02.06.2021

Risiko Raubüberfall: Was Sie über Vorbeugung und Nachsorge wissen sollten

Grundsätzlich können alle Betriebe, in denen mit Bargeld oder Wertsachen umgegangen wird, zum Opfer eines Raubüberfalls werden. Es kommt darauf an, das Risiko ganz gezielt zu vermindern: durch Prävention, die möglichst sichere bauliche Gestaltung der Betriebsstätte und eine gründliche Unterweisung der Beschäftigten. Und falls es doch zu einem Raubüberfall oder dem Versuch dazu gekommen sein sollte, muss sofort eine gute Nachsorge bereitstehen. Lesen Sie hier gleich mehr darüber.

Mann überfällt ein Handygeschäft und bedroht Frau an der Kasse

Als besonders gefährdet gelten Verkaufsstellen, Kreditinstitute, Spielhallen, Spielcasinos, Automatensäle von Spielbanken sowie Kassen und Zahlstellen der öffentlichen Hand. Die Folgen eines Raubüberfalls – ganz gleich, ob vollendet oder nur versucht – können für betroffene Beschäftigte gravierend sein: Neben körperlichen Verletzungen sind vor allem die traumatischen Erfahrungen für eine lange Phase der Arbeitsunfähigkeit und nicht selten für eine Frühverrentung verantwortlich.

Ihre wichtigste Präventivmaßnahme besteht darin, Anreize für Überfälle so weit wie möglich zu verringern. Im Kosten-Nutzen-Kalkül potenzieller Täter darf es sich einfach „nicht lohnen“, das Risiko einer Straftat einzugehen. So sinkt etwa das Überfallrisiko durch die Minimierung vorhandenen Bargelds signifikant.

Bargeld minimieren heißt Anreize senken

Bargeldbestände können natürlich besonders wirkungsvoll durch vorwiegend bargeldlose Bezahlung minimiert werden. Sind Bargeldbestände unvermeidlich, sollten diese mehrmals täglich auf ein Konto eingezahlt werden.

Zum Anreizabbau gehört aber auch der richtige Umgang mit Bargeld, wenn fremde Personen anwesend sind. So sollten Beschäftigte in Anwesenheit von (vorgeblichen) Kunden und Lieferanten, die in Wirklichkeit die Räumlichkeiten für einen späteren Überfall ausspähen wollen, keine größeren Bargeldbestände zeigen. Im Optimalfall befindet sich die Wechselkasse nicht im Sichtfeld betriebsfremder Personen.

Abschreckung durch Kameras

Ebenfalls anreizreduzierend wirken Kameras, die das Geschehen an der Betriebsstätte – insbesondere in den Kassenbereichen und in der Nähe wertvoller Gegenstände – aufzeichnen. Dabei sind Datenschutz- und Persönlichkeitsrechte von Besuchern gegen die Anreizsenkung für Überfälle abzuwägen (§ 7 DGUV Vorschrift 25). Bildaufzeichnungen müssen für alle Personen offensichtlich wahrnehmbar sein. Hinweise, dass Bildaufzeichnungen vorgenommen werden, sind vor Betreten der Aufnahmebereiche an auffälliger Stelle anzubringen.

Ganz wichtig: Ihre gründlichen Unterweisungen

Wie sich Beschäftigte bei Überfällen verhalten sollen, ist in einer Betriebsanweisung festzuhalten. In Unterweisungen sollte immer wieder betont werden, dass das Unternehmen vor allem den Schutz der Gesundheit und des eigenen Lebens erwartet. Auf keinen Fall sollen Angestellte Widerstand gegen Täter leisten.

Wenn Beschäftigte zur Aufklärung des Verbrechens beitragen möchten, sollen sie das Geschehen konzentriert beobachten und sich Einzelheiten merken. Damit mindern sie auch das eigene Ohnmachtsgefühl, weder flüchten noch kämpfen zu können, und verringern dadurch die Gefahr, traumatisiert zu werden: Man kann etwas tun (beobachten und merken) und ist der Situation nicht vollständig ausgeliefert.

So gestalten Sie Ihre Betriebsstätte sicher

Sofern Betriebsstätten neu erstellt, saniert oder umgebaut werden, sollte die Gelegenheit genutzt werden, vorhandene Gestaltungsspielräume zu nutzen, um die Gefahr durch Raubüberfälle zu minimieren. Wichtige Maßnahmen sind z.B.:

  • Ein- und Ausgänge sind – ggf. unter Einsatz von Kameras – vom Kassenbereich aus einzusehen.
  • Kameras, aber auch Spiegel können den Beschäftigten zudem einen besseren Überblick verschaffen. Das Ziel ist, Überfälle frühzeitig zu erkennen und den Angestellten dadurch Zeit zur Flucht zu geben.
  • Gesicherte Bereiche bieten den Beschäftigten die Möglichkeit, zu fliehen und sich bis zum Eintreffen der Polizei in Sicherheit zu bringen.
  • Insbesondere Beschäftigte, die im Kassenbereich arbeiten, müssen die Möglichkeit haben, eine Alarmierung oder auch eine Überfallmeldung zu tätigen. Dies gilt auch, wenn Bargeld transportiert werden muss.
  • Hilfreich sind Alarmauslöser, die mit nur einem Griff betätigt werden können (Alarmtaster) und über eine Überfallmeldeanlage den Notruf zu einer hilfebringenden Stelle übertragen.
  • Grundsätzlich muss die Alarmauslösung still erfolgen, um Beschäftigte oder andere anwe­sende Personen nicht in Gefahr zu bringen.

Eine große Verantwortung: Sorgen Sie im Falle eines Falles für eine professionelle Nachsorge

Beschäftigte, die einen Raubüberfall erlebt haben, müssen im Rahmen der Notfallplanung eine angemessene Betreuung erfahren (§ 20 DGUV Vorschrift 25; wichtige Informationen enthält auch DGUV Information 206-017):

  • Wer übernimmt die Erstbetreuung? Betroffene Beschäftigte sollen auf keinen Fall allein gelassen werden. Möchten sie nach dem Vorfall nach Hause gehen, sollen sie von Angehörigen abgeholt werden. Die Angehörigen sollen – mit Einverständnis der betroffenen Person – über das Ereignis informiert werden.
  • Wer nimmt nach der Erstbetreuung Kontakt mit dem betroffenen Beschäftigten auf und kann ggf. weiterführende Hilfsangebote machen?

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Autor: Markus Horn