Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
12.01.2015

Mit einem Gesundheitstag gesundheitsförderliche Signale setzen

Ob als einzelner Betrieb oder im Verbund mit anderen Firmen, ein Gesundheitstag eignet sich besonders, um nachhaltige gesundheitsförderliche Signale zu setzen. Das zeigt auch eine deutliche Zunahme von KMU-Betrieben, die mindestens einmal jährlich einen Gesundheitstag für ihre Belegschaft einplanen.

Apfelschnitten© Wavebreakmedia Ltd /​Thinkstock

Voraussetzung für dieses Ereignis ist, dass ein Konsens zwischen Geschäftsführung sowie den Arbeitsschutzakteuren (Betriebsarzt, Sicherheitsfachkraft, Arbeitnehmervertretung, Personalabteilung, Sicherheitsbeauftragte) des Betriebes darüber bestehen muss, sich langfristig für die Gesundheit der Beschäftigten einzusetzen.

Damit dieser Tag erfolgreich verläuft und rechtfertigt, dass zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen beansprucht werden, muss er systematisch und frühzeitig vorbereitet werden.

Der Arbeitsschutzausschuss (bei Betrieben ab 20 Mitarbeiter/innen) ist ein geeignetes Kommunikationsgremium, das im Rahmen der vierteljährig durchzuführenden Arbeitsschutzausschusssitzung (ASA-Sitzung) dieses Thema besprechen und Verantwortlichkeiten dazu festlegen sollte. Er kann aber auch von dem Gesundheitsausschuss oder Mitarbeiterzirkel vorgeschlagen werden.

Gesundheitstag für alle Beschäftigten

Ein Gesundheitstag sollte alle Beschäftigten, insbesondere auch Zeitarbeitnehmer und Auszubildende, Teilzeitbeschäftigte, Schichtdienstler mit einbeziehen. Die Kosten dafür sind verhältnismäßig gering. Die meisten Akteure bieten ihre Leistungen im Rahmen des Gesundheitstages kostenfrei an. Zum Teil sind Maßnahmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung auch steuerlich absetzbar.

Wie effektiv ein Gesundheitstag allerdings ist, hängt ganz davon ab, wie er geplant und nachbereitet wurde!

Vor dem Gesundheitstag sollten Sie sich Gedanken darüber machen, welche Ziele Sie damit verfolgen. Legen Sie konkrete Kennzahlen fest, anhand derer Sie den Erfolg des Gesundheitstages messen können.

Was sollte bei der Planung berücksichtigt werden?

  • Das erforderliches Budget muss von der Geschäftsführung bereitgestellt werden.
  • Eine Projektgruppe sollte dazu gegründet werden.
  • Den/die Betriebsarzt/ärztin als beteiligte Person dazu gewinnen.
  • Einen passenden Termin finden.
  • Geeignete Räumlichkeiten einplanen.
  • Erforderliches Material einplanen (eigenes und zur Verfügung gestelltes): z.B. Getränke und Becher, Therabänder, ggf. Messgeräte, Blutdruckpass, Blutzuckermessgerät, gesunde Snacks, Ergonomische Tastatur oder Maus, ggf. Fitnessgerät (Rudergerät, Ergometer, Massagesessel), Muster-Kochrezepte, Hautschutz-, reinigungs, -pflegecrememuster, Allergietagebuch, Kompressionsstrümpfe, Informationen z.B. über Angebote im Bereich Stressprophylaxe etc.
  • Passend betriebsspezifische und zielgruppenorientierte Schwerpunktthemen vorsehen. Diese gehen aus der Gefährdungsbeurteilung, Mitarbeiterbefragungen, Unfallstatistik, Krankenkassenberichten hervor.
  • Beschäftigte frühzeitig einbinden, informieren und aktiv motivieren (z.B. Aushang, Rundbrief, Intranet). Vorgesetzte haben Vorbildfunktion.
  • Es ist sinnvoll, eine Krankenkasse mit einzubinden (z.B. die, bei der die meisten Beschäftigten versichert sind).
  • Ebenfalls kann ein/e Physiotherapeut/in eingebunden werden, der die Beschäftigten z.B. direkt an den Arbeitsplätzen, während der Arbeitsvorgänge zum Thema rückengerechtes Heben und Tragen schulen kann. Dieser wird auch oftmals von der  Krankenkasse empfohlen oder auch gestellt.
  • Eine Ernährungsberaterin könnte zum Thema „gesunde Ernährung“ etwas beitragen.
  • Ggf. einen Hersteller z.B. von Chemikalienschutzhandschuhen, Hautschutz, ergonomisches Mobiliar, Sicherheitsschuhe gewinnen oder die Berufsgenossenschaft beteiligen.
  • Einen (ortsansässigen) Vertreter eines Sportvereins/Fitnessstudios/ und/oder einen Podologen gewinnen.
  • Den Tag  ggf. in zwei Abschnitte, einen vormittags, einen nachmittags aufteilen, damit nicht alle Beschäftigten gleichzeitig ihren Arbeitsplatz kurz verlassen und auch alle Beschäftigten die Gelegenheit haben, daran teilzunehmen.

Ein Gesundheitstag sollte keine „steife Pflichtveranstaltung“ sein, sondern kreativ, zwanglos und ohne besondere Etikette als ein gemeinsames Event ablaufen. Die Beschäftigten sollen neugierig gemacht werden und das Gefühl haben, jederzeit für ihre individuell eingeteilte Zeit willkommen zu sein. Dabei kann der Arbeitskittel auch kurz einmal abgelegt werden.

Als Themen im Rahmen der Prävention eignen sich:

  • Venencheck (für Beschäftigte, die lange stehen müssen)
  • Osteoporoseprophylaxe
  • Blutdruck, Blutzucker
  • Hautschutz (richtiges Eincremen)
  • Lärmprävention
  • Seh- und Hörtest, Lungenfunktionstest
  • Rückenschonendes Arbeiten, Rückenscreening
  • Bildschirmausgleichübungen, dynamisches Sitzen
  • Orthopädische Beratung zu Einlagen und Arbeitsschuhe
  • Raucherentwöhnung, Suchtprävention
  • Stressprävention
  • Gesunde Pausengestaltung
  • Fahrradsimulator mit Rauschbrillen (Wegeunfälle)
  • Beratung: Call a bike
  • Bewegungsangebote für die Mittagspause
  • Mobile Fahrradwerkstadt
  • Gesunde Ernährung (z.B. Gesundes Frühstück)
  • Darm-/Hautkrebsvorsorge
  • externe Mitarbeiterberatung und Employee Assistance Services – EAP u.a. Familienservice

Auswirkungen

Die Resonanz auf den Gesundheitstag kann anhand eines Bewertungsbogens anonym ausgewertet werden. Sprechen Sie mit den Beschäftigten im Nachhinein über Stärken und Schwächen des Gesundheitstages, Verbesserungsvorschläge sollten dabei willkommen sein

Mit einem Gesundheitstag können nachhaltig gesundheitsförderliche Impulse gesetzt werden, die unternehmensseitig gefördert werden sollten, z.B. die Anschaffung von Massagesesseln oder Blutdruckmessgeräten, Ruhezonen oder die Bildung einer Kochgruppe, Kochkurs, Radfahrgruppe, Schwimm- oder Wandergruppe die die Beschäftigten bei einer Verhaltensänderung unterstützen und Rückfällen vorbeugen können. Schaffen Sie dazu Anreizsysteme und beziehen Sie die Familie der Beschäftigten ein, denn der Lebensstil hängt auch immer vom Umfeld ab.

Der Gesundheitstag (ein oder auch zweimal jährlich durchgeführt) wird sich langfristig positiv auf die Gesundheit der Beschäftigten auswirken, wenn er als regelmäßiger Baustein in ein betriebliches Gesundheitsmanagement systematisch eingebunden ist.

Autor: Stefan Johannsen 

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen