Fachbeitrag | Informieren und Recht
23.04.2016

PCB-Belastung kann zu Gesundheitsstörungen führen

Die PCB-Belastung von zahlreichen öffentlichen Gebäuden ist heute noch immer ein Problem. Und das, obwohl die Weichmacher Polychlorierte Biphenyle (PCB), bereits seit dem Jahr 1978 in Deutschland verboten sind.

© jakkapan21/​iStock/​Thinkstock

PCB-Belastung sollte eigentlich längt der Vergangenheit angehören. Schon vor beinah 40 Jahren wurde die Verwendung von PCB verboten. Trotzdem findet sich der krebserregende Stoff nach wie vor in Kindergärten, Schulen und Universitäten. Vor allem an heißen Tagen oder durch warme Heizungsluft gast er ungehindert aus.

So gelangt PCB primär aus Quellen wie

  • dauerelastischer Fugenmasse,
  • Farbe und Lack,
  • Flammschutzanstriche von Akustikdeckenplatten,
  • Verguss- und Spachtelmasse
  • Klebstoff oder Fensterkitt oder
  • Kunststoff (Kabelummantelungen u. ä.)

in die Raumluft.

PCB wurde von der „Internationalen Agentur für Krebsforschung“ in die höchste Gefahrengruppe eingeordnet. Damit ist sicher: PCB gilt als krebserregend.

PCB-Belastung in Deutschland: Etwa 24.000 Tonnen PCB wurden insgesamt verarbeitet

Eine hohe PCB-Belastung findet sich in zahlreichen Gebäuden, die in den 60er und 70er Jahren errichtet wurden. Und bis heute hat man ca. 50 bis 80 Prozent der PCB-haltigen Fugenmassen und Farbanstriche nicht entfernt, so eine Analyse für das Umweltbundesamt. Da täglich tausende Kinder und Lehrkräfte in Schulen (geschätzt jede dritte!) oder Universitäten in erhöhter Konzentration PCB einatmen, steigt deren Krebsrisiko natürlich deutlich.

Ob ein Gebäude aber wirklich saniert werden muss, entscheiden Experten gemäß landesbezogener PCB-Richtlinie. Nicht immer muss PCB-haltiges Material vollständig entfernt werden. Laut PCB-Richtlinie reicht es zum Beispiel aus, belastete Fugenmasse mit einem Schutzlack zu versehen. PCB gelangt dann aus der Fugenmasse in den Lack und von dort an die Atemluft. Auch aus so genannten sekundär belasteten Materialien kann PCB ausgasen, zum Beispiel aus Schränken, Tischen, Büchern und Computern.

Unverständlich ist vor diesem Hintergrund, dass auf Kontrollmessungen hinsichtlich PCB-Belastung oft ganz verzichtet oder absichtlich bei niedriger Raumtemperatur gemessen wird. Dann wird natürlich weniger PCB freigesetzt.

Ist eine Sanierung notwendig, dann darf diese ausschließlich durch sachkundige Unternehmen (lt. DGUV Regel 101-004 Anlage 6b/TRGS 524 Anlage 2b). erfolgen Die notwendigen Schutzmaßnahmen werden mit Hilfe einer Gefährdungsbeurteilung (§6 GefStoffV i.V.m. TRGS 524) ermittelt.

PCB-Belastung: Erfolgreiche Sanierung ist nur möglich, wenn folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Ermittlung der PCB-Quellen (Erstellung eines „PCB Katasters“)
  • Belastung der Raumluft untersuchen
  • Sanierungsplanung (Pilotsanierung: ein Raum)
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge (DGUV G 26.2, G40)
  • Sanierungsdurchführung mit Ziel: 300ng/m3
  • Staubsauger Klasse H, auch die Hinterfüllmaterialien sind zu entfernen, Fugen reinigen, Fugenflanken mit einem diffusionshemmenden Anstrich beschichten (u.a. Epoxidharz, PU)
  • Kein Einsatz von Heißluft- oder Flammstrahlgeräten
  • Staubdichte Abschottung des Sanierungsbereiches
  • Personenschleuse
  • Sanierungsbereich durchlüften (mind. 5-facher Luftwechsel/Stunde)
  • Großflächige Sekundärquellen dauerhaft entfernen
  • Kat III Typ 5 Schutzanzug, Chemikalienschutzhandschuhe (u.a. Nitril)
  • Mindestens Halbmaske mit Partikelfilter P2
  • Ggf. Augen-/Gesichtsschutz (über-Kopf-Arbeiten)
  • Erfolgskontrolle

Häufig ist die PCB-Belastung jedoch zu hoch für eine wirtschaftlich vernünftige Sanierung. Dann bleibt nur der vollständige Abriss als wirksame Lösung.

Autor: Stefan Johannsen

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