Fachbeitrag | Informieren und Recht 30.03.2017

Warum Multitasking zu vielen Unfällen führt

Multitasking scheint im Trend zu liegen. Die menschliche Fähigkeit, mehrere Tätigkeiten gleichzeitig durchzuführen, wird gerade im Berufsleben meist vorausgesetzt. Dass man aber bspw. während des Autofahrens besser nicht telefoniert, sollte mittlerweile jedem einleuchten. Auch das Ergebnis zweier aktueller Studien zum Thema Multitasking macht deutlich: bestimmte Tätigkeiten zeitgleich zu erledigen, kann das Unfall- und Gesundheitsrisiko deutlich erhöhen.

Multitasking und andere Arbeitsunterbrechungen wurden vor Kurzem auf ihre negativen Wirkungen hin untersucht. Zwei Studien haben dabei zu wichtigen Erkenntnissen geführt: Die Allianz hat festgestellt, dass die manuelle Handynutzung bei beruflichen Vielfahrern zu einer messbar höheren Zahl von Unfällen führt. Und die BAuA hat gezeigt, dass Multitasking und Arbeitsunterbrechungen die psychische Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefährden können.

Multikasking ist keine menschliche Grundeigenschaft

Es ist nicht möglich, zwei Aufgaben wirklich gleichzeitig durchzuführen. Was „Multitasking“ genannt wird, ist nur scheinbar die Erledigung von Arbeiten. In Wirklichkeit wird – oft unbemerkt – dauernd zwischen verschiedenen Aufgaben hin- und hergewechselt, es handelt sich dabei also eigentlich um ständige Unterbrechungen. Wer sich scheinbar auf zwei Aufgaben konzentriert, konzentriert sich immer nur zeitweise auf eine und vernachlässigt während dieser Phase automatisch die andere.

Und das birgt natürlich massive Unfallgefahren: Wer Gabelstapler fährt und dabei telefoniert, ist weniger konzentriert und gefährdet sich und andere. Auch Berufskraftfahrer sind gefährdet, wie eine aktuelle Studie der Allianz-Versicherung zeigt.

Multitasking erhöht das Unfallrisiko

Berufsvielfahrer nutzen oftmals das Mobiltelefon während der Fahrt auch von Hand, also nicht per Freisprechanlage. Von den Fahrern, die in den letzten drei Jahren in einen Unfall bzw. in Unfälle verwickelt waren, sind das 28 %. Bei den unfallfreien Fahrern sind es dagegen „nur“ (aber immer noch viel zu viele) 19 %.

Das belegt eindrucksvoll die Gefährlichkeit von Multitasking. Berufsfahrer und Pendler sollten im Rahmen der jährlichen Unterweisung besonders auf die Ablenkungsgefahr durch Mobiltelefone, Navis oder Audiogeräte aufmerksam gemacht werden.

Störungen, Unterbrechungen und Multitasking können psychisch krank machen

Arbeitsunterbrechungen und „Gleichzeitigkeit“ gehören zwar zur Arbeitswelt, stellen aber dennoch eine psychische Belastung dar. Solange die Ressourcen ausreichen, die täglichen Herausforderungen zu bewältigen, ist dies kein Problem.

Kommt es jedoch zu einer chronischen Überforderung, entsteht eine psychische Fehlbelastung. Die Gefahr ist dabei umso größer, je anspruchsvoller die zu erledigenden Aufgaben sind. Wer ständig Konzentration aufbauen muss und dabei immer wieder gestört wird oder „gleichzeitig“ noch etwas anderes tun soll, reagiert unter Umständen körperlich: Die Schlagfrequenz des Herzens erhöht sich, der Arbeitnehmer empfindet Stress – ein Hauptrisikofaktor für psychische Störungen und Erkrankungen.

Deshalb sind Störungen im Arbeitsablauf auch in der GBU zu berücksichtigen. Und in den Unterweisungen sollten Mitarbeiter dazu ermutigt werden, verschiedene Reaktionsmöglichkeiten zum Schutz vor ständigen Unterbrechungen zu diskutieren.

Simple Absprachen helfen oft schon viel

Innerhalb von Abteilungen helfen oft einfache Absprachen, die Zahl der Arbeitsunterbrechungen zu senken. Diese lassen sich auch im Rahmen einer Unterweisung initiieren: So können z. B. Nachfragen nicht sofort bei Entstehen, sondern gebündelt zweimal an einem Tag durchgeführt werden. Kleinere Zwischenlager für Materialien können helfen, die Kollegen nicht beim kleinsten Bedarf stören zu müssen. Und was nicht ganz eilig ist, kann auch per Mail kommuniziert werden. Der Empfänger entscheidet dann darüber, in welchem Rhythmus er seine E-Post abruft.

So organisieren Sie die Arbeit gegen ständige Unterbrechungen und Störungen:

In vielen Fällen lassen sich Arbeitsunterbrechungen weitgehend vermeiden, wenn Sie die Arbeitsorganisation verändern, etwa durch folgende Maßnahmen:

  • Störungsfreie Arbeitszeiten einrichten (z. B. Trennung von Beratungstätigkeit und Verwaltungsarbeit)
  • Einbau von Trennwänden und Schallschutz
  • Räumliche und personelle Trennung von sich gegenseitig störenden Tätigkeiten
  • Liefertermine standardisieren
  • Gute Arbeitsvorbereitung (keine Unterbrechung durch fehlende oder mangelhafte Arbeitsmittel)
  • Störungen vorhersehbarer machen (z. B. Kurzmitteilung von Lieferanten, wann Lieferungen eintreffen)
  • Schichtübergaben optimieren

Überall, wo es geht, sollen Aufgaben nicht parallel, sondern nacheinander bearbeitet werden – immer nach dem Motto: „Gib‘ Multitasking keine Chance!“

Ohne Kontrolle geht es nicht!

Wenn im Rahmen einer GBU Maßnahmen zur Minimierung von Unterbrechungen, Störungen und Multitasking-Zumutungen abgeleitet und durchgeführt werden, müssen Sie diese natürlich auch auf ihre Wirksamkeit hin kontrollieren. Nach einer angemessenen Frist könnten Sie z. B. per Fragebogen ermitteln, ob sich die Zahl der Störungen auch wirklich verringert hat.

Autor: Markus Horn