11.09.2019

Bessere Sicht für Staplerfahrer

Erweiterte Realität könnte Staplerfahrern bald sprichwörtlich den Durchblick bringen: Wissenschaftler des Instituts für Integrierte Produktion Hannover (IPH) gGmbH und des Instituts für Transport- und Automatisierungstechnik (ITA) der Leibniz Universität Hannover arbeiten aktuell gemeinsam mit drei großen Gabelstapler-Herstellern und weiteren Industrieunternehmen an der Entwicklung einer AR-Brille, mit der die Träger durch Hindernisse hindurchsehen können.

Besser Übersicht Gabelstapler dank AR-Brille

Im Gabelstapler trotz Ladung, Fahrzeug und Hubmast den Überblick zu behalten – das ist gar nicht so einfach. Auch die heute häufig integrierten Kameras – ähnlich wie die Rückfahrkamera im Auto – helfen nicht wirklich weiter. Denn je mehr sich Fahrer auf Bildschirme im Inneren ihrer Fahrerkabine verlassen, desto größer ist die Gefahr, dass sie Hindernisse oder Menschen direkt vor dem Gabelstapler übersehen.

Wie die Übersicht von Staplerfahrern verbessern?

Für Forscher aus Hannover liegt die Lösung auf der Hand: Staplerfahrer sollen in Zukunft eine AR-Brille am Steuer tragen und so ihre Übersicht radikal verbessern. Sie müssen dann den Blick nicht von der Fahrbahn abwenden und profitieren trotzdem von den Kamerabildern. Diesen Ansatz verfolgen die Forscher mit dem Projekt „ViSIER – Virtuelle Sichtverbesserung und intuitive Interaktion durch Erweiterte Realität an Flurförderzeugen“.

Hinweis

AR steht für Augmented Reality, auf Deutsch: erweiterte Realität. Wer eine solche Brille trägt, sieht sowohl die reale Umgebung als auch zusätzliche Informationen, die virtuell eingeblendet werden.

Verbesserte Sicht durch AR-Brille: Wie funktioniert das genau?

Das Bild, das die Brille dem Fahrer zeigt, soll das Bild, das er durch seine Augen sieht, überlagern. Schaut er beispielsweise direkt nach vorn, sieht er den Hubmast und die Ladung, die aber vom Bild der Frontkamera überlagert werden. Legt er den Rückwärtsgang ein und schaut über die Schulter, sieht er das Bild der Rückfahrkamera und gleichzeitig sein reales Sichtfeld.

Egal, wohin Staplerfahrer also blicken: Es wirkt so, als könnten sie durch Hindernisse hindurchsehen.

Viele Fragen sind indes noch ungeklärt. Wissenschaftler am Institut für Integrierte Produktion Hannover beschäftigen sich derzeit mit der Frage, welche zusätzlichen Informationen der Staplerfahrer zu welchem Zeitpunkt benötigt und wie diese in seinem Sichtfeld eingeblendet werden können. Denkbar sind z.B. Auftragsdaten, die ausgedruckte Listen ersetzen sollen oderWarnhinweise, etwa über einen niedrigen Ladezustand.

Auch wo am Gabelstapler die Kameras für den perfekten Rundumblick installiert werden sollen, oder wie der Fahrer seine AR-Brille möglichst einfach bedienen kann, steht noch nicht fest.

Wer ist am Forschungsprojekt „ViSIER“ beteiligt?

Wissenschaft und Industrie arbeiten in diesem Forschungsprojekt eng zusammen. Beteiligt sind das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) gGmbH, das Institut für Transport- und Automatisierungstechnik (ITA) der Leibniz Universität Hannover, drei namhafte Gabelstaplerhersteller, ein Logistikzentrum, ein Hersteller von Staplerbauteilen, ein AR-Dienstleister und ein Dienstleister aus dem Bereich Mikroelektronik.

Finanziert wird das Forschungsprojekt „ViSIER“ mit Fördergeld des Bundeswirtschaftsministeriums.

Quelle: Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH)

Autor: WEKA Redaktion