Fachbeitrag | Informieren und Recht
12.01.2015

Keine Angst vor Fahrgemeinschaften: Ein Wegeunfall ist versichert!

Nicht nur der Unfall am Arbeitsplatz, sondern auch die erforderlichen Wege dorthin und zurück nach Hause – der sogenannte Wegeunfall – sind in den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz integriert. Dementsprechend sind Arbeitnehmer – unabhängig von der Art des gewählten Verkehrsmittels – grundsätzlich auf den Wegen versichert, die geeignet sind, die Arbeitsstelle oder die Wohnung möglichst schnell und sicher zu erreichen.

© fujji /​ iStock /​ Thinkstock

Mit den „Wegen, die geeignet sind, die Arbeitsstelle oder die Wohnung möglichst schnell und sicher zu erreichen“ ist nicht der kürzeste, sondern der verkehrsgünstigste Weg zum oder vom Arbeitsort gemeint.

Eine Wegeunfall ist ein versicherter Arbeitsunfall

Ist dieses Kriterium erfüllt, ist der Wegeunfall dem Arbeitsunfall gesetzlich gleichgestellt und nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 Siebtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VII) versichert. Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt also (wie beim Arbeitsunfall), wenn ein Beschäftigter im Rahmen einer versicherten Tätigkeit einen Gesundheitsschaden erleidet oder verstirbt. Dabei ist es grundsätzlich unerheblich, ob der Wegeunfall selbst verschuldet ist oder nicht.

Leistungen sind dann etwa medizinische und berufsfördernde Leistungen zur Rehabilitation sowie Lohnersatz- bzw. Entschädigungsleistungen in Geld (z. B. Übernahme der Heilbehandlungskosten, Verletztengeld, Verletztenrente, Hinterbliebenenrente, Pflegegeld).

Gemeinsamer Treffpunkt ist nicht erforderlich

Fahrgemeinschaften müssen häufig Umwege machen, um alle Mitfahrer abzuholen. Diese Umwege haben allerdings keinen Einfluss auf den Versicherungsschutz der einzelnen Mitglieder einer Fahrgemeinschaft. Denn diese müssen nicht zwingend von einem bestimmten Treffpunkt aus gemeinsam starten, um dem Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung zu unterliegen. Der Fahrer kann die Mitfahrer vor der Arbeit zuhause abholen und nach getaner Arbeit dort wieder absetzen.

Vorsicht: Die Reihenfolge bei der Abholung sollte allerdings stets so gewählt werden, dass sich beim Aufsammeln der Mitfahrer die gefahrene Strecke nicht unnötig verlängert. Dabei muss der gewählte Weg nicht der kürzeste, aber der verkehrsgünstigste sein. D. h. wer z. B. einen Stau umfährt und deshalb nicht den kürzesten Weg wählt, gefährdet den Versicherungsschutz nicht.

Noch einige Detail-Regeln:

Nimmt ein Arbeitnehmer auf dem Weg zur Arbeit andere erwerbstätige oder versicherte Personen mit, z. B. seine berufstätige Ehefrau oder die schulpflichtigen Kinder, so besteht Versicherungsschutz auch auf den dadurch bedingten Umwegen. Die Länge des Umweges spielt dabei keine Rolle. Entscheidend für den Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung ist die Absicht des Fahrers, zunächst die Teilnehmer der Fahrgemeinschaft zu ihrer Arbeitsstätte oder zur Schule zu bringen, um dann selbst unmittelbar zur Arbeit zu fahren.

Versicherungsschutz besteht übrigens auch dann, wenn die Fahrgemeinschaft nicht regelmäßig, sondern nur gelegentlich besteht, z. B. nur an bestimmten Tagen oder nur für die Heimfahrt. Nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung steht ein Arbeitnehmer, der an einem arbeitsfreien Tag aus privaten Gründen mitfährt.

Wegeunfall – unnötige Umwege und Unterbrechungen sind nicht versichert

Beschäftigte sind grundsätzlich auf allen Wegen unfallversichert, die bei vernünftiger Betrachtung geeignet sind, die Arbeitsstätte oder die Wohnung möglichst schnell und sicher zu erreichen. Der versicherte Arbeitsweg beginnt mit dem Verlassen der Außentür des Wohngebäudes und endet mit dem Betreten des Betriebsgeländes und umgekehrt. Umwege, d. h. Abweichungen vom unmittelbaren Arbeitsweg oder Unterbrechungen aus privaten Gründen z. B. um einzukaufen oder zu tanken, hebeln den Versicherungsschutz solange aus, bis der eigentliche Arbeits- oder Heimweg fortgesetzt wird. Dauert die Unterbrechung allerdings länger als zwei Stunden, so besteht danach kein Versicherungsschutz mehr. Bei mehreren Unterbrechungen darf die Summe der Zeiträume die Zwei-Stunden-Grenze nicht überschreiten.

Klare Aussage: Insassenunfallversicherung ist überflüssig

Die gesetzliche Unfallversicherung kommt z. B. für die Kosten von Heilbehandlungen auf und leistet Sterbegeld oder Hinterbliebenenrente.

Für Sachschäden oder Schmerzensgeldforderungen zahlt sie jedoch nicht. Viele Arbeitnehmer befürchten deshalb, sie könnten als Mitglied einer Fahrgemeinschaft von den Mitfahrern in Haftung genommen werden, sollten sie einen Wegeunfall verursachen.

Diese Befürchtung ist aber unberechtigt, denn für eine Fahrgemeinschaft gilt bei einem Wegeunfall, dass die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers die entstandenen Personen-, Sach- und Vermögensschäden sowie Schmerzensgeld übernimmt.

Mitglieder einer Fahrgemeinschaft müssen deshalb auch nicht extra eine Insassenunfallversicherung abschließen. Hat der Fahrer der Fahrgemeinschaft den Wegeunfall verursacht, so zahlt seine Kfz-Haftpflichtversicherung an die anderen Mitfahrer. Der Fahrer selbst erhält keine Leistungen von der Haftpflichtversicherung. Hat der Unfallgegner den Wegeunfall verursacht, so haftet dessen Kfz-Haftpflichtversicherung gegenüber den Mitgliedern der Fahrgemeinschaft.

Wichtiger Hinweis: Bei schweren Unfällen kann die vereinbarte Deckungssumme schnell überschritten werden. Versicherungsexperten empfehlen deshalb, lieber ein paar Euro mehr für eine maximale Abdeckung zu bezahlen, als das Geld für etwaige Zusatzversicherungen auszugeben. Der optimale Versicherungsschutz liegt bei 100 Millionen Euro.

Unser Tipp: Haftungsbeschränkungserklärung sorgt für Rechtssicherheit

Die Mitglieder einer Fahrgemeinschaft sollten eine Haftungsbeschränkungserklärung unterzeichnen. Diese schützt den Fahrer vor Ansprüchen der Mitfahrer, die über die Leistungen seiner Versicherung hinausgehen.

 

Autor: Markus Horn

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen