11.02.2020

Mit Kampfmittelrisiken im Tiefbau umgehen und sie reduzieren

Grundsätzlich ist es Aufgabe des Bauherrn oder Bauplaners, Gefährdungen durch möglicherweise im Erdreich vorhandene Kampfmittel zu bewerten und diese ggf. beseitigen zu lassen. Dennoch kann sich das Tiefbauunternehmen, das die Erdarbeiten ausführt, nicht einfach darauf verlassen. Denn für die Mitarbeiter bleibt immer ein Restrisiko. Und das muss in einer entsprechenden Gefährdungsbeurteilung angemessen berücksichtigt werden.

Nicht explodiertes Projektil - ein großes Risiko bei Baurarbeiten

Vor Beginn von Tiefbauarbeiten sollten sich die Baubetriebe eine schriftliche Bestätigung der Kampfmittelfreigabe vom Auftraggeber erstellen lassen und einen Kampfmittelverdacht ggf. in ihrer Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen. Die hier einschlägigen Vorschriften hängen vom jeweiligen Bundesland ab.

Basis Ihrer Gefährdungsbeurteilung: ein Kampfmittelverdacht

In der Gefährdungsbeurteilung muss der ausführende Betrieb die Gefährdung durch Kampfmittel berücksichtigen. Die Basis der Gefährdungsbeurteilung ist der Kampfmittelverdacht, der sich z.B. aus einem Gutachten ergibt. Je nach Baumaßnahme und Bodentiefe, in der Kampfmittel vermutet werden, wird der Gutachter auch Empfehlungen aussprechen (z.B. die flächendeckende oder punktuelle Kampfmittelräumung).

Auch wenn eine Kampfmittelräumung stattgefunden hat, müssen alle Personen, die auf der Baustelle tätig sind, unterwiesen werden.

Kampfmittel tauchen unerwartet auf? Arbeiten sofort einstellen!

Falls trotz aller Vorausschau unerwartet Kampfmittel im Boden oder auch im Aushub (!) auftauchen, muss die Baustelle sofort geschlossen werden, bis eine erneute schriftliche Kampfmittelfreigabe erfolgt.

Die Pflicht zur Schließung gilt natürlich auch für Bauherr und Architekt: Auf keinen Fall dürfen sie bei Kampfmittelverdacht die Weiterführung der Arbeiten veranlassen.

Wichtiges zur Freigabe

Eine ordnungsgemäße Kampfmittelfreigabe darf nur durch einen vom Bauherrn oder Bauplaner beauftragten Fachunternehmer oder eine Fachbehörde vorgenommen werden. Dabei ist eindeutig anzugeben, auf welche konkreten Bereiche sich die Freigabe bezieht, etwa durch einen genauen Baulageplan.

Vorsicht, akzeptieren Sie niemals unzulässige Freigaben!

Bauarbeiten dürfen niemals auf der Basis von eingeschränkten Freigaben (z.B. „nur bei Auffüllungen“ oder „bis zu einer Tiefe von 2 Metern“) begonnen werden. In diesen Fällen gilt die Freigabe als nicht gegeben.

Zulässig ist allerdings die Freigabe, die sich auf einzelne Baubereiche einer Baustelle bezieht. Der Baubereich ist hier eindeutig anzugeben und die Freigabe vor Baubeginn noch einmal verantwortlich auf Aktualität zu prüfen.

Sonderfall: baubegleitende Kampfmittelsondierung

Wenn aufgrund der Geländebeschaffenheit eine Bohrloch- oder Oberflächensondierung nicht durchführbar ist, gibt es die Möglichkeit einer baubegleitenden Kampfmittelsondierung. Hier stellt eine entsprechend spezialisierte Fachfirma einen Experten, der beim schichtweisen Abtragen des Bodens die Aufsicht führt.

Vor dem Abtragen wird jede Schicht mit einer Sonde geprüft. Werden Kampfmittel gefunden, werden die Arbeiten sofort gestoppt und die Räumung wird in die Wege geleitet. Selbstverständlich ist auch bei dieser Vorgehensweise eine ausführliche Unterweisung aller auf der Baustelle tätigen Personen notwendig.

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Autor: Markus Horn