05.02.2018

Die Last mit der Last: Gefährdungen beurteilen und die Frage der Grenzwerte

Neben dem schieren Gewicht sind Art und Beschaffenheit einer Last entscheidend dafür, wie schwer und gefährdend der Umgang mit ihr, zum Beispiel beim Heben, Tragen, Schieben etc. ist. Im Anhang der Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV) sind nicht weniger als 17 verschiedene Merkmale aufgeführt, aus denen sich beim Umgang mit Lasten „eine Gefährdung von Sicherheit und Gesundheit, insbesondere der Lendenwirbelsäule, der Beschäftigten ergeben kann“ (LasthandhabV, Anhang).

Das Ziel der Lastenhandhabungsverordnung ist es, Gefährdungen durch den Umgang mit Lasten zu vermeiden und die Arbeitsplätze und Arbeitssituationen entsprechend zu gestalten. Verbindliche Grenzwerte sucht man darin aber vergebens.

Die Lastenhandhabungsverordnung legt keine Grenzwerte fest

Im Mutterschutzgesetz ist für werdende Mütter festgelegt, dass bei seltenem Heben und Tragen Gewichte von 10 kg und bei wiederholtem Heben und Tragen Gewichte von 5 kg nicht überschritten werden dürfen.

Etwas unkonkreter fordert das Jugendarbeitsschutzgesetz, dass Jugendliche nicht mit Arbeiten beschäftigt werden dürfen, die ihre physische und psychische Leistungsfähigkeit übersteigen.

Lasten von mehr als 40 kg gelten für Männer, solche von mehr als 25 kg für Frauen generell als Risiko. Dies sind aber keine verbindlichen Grenzwerte. Der Gesetzgeber tut sich hier schwer, praxisgerechte Vorschriften festzulegen: Verbindliche Grenzwerte würden manche Tätigkeiten verbieten, die im Arbeitsalltag kaum zu planen, geschweige denn zu vermeiden sind. Man denke nur an Pflegepersonal und schwere Patienten, ein in engen Fluren zu transportierendes Möbel oder die Einzelfertigung eines schweren Werkstücks.

 

Nutzen Sie diese Maßnahmen, um den Umgang mit Lasten deutlich sicherer zu machen

Die Maßnahmen zu Sicherheit und Gesundheit beim Heben und Tragen lassen sich in vier Abschnitte gliedern:

  • Vermeiden
  • Technische Maßnahmen
  • Organisatorische Maßnahmen
  • Personenbezogene Maßnahmen

Im Einzelnen bedeutet dies:

Setzen Sie auf Vermeiden

Die Lastenhandhabungsverordnung fordert zuallererst, jede manuelle Handhabung von Lasten, die für die Beschäftigten eine Gefährdung für Sicherheit und Gesundheit, vor allem der Lendenwirbelsäule, mit sich bringen, zu vermeiden.

Durch möglichst weitgehende Mechanisierung sollen die Beschäftigten vor gefährdendem Heben und Tragen geschützt werden. Erst wenn dieses Ziel nicht oder nicht vollständig erreichbar ist, kommen technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen zum Zug.

 

Ergreifen Sie technische Maßnahmen

Ein ganz einfaches, aber hervorragendes Beispiel für das, was mit „technischen Maßnahmen“ gemeint ist, ist der Einsatz einer Sackkarre: Das Stechblatt lässt sich leicht unter die Last schieben, die Last wird nur angehebelt und nicht gehoben, es wird geschoben und nicht getragen.

Damit werden durch ein denkbar simples und vertrautes Gerät gleich drei denkbare Probleme für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten ausgeschaltet!

Weitere Beispiele für technische Maßnahmen sind:

  • Setzen Sie Hebehilfen und Transportvorrichtungen ein, auch kraftbetriebene.
  • Setzen Sie Bremsen und Anfahrhilfen ein.
  • Setzen Sie Hubtische und versenkbare Hebebühnen ein, um eine angemessene Arbeitshöhe zwischen 70 und 110 cm zu erreichen.
  • Setzen Sie ergonomisch gestaltete Arbeitsmittel ein, besonders ergonomische Griffe.
  • Sorgen Sie für ebene, rutschfeste und stabile Böden.
  • Beseitigen Sie Schwellen, Schlaglöcher und andere Hindernisse.
  • Klimatisieren Sie die Räume angenehm.

Setzen Sie organisatorische Maßnahmen um

Auch rein organisatorisch lässt sich viel tun, um Belastungen und Gefährdungen durch Lasten zu reduzieren. Hier nur einige Beispiele:

  • Vermeiden Sie sich ständig wiederholende Tätigkeiten.
  • Wechseln Sie Tätigkeiten ab.
  • Reduzieren Sie das Gewicht, etwa durch kleinere Verpackungseinheiten.
  • Kennzeichnen Sie Lastgewichte.
  • Vermeiden Sie scharfe Kanten, Spitzen und Undichtigkeiten.
  • Stellen Sie Handschuhe und ggf. Schutzschuhe zur Verfügung.
  • Sorgen Sie für gute Sichtverhältnisse.
  • Sorgen Sie für ein angemessenes Arbeitspensum und Arbeitstempo
  • Planen Sie ausreichende Pausen und Erholungszeiten ein.

Ergänzen Sie Ihre Aktionen um personenbezogene Maßnahmen

Nicht zuletzt eröffnen auch personenbezogene Maßnahmen ein weites Feld zu einem arbeitsergonomisch und sicherheitstechnisch verantwortbaren Umgang mit Lasten. Denken Sie dabei vor allem an personenbezogene Maßnahmen, wie sie die folgenden Beispiele zeigen:

  • Setzen Sie nur körperlich geeignete Beschäftigte ein.
  • Achten Sie auf die arbeitsmedizinische Vorsorge
  • Unterweisen Sie Ihre Beschäftigten
    – bevor sie die Tätigkeit aufnehmen,
    – wenn sich ihr Aufgabenbereich ändert,
    – wenn Sie neue Arbeitsmittel einführen und
    – regelmäßig wiederkehrend, z. B. jährlich.
  • Überprüfen Sie, ob Ihre Beschäftigten Hilfsmittel korrekt nutzen.
  • Überprüfen Sie die korrekte Körperhaltung Ihrer Beschäftigten.
  • Ermöglichen Sie Ihren Beschäftigten Ausgleichsübungen.

Der Weg zu konkreten Lösungen und Maßnahmen: Ihre betriebliche Gefährdungsbeurteilung

Auch das Thema „Heben und Tragen“ muss in der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz einbezogen werden.

Tipp: Dazu haben die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und der Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) die „Leitmerkmalmethode Heben, Halten und Tragen” erarbeitet und geben dazu Informationen, ein Formblatt und eine Handlungsanleitung heraus.

Autor: Dr. Kurt Kropp