Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation 11.09.2017

Mit Hautschutzplan Erkrankungen vorbeugen

Der Hautschutzplan ist ein wichtiges Instrument zur betrieblichen Gesundheitsprävention. Immerhin zählen Hauterkrankungen zu den häufigsten Berufskrankheiten. Mit den entsprechenden Maßnahmen lässt sich ein Hautschutzplan auch relativ schnell realisieren. Nutzen Sie gerne auch die Muster zum Download.

Bei 90% aller beruflichen Hauterkrankungen handelt es sich um Ekzeme, die überwiegend an den Händen lokalisiert sind. Das sind Entzündungen der Haut, die häufig nässen, Bläschen bilden und durch Hautrisse sehr schmerzhaft sein können. Hier setzt professioneller Hautschutz mit einem gut durchdachten Hautschutzplan an.

Oberstes Ziel dabei ist es, die individuelle natürliche Barrierefunktion der Haut zu unterstützen, zu erhalten bzw. schnell wiederherzustellen (Säureschutzmantel der Haut).

Eine Gefährdung für die Haut liegt vor bei

  • Feuchtarbeit
  • Tätigkeiten mit hautgefährdenden oder hautresorptiven Gefahrstoffen und hautanhaftenden Verschmutzungen
  • mechanischen Hautbelastungen z. B. durch raue Oberflächen, Metallstaub, Stahlwolle
  • Hautkontakt mit Arbeitsstoffen oder auch Hautprodukten von hoher irritativer und/oder allergener Potenz
  • UV-Belastung bei Außenarbeitsplätzen

Ekzeme, also Entzündungen der Haut, entstehen

  • durch direkten intensiven Kontakt der Haut mit dem schädigenden Stoff, z.B. durch Verätzung der Haut mit Säure oder Lauge
  • langandauernde Einwirkung eines hautschädigenden Stoffes in einer Konzentration, die für sich allein nicht sofort eine Hauterkrankung hervorruft
  • wenn die Haut auf einen bestimmten Stoff, z.B. Epoxidharz, Chrom oder Nickel, mit der Zeit übermäßig empfindlich wird und allergisch reagiert

Aufgaben im betrieblichen Arbeitsschutz

  1. Ermittlung der Belastungen
    Im Rahmen der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung müssen mögliche Hautbelastungen (Art, Umfang, Dauer) ermittelt werden. Arbeitgeber sollten sich dabei durch eine fachkundige Person beraten lassen, zum Beispiel durch eine Fachkraft für Arbeitssicherheit und/oder einen Betriebsarzt.
  2. Information der Betroffenen
    Die Beschäftigten müssen über die Ergebnisse im Rahmen der Betriebsanweisung und Unterweisung regelmäßig und verständlich informiert werden. Außerdem muss die mögliche arbeitsmedizinische Vorsorge (G24) festgelegt werden, wobei auch besondere Personengruppen wie werdende Mütter, Jugendliche entsprechend berücksichtigt werden.
  3. Bereitstellung von Schutzmitteln und -massnahmen

Soweit die Tätigkeit der Beschäftigten hautbelastend ist, sind Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, geeignete Schutzmaßnahmen, z.B. Hautschutz-, Reinigungs- und Pflegemittel sowie Schutzhandschuhe (ggf. Unterziehhandschuhe), Einmalhandtücher zur Verfügung zu stellen. Bei der Auswahl sollten die Beschäftigten mit Blick auf Anwendungs- und Trageakzeptanz aktiv beteiligt werden und Neuheiten im Rahmen von Probephasen ausprobiert werden.

So erstellen Sie Ihren firmeneigenen Hautschutzplan

Ein Hautschutzplan kann natürlich nur firmenindividuell unter Berücksichtigung der spezifischen Gefährdungen und konkreten Gegebenheiten vor Ort erstellt werden.

Ein solcher Plan ist einerseits Bestandteil Ihres übergeordneten Betrieblichen Hautschutzkonzepts, in dem alle einzelnen Hautschutzmaßnahmen zusammengefasst sind (u. a. Hautschutzplan, Handschuhplan, Reinigungs-/Hygieneplan, Vorsorge, PSA-Lager, Nachschubregelung).

Andererseits setzt ein funktionierender Hautschutzplan immer auch schon voraus, dass gewisse grundlegende Maßnahmen bereits ergriffen und auf Betriebsebene tatsächlich umgesetzt sind.

Unsere folgenden 13 Tipps zeigen Ihnen, worauf es dabei ankommt:

13 Tipps für Ihr Betriebliches Hautschutzkonzept:

  1. Führen Sie beim Einsatz von Gefahrstoffen regelmäßig Ersatzstoffprüfungen durch und dokumentieren Sie diese.
  2. Erstellen und aktualisieren Sie regelmäßig Ihr Gefahrstoffverzeichnis, achten Sie auf korrekte Beschriftungen und Kennzeichnung von Gebinden und Anlagenteilen.
  3. Halten Sie immer die jeweils aktuellsten Sicherheitsdatenblätter vor und machen Sie sie den Beschäftigten zugänglich.
  4. Sorgen Sie dafür, dass Expositionszeiten und die Anzahl exponierter Beschäftigten immer so gering wie möglich bleiben.
  5. Lassen Sie nur da und dort Hautschutz betreiben, wo er erforderlich ist (z.B. keine Handschuhe an Verkaufstresen, sondern für die Hygiene mechanische Hilfsmittel nutzen).
  6. Lassen Sie in praktischen Übungen angemessenes Säubern und Eincremen (nicht zu oft, zu viel) am Waschbecken üben.
  7. Bieten Sie arbeitsmedizinische Vorsorge, inklusive Beratung, aktiv schriftlich an (G24).
  8. Bieten Sie ggf. Hautkrebsvorsorge als freiwilliges Angebot mit an.
  9. Beziehen Sie sofort den Betriebsarzt oder die Hautsprechstunde der Berufsgenossenschaft mit ein, wenn erste arbeitsbedingte Hautveränderungen an den Händen festgestellt werden (Hautarztverfahren).
  10. Lassen Sie Beschäftigte mit vorgeschädigter Haut, Allergiker oder „Vielwascher“ eher pH-neutrale Syndetseife (parabenfrei) statt normaler Seifen verwenden, da die natürliche Rückfettung der Haut dann schneller abläuft.
  11. Lassen Sie auch an Sicherheitsbeauftragte grundlegende Hautschutzkenntnisse vermitteln, etwa durch branchenspezifische Hautschutzseminare.
  12. Ermöglichen Sie die Trennung von Arbeits- und Schutzkleidung.
  13. Lassen Sie deshalb ausreichend Waschgelegenheiten und ggf. Duschen bereitstellen.

Tipp: Ein neutrales Muster für einen Hautschutzplan liegt hier zum kostenlosen Download bereit. Außerdem finden Sie im Downloadbereich einen Muster-Hautschutzplan für den Pflegebereich.

Autor: Stefan Johannsen