Fachbeitrag | Informieren und Recht 03.03.2016

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz 4.0

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz nehmen drastisch zu. Unternehmen sind gut beraten, das Thema ernst zu nehmen und mithilfe von Gefährdungsbeurteilungen gezielt Risiken zu minimieren.

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz bereiten nicht nur betroffenen Mitarbeitern Probleme, sondern sind auch ein wirtschaftliches Risiko. Schon jetzt verursachen die Folgen psychischer Erkrankungen Jahr für Jahr hohe Kosten in den Betrieben. Zusätzliche psychische Gefährdungen durch die neuen Arbeitsbedingungen der „Welt 4.0“ sind überaus real, wie beispielsweise der Dekra Psychoreport 2015/16 zeigt.

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz haben unterschiedliche Ursachen

Häufig genannte Gründe sind die Furcht vor Entlassung, Arbeitsverdichtung, der Druck, sich verändern zu müssen: Die Arbeitswelt 4.0 bringt ganz ohne Zweifel viele psychische Gefährdungen mit sich. Bei den Verantwortlichen in den Betrieben ist das Thema leider noch nicht angekommen: Nur 25 Prozent finden es wichtig. Es ist also höchste Zeit umzudenken.

Psychische Belastungen 4.0: Veränderung und Unsicherheit können krank machen

Vor allem Arbeitnehmer in Betrieben mit großen Veränderungsprozessen sind Belastungen ausgesetzt, die auch die Gesundheit gefährden können:

  • Der 4.0-Prozess ist für viele undurchschaubar: Was sich wann und wie verändern wird, bleibt über längere Zeit unklar.
  • Die angestrebte höhere Wirtschaftlichkeit geht meist einher mit Arbeitsverdichtung.
  • Die Auflösung betriebsinterner Strukturen lässt soziale Bindungen wegbrechen.
  • Qualifikationen und Erfahrungen werden entwertet, was Ängste und Frust auslöst.

Diese Gefahren durch die Digitalisierung treffen auf einen Trend, der schon lange besteht, wie der Dekra Psychoreport 2015/2016 zeigt: Die psychischen Erkrankungen steigen deutlich an.

Gibt es für psychische Belastungen am Arbeitsplatz eine spezielle Gefährdungsbeurteilung?

Leider gibt es keine Standards für eine Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen. Wichtig ist allerdings, dass es um die Beurteilung der Arbeitssituation geht, nicht um die Beurteilung der Arbeitnehmer. Entsprechend sollen Merkmale des Arbeitsumfelds beschrieben werden, die negativen Einfluss auf den Arbeitnehmer haben können.

Rechtliche Grundlage ist das Arbeitsschutzgesetz (§ 4 Nr. 1). Seit 2013 sind auch psychische Belastungen nach § 5 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz als Gefährdungsfaktor benannt. Der Arbeitgeber muss aufgrund des Ergebnisses der Beurteilung die erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen treffen und dokumentieren (§ 6 Abs. 1 ArbSchG). Die Daten für die Beurteilungen werden meist durch Befragungen mit standardisierten Fragebögen, durch Mitarbeiterworkshops und durch Beobachtung der Arbeitsplätze gesammelt.

Was tun, um psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz 4.0 vorzubeugen?

Der Arbeitsschutz ist in seinen Möglichkeiten, psychischen Erkrankungen vorzubeugen, meist begrenzt. So lässt sich z. B. nur schwer Einfluss nehmen auf das Gefühl der Überforderung durch Digitalisierung. Sie können aber versuchen, bei der Planung der Arbeitsplätze und der neuen Stellenbeschreibungen vorzubeugen:

  • Bei der Entwicklung der Stellenprofile sollte darauf geachtet werden, dass die Arbeitnehmer Einfluss auf die Arbeitsinhalte, die Arbeitsmethoden, die Reihenfolge der Tätigkeiten und das Arbeitspensum haben.
  • Einseitige Anforderungen, bei denen die Arbeitnehmer ihre Qualifikationen nur begrenzt einbringen können, sollten vermieden werden.
  • Monotone Aufgaben (z. B. dauerhaftes Beobachten und Kontrollieren) vermeiden.
  • Auch Reizüberflutung ist zu vermeiden.
  • Unklare Verantwortlichkeiten und Kompetenzen können einen negativen Einfluss auf die psychische Gesundheit haben.

Und vergessen Sie keinesfalls Ihr stärkstes Argument: Wirtschaftlichkeit.

Verschaffen Sie sich mit wirtschaftlichen Argumenten Gehör. Gesundheitsschutz kann dem Unternehmen hohe Krankenstände und damit Geld sparen, gerade bei großen 4.0-Veränderungsprozessen. Mit einem guten Gesundheitsmanagement holen Sie auch den Betriebsrat ins Boot.

 

Autor: Markus Horn