08.01.2018

Haben Sie schon einen Notfallplan für innerbetriebliche Gefahrstofftransporte?

Der Gefahrstofftransport innerhalb des Betriebs gehört zur tagtäglichen Routine. Das macht ihn jedoch nicht ungefährlich - jedes Freisetzen von Chemikalien kann Menschen und ihre Gesundheit massiv gefährden. Deshalb braucht Ihr Betrieb für den Gefahrstofftransport einen Notfallplan bzw. muss ihn regelmäßig auf den neuesten Stand bringen.

Am Anfang steht das Sammeln von Informationen über die transportierten Stoffe, ihre Eigenschaften und ihre möglichen Auswirkungen auf Personen und Sachen (Brände und Explosionen, Verätzungen etc.). In ausreichender Tiefe und Ausführlichkeit finden Sie diese Informationen vor allem in den Sicherheitsdatenblättern der Hersteller oder der Lieferanten.

Unverzichtbar: eine Gefährdungsbeurteilung

In jedem Fall muss eine Gefährdungsbeurteilung speziell für den Gefahrstofftransport erstellt werden. Neben den gesammelten Informationen über die Stoffe und ihre Eigenschaften müssen darin auch Aussagen über die verwendeten Umschlag- und Transportverfahren (Einsatz von Handhubwagen und Flurförderfahrzeugen) enthalten sein.

Außerdem muss deutlich werden, in welcher Art (z. B. Verschlucken, Einatmen oder Hautkontakt) und welchem Ausmaß eine Exposition möglich ist:

  • Die Art der Exposition hängt u. a. vom physikalischen Zustand (gas-, staubförmig oder flüssig), der Freisetzungsart (Auslaufen, Verspritzen etc.) und den möglichen Freisetzungsstellen (in der Nähe oder oberhalb besetzter Arbeitsplätze) ab.
  • Das Ausmaß der Exposition hängt z. B. von der Austrittsmenge, physikalischen Werten wie Dampfdruck und Schmelzpunkt und Umgebungsbedingungen wie Raumtemperatur ab.

Die eigentliche Gefährdungsbeurteilung kann anhand der TRGS 400 (Technische Regel für Gefahrstoffe – „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“) vorgenommen werden.

Der Notfallplan muss die Frage beantworten „Was tun?“

Ihr Notfallplan muss genaue Angaben enthalten über:

  • die Auswahl von Hilfsmitteln und persönlichen Schutzausrüstungen,
  • die Festlegung von organisatorischen Strukturen,
  • Verhaltensanforderungen und Arbeitsabläufe zur Minimierung von Risiken und Auswirkungen bei einem Notfall.

Lassen Sie einen Notfallmanager einsetzen

Am besten, Sie lassen durch die verantwortliche Unternehmensleitung einen Notfallmanager bestimmen. Diese fachkundige Person nach § 22 Abs. 1 der DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ stellt einen Notfallplan auf und übernimmt in einem Notfall selbständig die Einleitung der festgelegten Maßnahmen.

Dazu muss der Notfallmanager über die erforderliche Entscheidungs- und Weisungsbefugnis verfügen. Der Notfallmanager wird namentlich durch Aushang am Schwarzen Brett bekannt gegeben und muss während der üblichen Betriebszeiten erreichbar sein. Für Abwesenheitszeiten sind eine Vertretung festzulegen, Notfallhelfer zu bestimmen und eine Kommunikationskette (wer informiert in welcher Reihenfolge wie welche Personen?) zu entwickeln.

Auführliche Hinweise zu den Aufgaben der beteiligten Personen in einem Notfall finden Sie in der DGUV Information 208-050 „Notfallmanagement beim Umschlag und innerbetrieblichen Transport von gefährlichen Stoffen“. Sie finden sie hier.

So sorgt der Notfallmanager für Schutz und Alarmierung

Der Notfallmanager erstellt einen Alarmplan, der an geeigneten Stellen im Unternehmen aushängt und Anweisungen enthält, was im Notfall zuerst zu tun ist.

Im Vorfeld muss unbedingt auch geklärt werden, wie die Menschen in einem Gefährdungsbereich schnell und zuverlässig alarmiert werden können: z. B. durch fest installierte Sirenen oder Glocken, gegebenenfalls auch ein mobiles Megafon. Was geeignet ist, hängt natürlich von der Größe der Betriebsstätte, der Anzahl der Personen, den baulichen Gegebenheiten und nicht zuletzt von der Lärmsituation ab.

Um die Festlegungen nach dem Alarmplan zu überprüfen und zu verbessern, sind Notfallübungen erforderlich. Solche Übungen sollten auch von nicht beteiligten Personen begleitet werden, um neue Vorschläge zur Optimierung zu gewinnen.

Absperrmittel müssen an bekannten Stellen bereitliegen, um im Notfall beschädigte Gebinde schnell abzugrenzen, den Gefahrenbereich für Personen zu sperren und eine Verschleppung der Gefahrstoffe weitestgehend zu verhindern.

Gefahrstofftransport muss Teil der regelmäßigen Unterweisungen sein

Die Gefährdung durch den innerbetrieblichen Transport und alle Maßnahmen zur Verhütung von Personenschäden müssen in die allgemeine Unterweisung aufgenommen werden, die alle Arbeitnehmer vor Aufnahme der Tätigkeit und danach regelmäßig einmal jährlich erhalten.

Autor: Markus Horn