Fachbeitrag | Unterweisung
12.01.2015

Nutzen Sie Umfragen zur Sensibilisierung im Arbeitsschutz

Viele Arbeitsschutzmaßnahmen scheitern daran, dass sich scheinbar niemand in der Gruppe an die Vorgaben hält. Nur wenn Arbeitsschutz zur Gruppennorm wird, steigt die Motivation der Mitarbeiter, sich der Mehrheit entsprechend auch an die Vorgaben zu halten. Nutzen Sie deshalb die Ergebnisse von Gruppen-Umfragen zur Sensibilisierung für mehr Arbeitsschutz.

Hand With Pen Over Blank Form© AndreyPopov /​ iStock /​ Thinkstock

Wenn Sie bei hohen Temperaturen auf Mitarbeiter treffen, die auf der Baustelle keinen Schutzhelm tragen, werden Sie ohne Zweifel auf die fehlende Persönliche Schutzausrüstung (PSA) zu sprechen kommen. Doch die Antwort ist meist vorprogrammiert: „Die anderen machen das doch auch nicht“ oder „Das macht doch eh keiner“. Tatsächlich orientieren sich die Mitarbeiter oftmals daran, was die anderen tun, also was die eigene Gruppe auf der Baustelle macht.

Sorgen Sie für die Selbsterforschung in der Unterweisung

Allerdings stehen viele Mitarbeiter dem Arbeitsschutz positiver gegenüber, als es nach außen den Anschein hat. Meist fehlt die Zeit, sich mit den Auswirkungen des eigenen Verhaltens richtig auseinander zu setzen. Deshalb sollten Sie in Ihrer Unterweisung dazu anregen, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Dazu reichen in der Regel schon einfache Fragen, die jeder für sich und anonym beantwortet.

Machen Sie eine Umfrage zum Arbeitsschutz

Die ausgefüllten Fragebogen sollten Sie ohne jede Namensnennung einsammeln und eine anonymisierte Auswertung machen. Bei der Auswertung erhalten Sie wertvolle Informationen:

  • Durch die anonymen Antworten werden die Mitarbeiter ehrlicher beantworten, wie sie sich im Arbeitsschutz verhalten. Dadurch bekommen Sie einen besseren Einblick in die Schwachstellen im Arbeitsschutz.
  • Zudem sehen Sie, wie die Mehrheit der Mitarbeiter sich im Arbeitsschutz verhält.

Nutzen Sie die Gruppendynamik in der Unterweisung

Natürlich reicht es nicht, dass sich die Mehrheit richtig verhält, sondern jeder einzelne muss sich richtig schützen. Doch die Umfrageergebnisse können Sie nutzen, um die Gruppendynamik für sich und den Arbeitsschutz arbeiten zu lassen. Wie die Lern- und Verhaltenspsychologie lehrt, hat das Gruppenverhalten eine große Auswirkung auf den einzelnen:

  • Auch wenn Meinungsforscher dies nicht immer gerne hören: Umfrageergebnisse zeigen nicht nur die Meinung, sie beeinflussen diese auch, wie Studien zum Beispiel im Bereich der Wahlforschung belegen.
  • Durch Ihre Präsentation der Gruppenergebnisse aus der Umfrage erkennt der einzelne Mitarbeiter, wie sein persönliches Verhalten im Vergleich zum Vorgehen der Gruppe aussieht.
  • Durch das (positive) Beispiel der anderen in der Gruppe bekommt der einzelne Mitarbeiter ein Bild von dem gelebten Arbeitsschutz, dem er nacheifern kann, das er also imitieren kann. Der einzelne Mitarbeiter lernt also von den anderen in der Gruppe.

Der Einfluss des Gruppenverhaltens und damit des mehrheitlichen Verhaltens auf den einzelnen Mitarbeiter wirkt auf mehreren Ebenen:

  • die Ebene der persönlichen Anteilnahme: Der einzelne Mitarbeiter ist Teil der Gruppe, weshalb psychologisch gesehen das Gruppenverhalten für ihn von besonderer Bedeutung ist.
  • die Ebene der sozialen Unterstützung: Eigene Entscheidungen werden verstärkt, wenn sie mit der Gruppenmeinung übereinstimmen.
  • die Ebene der öffentlichen Verpflichtung: Als Teil einer Gruppe fühlt sich der einzelne Mitarbeiter eher in der Pflicht, sich an Vorgaben und Normen, die für die Gruppe Gültigkeit haben, zu halten.

Diese positiven Folgen der Gruppendynamik nutzen Sie mit Ihren Umfragen für mehr Arbeitsschutz. Probieren Sie es einfach einmal aus! Machen Sie Umfragen und stellen Sie die Gruppenergebnisse vor, als Beispiel für den gelebten Arbeitsschutz.

Autor: Oliver Schonschek 

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