11.03.2021

Was sollte die Gefährdungsbeurteilung mobile Arbeit beinhalten?

Das mobile Arbeiten von unterwegs oder zu Hause hatte schon vor Beginn der Corona-Pandemie zugenommen. Die Pandemie und das damit einhergehende vermehrte Arbeiten im Homeoffice verstärken diesen Trend noch. Umso wichtiger ist es, bekannte Gefährdungen ernst zu nehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen – und diese vor allem auch in die Gefährdungsbeurteilung mobile Arbeit mit einzubeziehen und Ihre Kollegen zum richtigen Einsatz mobiler Geräte zu unterweisen.

Laptop

Warum braucht es eine Gefährdungsbeurteilung mobile Arbeit?

Seit Beginn der Corona-Krise arbeiten Beschäftigte (oft) nicht mehr in ihrem gewohnten Umfeld. Viele mussten sich von heute auf morgen auf das Homeoffice umstellen – oft zulasten des Arbeitsschutzes. Wichtig, um gegenzusteuern: die Gefährdungsbeurteilung mobile Arbeit, die hier systematisch Risiken für die Beschäftigten aufführt, untersucht und Schutzmaßnahmen festhält.

Da es um das Wohl der Beschäftigten geht, sollten Sie generell immer für den Arbeitsschutz sorgen – auch bei mobiler Arbeit im Homeoffice. Neben einer angemessenen, ergonomisch sinnvollen Ausstattung betrifft dies auch mögliche psychische Belastungen. All diese Aspekte sollten Sie bei der Gefährdungsbeurteilung mobiler Arbeit einbeziehen.

Physische Belastungen durch mobiles Arbeiten

Smartphone in Facebook-Haltung

Haben Sie schon einmal gehört, was das Facebook-Logo einem Scherz zufolge darstellen soll? Einen Menschen, der sich wie ein kleines „f“ über seinem Smartphone zusammenkrümmt. Mit dem Smartphone vor Augen beugen die meisten Menschen ihren Nacken, manche beugen zusätzlich den Rumpf und viele – vor allem Männer – ziehen auch noch die Schultern hoch. Tablets werden ähnlich verkrampft genutzt. Beide Geräte sind für das mobile Arbeiten nicht empfehlenswert.

Zwangshaltungen kommen im Alltag zwar häufiger vor, aber entscheidend ist immer die Frage nach der Dauer. Mobile Geräte werden sehr oft für längere Zeit in Zwangshaltungen benutzt, die Muskel-Skelett-Erkrankungen nach sich ziehen können.

Laptop als PC-Ersatz

Laptops sind für die reguläre Bildschirmarbeit ergonomisch ungeeignet. Sie kommen dann allenfalls für kurze Texte oder Recherche infrage. Zumindest ohne Zusatzausstattung dürfen Sie sie nicht als stationäre Rechner an Arbeitsplätzen einsetzen. Wenn Ihre Kollegen länger daran arbeiten, benötigen sie das volle Programm externer Peripherie:

  • separater Monitor
  • externe Tastatur
  • Maus etc.

Völlig inakzeptabel ist die Arbeit mit dem Laptop auf den Oberschenkeln – selbst unterwegs und nur für kurze Zeit. Auch improvisierte Lösungen wie Küchentisch und -stühle als Schreibtischersatz sind aus ergonomischer Sicht problematisch.

Mobile Geräte und ständige Erreichbarkeit

Ständige Erreichbarkeit ist kein Problem, für das Mobilgeräte allein verantwortlich sind, aber sie können dieses Problem bis zum Äußersten verstärken. Viele Menschen fühlen sich damit auch noch unterwegs oder nach Feierabend dazu verpflichtet, etwa sofort auf E-Mails zu reagieren oder etwas im Internet zu recherchieren, oft auch noch im Bett kurz vor dem Einschlafen. Es ist dann nicht mehr wirklich möglich, Arbeit und Privatleben zu trennen. Damit erhöht sich das Risiko psychischer Belastungen erheblich.

Ohnehin bereitet eine klare Trennlinie manchen Menschen hier große Schwierigkeiten. Sie haben auch das Gefühl, zu Hause besonders viel leisten zu müssen, um nicht undankbar zu erscheinen und das Vertrauen zu rechtfertigen, das sich seitens ihres Arbeitgebers im Homeoffice ausdrückt.

Psychische Belastungen durch mobile Geräte

Wegen der guten Work-Life-Balance und der guten Vereinbarkeit mit Familie schwören viele auf das Homeoffice. Mehrere Tage pro Woche zu Hause zu arbeiten, klingt erst einmal gut, vor allem wenn die Alternativen das Großraumbüro oder das tägliche stundenlange Stop-and-go in der Rushhour sind.

Aber das Homeoffice ist nicht die Lösung aller Probleme: Auch hier begegnen Arbeitnehmer verschiedenen Gefahren – vor allem für ihre psychische Gesundheit. Manche kommen mit diesen Belastungen besser, manche schlechter zurecht. Auf jeden Fall sollte jedoch eine Gefährdungsbeurteilung mobile Arbeit diese Belastungen abdecken.

Nachteile für das soziale Miteinander

Viele Menschen fühlen sich nur im Kreise ihrer Kollegen wirklich wohl – das fällt ihnen aber erst auf, wenn sie alleine zu Hause sitzen. Tatsächlich bringt die Arbeit in Gesellschaft ja auch einige Vorteile mit sich: Im Büro funktioniert die Kommunikation in der Regel besser. Ist im Homeoffice die E-Mail der einzige Draht zu den Kollegen, gehen viele Infos verloren.

Etwas besser sieht es aus, wenn Teams im Chat miteinander verbunden sind. Doch auch hier gibt es Grenzen. So ist schon von Zoom Fatigue die Rede, einer Erschöpfung, die sich durch die häufige Teilnahme an Videokonferenzen per Zoom & Co. bemerkbar machen kann. Denn es ist besonders anstrengend, die Kollegen nur noch als kleine „Kästchen“ wahrzunehmen und dabei noch mit technischem Stress wie z.B. bei einer verzögerten Übertragung oder zu langsamem Internet leben zu müssen.

Im Büro finden sich bei Bedarf Kollegen, die mit Rat und auch mit Tat zur Stelle sind, wenn es eng wird. Und sei es nur, dass der Drucker wieder mal nicht tut, was er soll. Selbst Vorgesetzte sind im Büro keineswegs unwillkommen, wenn schnelle Entscheidungen gebraucht werden. Im Homeoffice kann es an dieser Stelle leicht passieren, dass man nicht weiterkommt.

Last, but not least bieten viele Büros auch eine durchaus angenehme Arbeitsatmosphäre.

Entgrenzung der Arbeit

Viele Probleme treten vor allem dann auf, wenn jemand ausschließlich von zu Hause aus arbeitet. Die Befürchtung, dass darunter die Work-Life-Balance – also das Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben – leiden kann, ist leider berechtigt.

Manche Menschen können sich beispielsweise darüber freuen, wenn ihre Kinder gelegentlich hereinplatzen, um sie von der Arbeit abzuhalten. Andere dürfen dagegen auf keinen Fall gestört werden, weil sie sich sonst nicht konzentrieren können und weil sie dazu tendieren, die Arbeit vom Tag in die Abend- und Nachtstunden zu verschieben. Tatsache ist, dass die mobile Arbeit ein höheres Maß an Selbstdisziplin und Zeitmanagement erfordert, wenn das Privatleben nicht leiden soll.

Auch im Betrieb fallen oft Überstunden an. Zu Hause aber ist die Gefahr größer, nicht mehr an Pausen oder die 40-Stunden-Woche zu denken und sich selbst auszubeuten.

Solche Probleme treten nicht oder weniger stark auf, wenn mobile Arbeit ergänzend zum Büro eingesetzt wird und auf maximal drei Tage pro Woche beschränkt wird. Dann bleibt der persönliche Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten erhalten, und wenn sich etwas zu Hause nicht klären oder lösen lässt, dann nimmt man es eben am nächsten Tag mit in den Betrieb. Wer in erster Linie selbstbestimmt arbeiten möchte, profitiert von der Möglichkeit des mobilen Arbeitens und wird die Arbeit im Homeoffice vermutlich nicht mehr missen wollen.

Gefährdungen durch mobile Arbeit: Wichtig ist die Unterweisung!

Sie können bei Kollegen, die mobil arbeiten, nicht im Vorbeigehen die Einstellung des Bürostuhls, die Sitzhaltung oder die Stellung des Monitors kontrollieren. Legen Sie ihnen in Unterweisungen nahe, an ihre Gesundheit zu denken, wenn sie mobile Geräte einsetzen. Sie können selbst bestimmen, wie sie arbeiten – und Verantwortungsbewusstsein ist dafür die wichtigste Voraussetzung.

Unsere Empfehlung

Hilfe für Ihre Unterweisungen zur mobilen Arbeit

Jährlich neue Vorlagen für die Unterweisung mobiles Arbeiten finden Sie in unserer „In 30 Minuten unterweisen – Büro & Verwaltung“.

Autoren: Martin Weyde , Christine Lendt