25.02.2019

Krebserzeugende Stoffe am Arbeitsplatz: Angaben im Expositionsverzeichnis

Krebserzeugende Stoffe sind an deutschen Arbeitsplätzen weit verbreitet. Wenn sie Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten beeinträchtigen können, müssen Arbeitgeber ein Expositionsverzeichnis führen. Dieses gibt u.a. die Höhe und die Dauer der Exposition an, der die Beschäftigten ausgesetzt waren. Dabei gibt es einige klare Vorgaben zu beachten.

Krebserzeugende Stoffe sind in mehr als einer Millionen Unternehmen in Deutschland fester Bestandteil der Arbeit. Größtenteils ist dabei nicht bekannt, in welchem Umfang die Beschäftigten an ihren Arbeitsplätzen diesen Gefahrstoffen ausgesetzt sind. Auch die Frage, welche Tätigkeiten oder welche Arbeitsstoffe sie besonders belasten, ist ungeklärt. Denn in Deutschland sind Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen nicht mitteilungspflichtig.

Lediglich Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten an asbesthaltigen Materialien müssen bei der zuständigen Behörde angezeigt werden. Für diese Arbeitsbereiche kann die Zahl der Betroffenen dann auch abgeschätzt werden.

Beispiele für krebserzeugende Stoffe und Stoffgruppen

Mehr als 60 krebserzeugende Stoffe oder Stoffgruppen gibt es, die bei der Arbeit in Deutschland zum Einsatz kommen, u.a.:

  • Formaldehyd
  • Halogenkohlenwasserstoffe
  • Asbeststaub
  • Trichlorethylen
  • Schweißrauche
  • Metalle (Ni, Co, Cr(VI), As, Cd)
  • Dieselmotoremissionen
  • Acrylamid
  • Eichen-/Buchenholzstäube
  • Benzol
  • PAK
  • o-Toluidin
  • Quarzstäube
  • aromatische Amine
  • ionisierende Strahlen
  • Zytostatika

Krebserzeugende Stoffe – personenbezogenes Verzeichnis führen

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass Gesundheit oder Sicherheit der Beschäftigten beeinträchtigt werden durch Tätigkeiten mit

  • krebserzeugenden,
  • erbgutverändernden oder
  • fruchtbarkeitsgefährdenden

Gefahrstoffen der Kategorie 1 A und 1 B? Dann müssen Arbeitgeber ein aktuelles personenbezogenes Verzeichnis führen.

Dieses sogenannte „Expositionsverzeichnis“ gibt auch die Höhe und die Dauer der Exposition an, der die Beschäftigten ausgesetzt waren. Ob ein solches Verzeichnis existiert, überprüfen die Gewerbeaufsichtsämter zunehmend.

Richtig dokumentieren, archivieren und aushändigen

Die Gefahrstoffverordnung (§ 14 Abs. 3) legt dem Arbeitgeber drei Pflichten in Zusammenhang mit dem Expositionsverzeichnis auf:

  • Dokumentationspflicht
  • Archivierungspflicht
  • Aushändigungspflicht

Was bedeutet das im Einzelnen? Zum einen müssen Arbeitgeber das Expositionsverzeichnis überprüfen und gegebenenfalls aktualisieren. Anlässe dafür können sein, dass sich Arbeitsplätze verändern oder neue Informationen z.B. über einen Gefahrstoff ans Licht kommen. Dabei müssen Arbeitgeber nicht nur fortlaufend dokumentieren, sondern neue Informationen auch rückwirkend erfassen.

Das Verzeichnis ist für 40 Jahre ab dem Zeitpunkt aufzubewahren, ab dem die Exposition endet. Arbeitet ein Angestellter nicht länger in einem Betrieb, muss ihm der Arbeitgeber einen Auszug über die ihn betreffenden Angaben im Verzeichnis aushändigen.

Auch Fremdfirmen haben hier eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen und erforderlichenfalls ein Verzeichnis anzulegen. Und was ist mit Leiharbeitnehmern? Hier führt der Entleiher ein Expositionsverzeichnis und gibt es an den Verleiher weiter, um die Angaben aus dem Entleihbetrieb auch in sein eigenes Verzeichnis aufzunehmen.

Bei welchen Tätigkeiten Beschäftigte ins Verzeichnis aufgenommen werden müssen

Aufgaben mit direktem Gefahrstoff-Kontakt

Das Verzeichnis zeigt, bei welchen Beschäftigten krebserzeugende Stoffe die Gesundheit oder Sicherheit gefährden könnten. Davon ist insbesondere in den folgenden Fällen auszugehen:

  • bei Stoffen mit Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) gemäß TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“: wenn der Schichtmittelwert den Arbeitsplatzgrenzwert oder Kurzzeitwert überschreitet
  • bei Stoffen ohne Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) oder ohne Akzeptanzkonzentration: wenn eine Exposition vorliegt oder Atemschutz getragen werden muss
  • wenn dem Arbeitgeber Hinweise auf eine Gefährdung vorliegen, die im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge festgestellt wurde
  • wenn Tätigkeiten nach TRGS 906 durchgeführt werden. Liegen für in der TRGS 906 aufgeführte Stoffe auch eine stoffspezifische TRGS vor (z.B. TRGS 554 „Abgase von Dieselmotoren“), ist die Gefährdung anhand der stoffspezifischen TRGS zu beurteilen.
  • bei Tätigkeiten mit quarzhaltigem Material: wenn der Beurteilungsmaßstab für quarzhaltigen Feinstaub der TRGS 559 „Mineralischer Staub“ überschritten wird
  • bei Tätigkeiten mit Holz: Wenn der Beurteilungsmaßstab für Holzstaub der TRGS 553 „Holzstaub“ überschritten wird
  • bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden Metallen (TRGS 561)

Auch wenn Beschäftigte mit hautresorptiven krebserzeugenden oder keimzellmutagenen Gefahrstoffen über die Haut in Kontakt kommen können, gehören sie ins Verzeichnis. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn sie Chemikalienschutzhandschuhe tragen müssen.

Aufgaben mit indirektem Gefahrstoff-Kontakt

Ebenfalls sollten sich die Beschäftigten im Verzeichnis wiederfinden, wenn sie eine der folgenden (oder vergleichbare) Aufgaben übernommen haben, und eine Gefährdung auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung nicht ausgeschlossen werden kann:

  • Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten,
  • Wartungsarbeiten,
  • Reinigungsarbeiten,
  • Probenahme bei nicht geschlossenen Systemen,
  • Abrissarbeiten,
  • Arbeiten in kontaminierten Bereichen.

Entsprechendes gilt auch bei unfallartigen Ereignissen mit erhöhter Exposition.

„Unbedenkliche“ Aufgaben

Eine Aufnahme in das Verzeichnis ist nicht notwendig, wenn Beschäftigte

  • Tätigkeiten gemäß TRGS 420 durchführen, bei denen der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) oder die Akzeptanzkonzentration eingehalten wird und nur eine geringe Gefährdung durch orale oder dermale Aufnahme besteht;
  • an geschlossenen, technisch dichten Anlagen gemäß TRGS 500 tätig werden oder
    Labortätigkeiten mit laborüblichen Mengen unter Einhaltung der Anforderungen der TRGS 526 „Laboratorien“ ausüben;
  • aufgrund der geringen Menge, der kurzen Expositionsdauer und der physikalisch-chemischen Eigenschaften der Stoffe (wie z.B. Dampfdruck, Staubungsverhalten, Viskosität) nur geringfügig gefährdet sind.

Was muss im Expositionsverzeichnis aufgeführt sein?

Aus dem Expositionsverzeichnis müssen mindestens die folgenden Angaben entnommen werden können:

Allgemeine Anhaben

  • Name der Firma: Hier gehören Informationen wie die Anschrift, ggf. Betrieb und Betriebsteil hin.
  • Persönliche Daten: Name und Geburtsdatum des Beschäftigten.
  • Gefahrstoffe: Krebserzeugende Stoffe sind aufzuführen mittels
    • eindeutigem Stoffnamen (bei Stoffen aus Anhang VI der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 gemäß dem dort aufgeführten Namen, ansonsten gemäß der IUPAC-Nomenklatur) und
    • einem geeigneten Produktidentifikator gemäß Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 wie z.B. EG-Nr., Index-Nr. , CAS-Nummer, REACH-Registriernummer oder
    • Bezeichnung der Tätigkeiten bzw. Verfahren gemäß den Angaben in der TRGS 906,
  • Zeitraum der Tätigkeit

Angaben über Dauer und Häufigkeit der Exposition

Die Dauer und Häufigkeit der Exposition mit krebserzeugenden Stoffen sollten Arbeitgeber gemäß ihrer Gefährdungsbeurteilung angeben z.B. durch

  • durchschnittliche Dauer pro Schicht und
  • durchschnittliche Anzahl der Tage pro Woche oder Jahr.

Angaben über die Höhe der Exposition

Die Höhe der Exposition wurde in der Gefährdungsbeurteilung nach TRGS 401 und TRGS 402 fachkundig ermittelt, z.B. durch:

  • repräsentative und tätigkeitsbezogene Arbeitsplatzmessungen
  • valide Abschätzungen im Vergleich mit bekannten Expositionen ähnlicher Anlagen oder Tätigkeiten aus dem eigenen Betrieb oder aus Expositionsbeschreibungen, z.B. Veröffentlichungen des LASI, der BAuA oder der UV-Träger
  • Übersichtsmessungen (orientierende Messungen), Einsatz geeigneter Rechenmodelle
  • Expositionsabschätzungen durch Experten (z.B. in Relation zu Grenzwerten)

Die Expositionshöhe kann als Zahlenwert oder mittels einer der folgenden halbquantitativen Angaben angegeben werden:

  • ≤ AGW
  • > AGW
  • ≤ Akzeptanzkonzentration
  • zwischen Akzeptanz- und Toleranzkonzentration gemäß TRGS 910
  • ≥ Toleranzkonzentration gemäß TRGS 910
  • ≤ dem der Gefährdungsbeurteilung zugrunde liegenden Beurteilungsmaßstab
  • > dem der Gefährdungsbeurteilung zugrunde liegenden Beurteilungsmaßstab
  • Ausmaß der Hautgefährdung gemäß TRGS 401

Die Höhe der zugrunde gelegten Grenzwerte oder Beurteilungsmaßstäbe und die Art der Ermittlungsmethode sollten Arbeitgeber stets mit angeben. Die Auswirkungen durch das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung dürfen sie dabei aber ignorieren.

Ergänzend empfiehlt es sich, zusätzliche Informationen zu den Branchen, Tätigkeiten und den getroffenen technischen sowie persönlichen Schutzmaßnahmen zu dokumentieren.

Wenn Angaben im Expositionsverzeichnis aktualisiert und fortgeschrieben werden: Die Information, ab wann die Aktualisierung dann gilt, darf natürlich nicht fehlen. Die bisherigen Angaben verbleiben im Expositionsverzeichnis.

Tipp

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Autor: Stefan Johannsen