05.08.2019

Gefährdungsbeurteilung Telearbeit: Achtung bei psychischen Belastungen

Mehrere Tage pro Woche zu Hause arbeiten klingt erst einmal gut, vor allem wenn die Alternative das Großraumbüro oder das tägliche stundenlange Stop-and-go in der Rush hour  ist. Aber auch Telearbeit ist nicht die Lösung aller Probleme: Auch hier begegnen Arbeitnehmer verschiedenen Gefahren, die der besonderen Situation "Homeoffice" geschuldet sind vor allem für ihre psychische Gesundheit. Diese Gefahren sollte eine Gefährdungsbeurteilung Telearbeit ansprechen.

Telearbeit

Wie viele Menschen sich tatsächlich für Homeoffice interessieren, weiß selbst das Ministerium nicht genau – es soll sich aber um etwa jeden dritten, vierten oder fünften Arbeitnehmer handeln. Allerdings kommen auch hier Gefährdungen auf Arbeitnehmer zu, die Unternehmen in einer entsprechenden Gefährdungsbeurteilung Telearbeit prüfen müssen. Fest steht: Der Telearbeitsplatz muss sicher und geeignet für die Art der Tätigkeit (Bildschirmarbeit) sein; die Gesundheit der Beschäftigten darf nicht gefährdet werden.

Nicht ohne meine Kollegen

Viele Menschen fühlen sich nur im Kreise ihrer Kollegen wirklich wohl, das fällt ihnen aber erst auf, wenn sie alleine zu Hause sitzen. Tatsächlich bringt die Arbeit in Gesellschaft ja auch einige Vorteile mit sich:

  • Im Büro funktioniert die Kommunikation in der Regel besser. Ist im Homeoffice die E-Mail der einzige Draht zu den Kollegen, gehen viele Infos verloren. Etwas besser sieht es aus, wenn Teams im Chat miteinander verbunden sind.
  • Im Büro finden sich bei Bedarf Kollegen, die mit Rat und auch mit Tat zur Stelle sind, wenn es eng wird. Und sei es nur, dass der Drucker wieder mal nicht tut, was er soll.
  • Selbst Vorgesetzte sind im Büro keineswegs unwillkommen, wenn schnelle Entscheidungen gebraucht werden. Im Homeoffice kann es an dieser Stelle leicht passieren, dass man nicht weiterkommt.
  • Last not least bieten viele Büros auch eine durchaus angenehme Arbeitsatmosphäre. Zu Hause kann man sich nur als Alleinunterhalter vor den Spiegel stellen, wenn man eine Aufmunterung braucht.

Mögliche Inhalte einer Gefährdungsbeurteilung Telearbeit

Viele Probleme treten vor allem dann auf, wenn jemand ausschließlich zu Hause arbeitet. Die Befürchtung, dass darunter die Work-Life-Balance – also das Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben – leiden kann, ist leider berechtigt. Manche Menschen können sich zum Beispiel darüber freuen, wenn ihre Kinder gelegentlich hereinplatzen, um sie von der Arbeit abzuhalten. Andere dürfen dagegen auf keinen Fall gestört werden, weil sie sich sonst nicht konzentrieren können und weil sie dazu tendieren, die Arbeit vom Tag in die Abend- und Nachtstunden zu verschieben. Tatsache ist, dass die Arbeit im Homeoffice ein höheres Maß an Selbstdisziplin und Zeitmanagement erfordert, wenn das Privatleben nicht leiden soll.

Auch im Betrieb fallen oft Überstunden an. Zu Hause aber ist die Gefahr größer, nicht mehr an Pausen oder die 40-Stunden-Woche zu denken und sich selbst auszubeuten. Die klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit bekommen manche Menschen zu Hause nicht hin. Sie haben auch das Gefühl, zu Hause besonders viel leisten zu müssen, um nicht undankbar zu erscheinen und das Vertrauen zu rechtfertigen, das sich seitens ihres Arbeitgebers im Homeoffice ausdrückt.

Solche Probleme treten nicht oder weniger stark auf, wenn sich die Arbeit im Homeoffice auf einen bis drei Tage in der Woche beschränken lässt. Dann bleibt der persönliche Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten erhalten, und wenn sich etwas alleine zu Hause nicht klären oder lösen lässt, dann nimmt man es eben am nächsten Tag mit in den Betrieb. Selbst bei nur einem Tag in der Woche sollte es jedoch eine Probephase geben, die sich bei Nichtgefallen rückgängig machen lässt. Wer in erster Linie selbstbestimmt arbeiten möchte, wird die Arbeit im Homeoffice vermutlich nicht mehr missen wollen.

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Autor: Martin Weyde