 2011/65/EU (RoHS-Richtlinie) beschränkt die Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten. Sie wurde nun um eine Ausnahme ergänzt.

Sensor-Aktor-Kabel

Blei und sechswertiges Chrom unterliegen den Beschränkungen von Anhang II der RoHS-Richtlinie 2011/65/EU zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten. Diese Richtlinie wurde geändert – und erlaubt nun eine Ausnahme bei der Verwendung von Blei- und sechswertigen Chromverbindungen: Sie sollen in elektrischen und elektronischen Zündmitteln für Sprengstoffe für den zivilen (gewerblichen) Gebrauch zum Einsatz kommen dürfen (Delegierte Richtlinie (EU) 2021/647 der Kommission vom 15.01.2021 (ABl. EU Nr. L 133 vom 20.04.2021 S. 54).

Bleiazid, Bleistyphnat, Bleipikramat, Orangemennige (Bleitetroxid) und Bleidioxid werden in elektrischen und elektronischen Zündmitteln wie Zündpillen, Primärladungen und pyrotechnischen Verzögerungssätzen verwendet, Bariumchromat in pyrotechnischen Langzeit-Verzögerungssätzen. Diese Zündmittel sind Teil von elektrischen und elektronischen Zündsystemen, die in erster Linie genutzt werden

  • für den Abbau von Mineralien,
  • für Bau- und Abbrucharbeiten sowie
  • im Rahmen integrierter Rettungssysteme.

Derzeit gibt es für diese Stoffe in elektrischen und elektronischen Zündmitteln keine Alternativen, die alle wesentlichen Anforderungen für den sicheren Betrieb dieser Zündmittel erfüllen.

Wegen fehlender Alternativen ist die Substitution oder Beseitigung dieser Stoffe derzeit wissenschaftlich und technisch nicht praktikabel. Die EU-Kommission hält es daher für angezeigt, die beantragte Ausnahme zu genehmigen. Formal bedeutet das: Die davon abgedeckten Verwendungen werden in Anhang III der RoHS-Richtlinie 2011/65/EU für Elektro- und Elektronikgeräte der Kategorie 11 aufgenommen.

Diese Richtlinie ist am 10.05.2021 in Kraft getreten. Die beantragte Ausnahme gilt ab dem 20.04.2021 für eine Dauer von fünf Jahren.

Die Mitgliedsstaaten müssen diese Richtlinie bis zum 31.10.2021 in nationale Rechtsvorschriften umsetzen. Sie teilen der Kommission dann den Wortlaut dieser Vorschriften mit und wenden diese ab dem 01.11.2021 an.

Autor: Ulrich Welzbacher