09.11.2018

REACH-Verordnung: Neue Grenzwerte für Chemikalien in Textilprodukten festgelegt

Neu in der REACH-Verordnung: Bestimmte gefährliche Chemikalien in Kleidung und anderen Textilien und Schuhwaren werden verboten, soweit sie bestimmte Grenzkonzentrationen überschreiten. Welche Ausnahmen es gibt und wie das Verbot im Detail aussieht, erfahren Sie hier.

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Die Textilindustrie ist eine Branche, die sehr viele – auch problematische – Chemikalien verwendet. Dies liegt zum Teil daran, dass viele Textilprodukte unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen in Entwicklungs- oder Schwellenländern wie Bangladesch, Vietnam oder Mexiko hergestellt werden. Die Chemikalien gelangen entweder als Verunreinigungen aus dem Herstellungsprozess in die Textilien, oder sie werden absichtlich zugesetzt, um ihnen bestimmte Eigenschaften zu verleihen. Aber: Sie gefährden sowohl diejenigen, die die Hosen, Kleider, Hemden usw. fertigen als auch diejenigen, die sie dann letztlich tragen.

Neue Nummer 72 in Anhang XVII der REACH-Verordnung

Aus diesem Grunde hat die europäische Kommission jetzt in der Verordnung (EU) 2018/1513 vom 10. Oktober 2018 bestimmte CMR-Stoffe in Kleidung und anderen Textilien und Schuhwaren verboten, soweit sie bestimmte Grenzkonzentrationen (angegeben in mg/kg) überschreiten (ABl. EU Nr. L 256 vom 12.10.2018 S. 1). Dieses Verbot findet sich in einer neuen Nummer 72 in Anhang XVII der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH-Verordnung) hinsichtlich bestimmter als karzinogen, keimzellmutagen oder reproduktionstoxisch (CMR) eingestufter Stoffe der Kategorie 1A oder 1B.

Zu der neuen Nummer 72 gehört außerdem eine zusätzliche Anlage 12 zu Anhang XVII, in der die geregelten Stoffe mit ihren jeweiligen Konzentrationsgrenzen aufgeführt sind.

Anwendungsbereich der Verordnung

Die Verordnung gilt für

  • Kleidung oder damit in Bezug stehendem Zubehör,
  • andere Textilien, die bei normaler oder vernünftigerweise vorhersehbarer Verwendung in einem ähnlichen Maße wie Kleidung mit der menschlichen Haut in Berührung kommen und
  • Schuhwaren,

wenn die Kleidung, ihr Zubehör, die anderen Textilien oder die Schuhwaren für Verbraucher vorgesehen sind und wenn der Stoff in einer Konzentration vorhanden ist, die gleich der für diesen Stoff in Anlage 12 angegebenen ist oder darüber liegt. Gemessen wird die Konzentration in homogenem Material.

Wegen fehlender Informationen über geeignete Alternativen gilt für Formaldehyd in Jacken, Mänteln oder Polsterungen eine Übergangsregelung: Bis zum 1. November 2023 liegt ein Wert von bis zu 300 mg/kg noch im erlaubten Bereich, bevor der endgültige Wert von 75 mg/kg nach Anlage 12 in Kraft tritt.

Die neue Nummer 72 gilt nicht für

  • Kleidung und Schuhwaren oder Teile davon, die ausschließlich aus Naturleder, Pelzen oder Häuten bestehen,
  • nicht textile Verschlüsse und nicht textile Zierelemente,
  • gebrauchte Kleidung und damit in Bezug stehendes Zubehör,
  • Einwegtextilien für den einmaligen oder kurzzeitigen Gebrauch,
  • Teppichböden und textile Fußbodenbeläge zur Verwendung in Innenräumen, Teppiche und Läufer.

Hinweis

In der Kommission gibt es derzeit Überlegungen, auch für Teppichböden und textile Fußbodenbeläge eine eigene Regelung zu erarbeiten.

Die Verordnung gilt weiterhin nicht für Kleidung, damit in Bezug stehendes Zubehör, andere Textilien oder Schuhwaren im Anwendungsbereich

  • der Verordnung (EU) 2016/425 über persönliche Schutzausrüstungen und
  • der Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte.

Die Beschränkungen gelten unabhängig davon, ob sich in anderen einschlägigen Rechtsvorschriften der Union strengere Regelungen finden.

Neue Anlage 12

Zur neuen Nummer 72 gehört eine Anlage 12, in der die 33 geregelten Stoffe oder Stoffgruppen mit ihren jeweiligen Konzentrationsgrenzen von 1 mg/kg (z.B. für krebserzeugende Schwermetallverbindungen oder PAH) bis 1000 mg/kg (z.B. für Phthalate) aufgeführt sind.

Die Verordnung ist am 1. November 2018 in Kraft getreten und ab dem 1. November 2020 anzuwenden; sie ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten der Union.

Autor: Ulrich Welzbacher