02.11.2020

So stärken Sie Ihre Resilienz im Arbeitsalltag

Sich abrupt ändernde Arbeitsbedingungen, wiederholt neue Vorgaben im Projekt oder ein unerwarteter Wechsel in ein neues Team– mit stressigen Situationen wird jeder mal im Berufsleben konfrontiert. Nun, zu Zeiten der Corona-Pandemie, oft umso mehr. Warum meistern manche Menschen solche Krisen leichter als andere? Es liegt daran, dass sie resilienter sind. Resilienz gilt auch als „emotionales Immunsystem“, das einen für die täglichen Herausforderungen im Beruf und Alltag stärkt.

Geschäftsmann

Die gute Nachricht: Jeder kann an seiner psychischen Widerstandskraft arbeiten und seine eigene Resilienz stärken und weiter entwickeln.

Stressforscher definieren es auch so: Resilienz ist die Fähigkeit, seine psychische Gesundheit während widriger Umstände aufrechtzuerhalten oder danach schnell wiederherzustellen. Dies hat nicht nur Vorteile für einen selbst, sondern kann sich auch förderlich auf die ganze Arbeitssituation auswirken.

Um nur ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag zu nennen: Ein Kunde hat am Telefon ungewöhnlich aggressiv und persönlich beleidigend reagiert. Anstatt sich dadurch aus der Ruhe bringen zu lassen, gelingt es Mitarbeitern mit einer hohen Resilienz, vergleichsweise entspannt zu bleiben, eventuelle Angriffe nicht persönlich zu nehmen und vor allem den Vorfall nicht in Gedanken durch den ganzen Tag oder die ganze Woche zu tragen. Dadurch sind sie auch eher erfolgreich darin, höflich zu bleiben und die Situation schnell wieder zu entschärfen, anstatt dem Kunden auf derselben Ebene zu begegnen (und die Situation zu verschärfen). Es lohnt sich also, sich mit dem Thema Resilienz auseinanderzusetzen und die eigene emotionale Widerstandskraft zu stärken.

Psychische Widerstandsfähigkeit wird in der Kindheit geschaffen

Wie robust ein Mensch psychisch ist, hängt einerseits mit dem sozialen Umfeld zusammen, das einen von klein auf prägt.

Doch genauso spielt die genetische Veranlagung eine Rolle. Es gibt konkrete wissenschaftliche Belege dafür, dass Resilienz existiert. So wird z.B. das Stresshormon Cortisol von Menschen mit einer hohen Resilienz schneller abgebaut.

Zudem ist auch erwiesen, dass das Glückshormon Serotonin die Fähigkeit zur Resilienz beeinflusst: Wissenschaftler haben mehrere Resilienz-Gene gefunden. Eines davon ist das Gen 5-HTT, das den Serotonin-Transport im Gehirn reguliert.

Auch Intelligenz gilt als stärkender Faktor: Kluge Menschen finden eher einen Ausweg aus dem Schlamassel und kommen deshalb auch z.B. mit dem Rüffel vom Chef oder einer Kündigung besser zurecht.

Resilienz lässt sich aber auch fördern

Aber: Resilienz ist „flexibel“, also zwar teils in der eigenen Veranlagung verankert, aber sie kann auch gefördert werden.

Verschiedene Umweltfaktoren steigern die psychische Widerstandskraft. Menschen passen sich seelisch wie körperlich ständig der Außenwelt an. Deshalb hinterlassen Traumata so tiefe Spuren – und genau deshalb lassen sie sich auch wieder überwinden. Der Mensch wird also einerseits maßgeblich in der Kindheit geprägt, gerade hinsichtlich seiner psychischen Robustheit.

Andererseits kann er sich sein ganzes Leben lang verändern. Beides sind wissenschaftlich belegte Tatsachen.

Resilienz stärkende Faktoren

Als die Resilienz stärkende Faktoren gelten:

  • Eltern, Freunde, Bezugspersonen, soziale Bindungen und Netzwerke können einen Menschen immer positiv prägen und stärken. Auch wer als Kind einsam war, kann später „aufholen“, indem er für stabile soziale Netzwerke sorgt und sich auf Beziehungen einlässt.
  • Die eigene Einstellung: Fähigkeit zur Akzeptanz einer Krise, zum Optimismus, dass alles gut wird. (Der Gedanke: Die Krise ist nun einmal da, wie kann ich also am besten damit umgehen – anstatt zu resignieren.)
  • Dankbarkeit für alles, was bislang gut gelaufen ist. Sich der eigenen Fähigkeiten und Erfolge bewusst werden.
  • Körperliche Faktoren: Sport und Bewegung, Gesundheit, Ernährung, eine bewusste, lange und tiefe Atmung (unter Stress atmet man schneller, was den Stress wiederum steigert).

Also: Schon wer sich diese Dinge immer wieder bewusst macht, kann viel für sein emotionales Immunsystem tun. Denn es lässt sich auf diese Weise trainieren.

Weitere Infos, wie Sie Ihre Resilienz stärken können, finden Sie im zweiten Teil des Beitrags Resilienz im Arbeitsalltag..

Autor: Christine Lendt