Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
12.01.2015

Ladungssicherung: Damit nichts passiert!

Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge sind jährlich über 2.300 Unfälle von Lkw und Kleintransportern auf schlechte oder fehlende Ladungssicherung zurückzuführen. In den meisten Fällen kommt es dabei zu gravierenden Personen- und Sachschäden.

Ladungssicherung© deadandliving /​ iStock /​ Thinkstock

Um zu vermeiden, dass die Ladung unter verkehrsüblichen Bedingungen verrutschen, umfallen, verrollen oder herabfallen kann, muss diese fachgerecht und wirkungsvoll gesichert werden. Ladungssicherung ist deshalb für alle Unternehmen, die eigene Transportfahrzeuge unterhalten oder Speditionsfahrzeuge beladen, von Bedeutung.

Die Gefahren durch nur unzureichend gesicherte Ladungen auf Fahrzeugen werden in der Praxis leider häufig unterschätzt. Das ändert nichts daran, dass im Falle eines Falles die Verantwortlichen gesucht und zur Rechenschaft gezogen werden.

Wer ist verantwortlich für die Ladungssicherung?

Verantwortlich für die Ladungssicherung können alle Personen sein, die damit betraut sind. Das heißt, weder der für die Beladung zuständige Arbeitnehmer, noch der Fahrer oder Halter des Fahrzeugs sind allein für die verkehrssichere Verstauung der Ladung verantwortlich. Das Oberlandesgericht in Stuttgart hat entschieden, dass neben dem Fahrer auch der Verlader für die verkehrssichere Verstauung der Ladung verantwortlich sein kann (OLG Stuttgart, Beschluss vom 27.12.1982, Az.: 1 Ss 858/82).

Mit Verlader ist hier der „Leiter der Ladearbeiten“ gemeint, das ist die Person, die berechtigt ist, eigenverantwortliche Entscheidungen im Bereich der Verladung zu treffen. Zu eigenverantwortlichen Entscheidungen ist in der Regel nur eine Führungskraft befugt. Welche Position diese innerhalb des Unternehmens bekleidet, ist nicht festgelegt. In Betracht kommen zum Beispiel

  • Versandleiter,
  • Lademeister,
  • Niederlassungsleiter
  • Logistikleiter oder
  • Schichtführer.

Für den Fall, dass keine Person benannt ist, kann die Verantwortung bei einem Unfall bis zur Geschäftsleitung reichen.

Empfehlungen zum Thema Ladungssicherung

Um auf Nummer Sicher zu gehen, sollten Unternehmen zumindest die für die Verladung verantwortlichen Beschäftigten schulen lassen. Im besten Fall schickt der Arbeitgeber alle an der Verladung direkt beteiligten Arbeitnehmer zur Schulung. Die Schulung zum Erwerb des „Ausbildungsnachweises Ladungssicherung“ nach VDI 2700a erfordert mindestens 16 Unterrichtseinheiten und dauert zwei Tage.

Rechtsgrundlagen Ladungssicherung: Die Straßenverkehrsverordnung

§ 22 der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist eine der wichtigsten Vorschriften für sichere Transporte: Sie verlangt, dass Ladung so zu verstauen und zu sichern ist, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, rollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen kann. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten. Die Norm gibt also nicht vor, wie Ladung konkret zu sichern ist, sondern verweist auf die „allgemein anerkannten Regeln der Technik“. Das sind in erster Linie DIN- und EN-Normen sowie, obergerichtlich bestätigt, die VDI-Richtlinien, gegenwärtig zum Beispiel:

  • VDI-Richtlinie 2700 „Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen“,
  • VDI-Richtlinie 2701 „Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen, Zurrmittel“ und
  • VDI-Richtlinie 2702 „Zurrkräfte“.

Deutschland ist wegen seiner bereits vorhandenen detaillierten Regelungen nicht zur Anwendung der neuen DIN EN 12195 – 1:2011-06 verpflichtet. Nationale Vorschriften können durch internationale Richtlinien nicht ausgehebelt werden. Somit haben sich Transporte, die von außerhalb nach oder durch Deutschland führen, auch weiterhin nach den hierzulande geltenden nationalen Regelungen
– auch denen zur Ladungssicherung – zu richten.

Vorsicht: Werden Gefahrgüter bzw. Maschinen mit gefährlichen Gütern als Inhalt transportiert, die unter die Regelungen der Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) und dem Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) fallen, müssen diese Güter nach der neuen DIN EN 12195-1:2011-06 gesichert werden.

Keine Pauschal-Lösungen in der Ladungssicherung!

Als Arbeitsschützer sollten Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen regelmäßig darauf hinweisen, dass Ladungssicherung keine Tätigkeit ist, die im Vorbeigehen erledigt werden kann. Appellieren Sie an die Fahrer und das Verlade-Personal, bei der Sicherung jeder einzelnen Lkw- Ladung äußerst sorgfältig und gewissenhaft vorzugehen.

Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich grundsätzlich jede Ladung von anderen Ladungen unterscheidet. Es gibt also nicht die eine richtige Methode, um Ladegut zu sichern. Weil nahezu jeder Transportvorgang und jede Ladung oder Ladungszusammenstellung anders ist, muss vor jeder Fahrt eine individuell angepasste Ladungssicherung erfolgen. In diesem Kontext sind die für die Ladung Verantwortlichen verpflichtet, zunächst die Zusammenhänge zwischen Ladegut – Transportfahrzeug – Zurrmittel – Hilfsmittel zu berücksichtigen, um dann zu entscheiden, wie die Ladung konkret zu sichern ist.

4 wichtige Tipps zur Ladungssicherung für Fahrer und Verlade-Personal

1. Ladegüter auf der Ladefläche so anordnen, dass die zulässigen Achslasten eingehalten werden.
2. Für jedes Ladegut muss der Sicherungsbedarf gegen Verrutschen, Verrollen, Umkippen oder Herabfallen ermittelt werden.
3. Ladegüter müssen den Belastungen aus Stapelung, Transport und Ladungssicherung standhalten.
4. Für einen hohen Reibwert zwischen Ladegut und Ladefläche sorgen, zum Beispiel durch rutschhemmendes Material (Antirutschmatten). Eine hohe Reibung unterstützt sämtliche Verfahren der Ladungssicherung.

Autor: Markus Horn 

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