21.11.2022

Klima in Werkshallen

Niemand will bei der Arbeit frieren. Andererseits sollen wir alle mit Energie sparsam umgehen. Das sieht zunächst nach einem schroffen Gegensatz aus. Tatsächlich aber erlaubt die aktuell gültige Energiesparverordnung pragmatische Lösungen. Die entscheidende Neuerung steckt in der Möglichkeit (nicht: Pflicht!), die Mindestlufttemperaturen um 1 °C abzusenken. Lesen Sie, was das für die verschiedenen Räumlichkeiten bedeutet und welche weiteren Faktoren wichtig sind, um für die Beschäftigten ein angenehmes Klima zu schaffen.

Werkshalle

Welche Regeln für die Temperaturen an Arbeitsplätzen gelten

Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.5 beschreibt die erlaubten Bandbreiten für Lufttemperaturen bzw. die Mindestlufttemperaturen. Die aktuell gültige Energiesparverordnung (EnSikuMaV) bietet die Möglichkeit, die Mindestlufttemperaturen um 1 Grad Celsius abzusenken. Deshalb gelten, solange die Energiesparverordnung in der aktuellen Fassung gültig ist, folgende Werte:

  • leichte Tätigkeiten, überwiegend im Sitzen: 19 °C
  • leichte Tätigkeiten, überwiegend im Stehen und Gehen, sowie mittelschwere Tätigkeiten, überwiegend im Sitzen: 18 °C
  • mittelschwere Tätigkeiten, überwiegend im Stehen oder Gehen: 16 °C

Die Energiesparverordnung gilt nicht für alle Betriebsbereiche. So bleibt die Mindesttemperatur in Räumen, in denen schwere Arbeiten verrichtet werden, unverändert bei 12 °C.

Auch die Pausen-, Sanitär- und Bereitschaftsräume, Erste-Hilfe-Räume sowie Kantinen sind nicht betroffen. Hier ist weiterhin eine Mindesttemperatur von 21 °C vorgeschrieben.

Keine Pflicht zur Absenkung!

Die Energiesparverordnung verpflichtet keineswegs dazu, die Raumtemperaturen generell abzusenken. Sie bietet lediglich die Option, dies wegen hoher Energiekosten und der angestrebten Energiesicherheit zu tun. Unverändert bleibt die Höchsttemperatur von 26 °C (sofern die Luft im Außenbereich nicht darüber hinausgeht).

Körperliche Aktivität maßgeblich

Ob Menschen die Wärme in einem Raum als angenehm oder unangenehm empfinden, ist wesentlich davon abhängig, wie stark sie körperlich aktiv sind. Bei ruhigem Sitzen spielt die Wärmeabgabe an die Umgebung eine große Rolle. Wenn sich Personen dagegen körperlich anstrengen, steht die Verdunstungskälte durch Schweiß und Atmung im Vordergrund.

Heiz- und Kühlsysteme sollten den Energieaustausch mit der Umgebung im Gleichgewicht halten. Dieser Zustand wird als „thermische Behaglichkeit“ beschrieben. Wann genau diese erreicht ist, hängt neben der Aktivität wesentlich vom subjektiven Klimaempfinden, der Raumnutzung sowie von weiteren Klimaparametern ab.

Welche weiteren Faktoren für das Klimaempfinden maßgeblich sind

Folgende Faktoren beeinflussen das Raumklima und das Klimaempfinden:

  • Umgebung (Lage), Gebäudeeinrichtung und Arbeitsmittel
  • Jahreszeit, Außenluft, Gefahrstoffe, Biostoffe, CO2-Haushalt
  • freie Lüftung (Anzahl von Fenstern, Toren und Türen)
  • RLT-Anlagen, Heizung, Kühlung und Sonnenschutz
  • Alter, Gesundheit und Geschlecht der Personen
  • psychische Belastungen, Gerüche, Anzahl von Personen
  • Tätigkeiten, Aktivität und Frequenz

Welche Rolle die Art des Heizsystems spielt

Ob Beschäftigte die Raumtemperatur als behaglich empfinden, hängt nicht zuletzt von der Art des Heizsystems ab:

Heizkörper direkt unter den Fenstern

Am günstigsten für das Raumklima sind Heizkörper, die direkt unter den Fenstern an der Wand hängen. Diese können den Wärmeverlust über das Fensterglas sofort ausgleichen und sichern damit ein behagliches Klima. Auch das Temperaturprofil im Raum ist günstig, weil der Temperaturunterschied von Boden und Decke mit 3 °C eher geringfügig ist.

Hell- oder Dunkelstrahler

Für lokale Arbeitsplätze in kühler Umgebung empfehlen sich Hell- oder Dunkelstrahler. Dunkelstrahler verfügen über geschlossene Brennkammern mit Abgasführung; Hellstrahler dagegen geben Verbrennungsgase an die Raumluft ab.

Zentrale Klimaanlagen

Gut für das Behaglichkeitsempfinden sind richtig eingestellte zentrale Klimaanlagen. Auch dezentrale Klimageräte können behaglich wirken, wenn Zugluft vermieden werden kann.

Deckenstrahlplatten

Viel Behaglichkeit erzeugen Deckenstrahlplatten, die sich sowohl im Heiz- als auch im Kühlbetrieb nutzen lassen.

Fußbodenheizungen

Auch Fußbodenheizungen werden meist als behaglich empfunden. Sie sollten vor allem bei größeren Sanierungsarbeiten in Erwägung gezogen werden.

Warmluftheizungen

Warmluftheizungen werden wegen ihrer lokalen Wirkung und starken Luftbewegungen meist als unbehaglich empfunden. Zudem sind sie energetisch ungünstig.

Sorgen Sie auch für eine angenehme Luftfeuchtigkeit

Zu trockene Luft in Betriebshallen kann durch die Einstellung der Klimaanlage oder den Einsatz von entsprechenden Geräten (Dampfluft-, Verdunstungsluft- oder Zerstäubungs- bzw. Vernebelungsluftbefeuchtung) problemlos befeuchtet werden.

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Autor*in: Markus Horn