12.01.2015

Erhöhte Raumtemperatur im Büro: So schaffen Sie Abhilfe

Studien belegen, dass mit steigenden Temperaturen die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit des Menschen rapide abnimmt. Von Hitze im Büro kann man bei Temperaturen über 26 Grad sprechen. In diesem Fall müssen Sie als Arbeitgeber und Verantwortlicher für den Arbeitsschutz dringend Abhilfe schaffen. Aber auch die Beschäftigten müssen Maßnahmen ergreifen.

Ventilator

Eine erhöhte Raumtemperatur im Büro wirkt sich unmittelbar leistungsmindernd aus. Je weiter die Lufttemperaturen nach oben klettern, desto signifikanter ist der Leistungsabfall. Er äußert sich in einer Minderung

  • der körperlichen Leistungsfähigkeit (z.B. Fahrradergometer, Treppensteigen)
  • der geistigen Leistungsfähigkeit (z.B. Konzentration, Rechenfähigkeit)
  • der  psychomotorischen Leistungsfähigkeit(z.B. sensormotorische Koordination, Geschicklichkeit, Reaktionsgeschwindigkeit)

Dies ist natürlich auch abhängig vom Klima, der Bekleidung, der körperlichen Aktivität sowie individuellen Faktoren (z.B. Gesundheitszustand, Ernährung, Gewicht, Geübtheit). Auch wirken dabei noch andere Faktoren wie z.B. Lärm oder Stress zusätzlich leistungsmindernd.

Der Körper streikt zuerst

Klare Aussagen zu Zahlenwerten über den Grad der Leistungsminderung in Abhängigkeit der Raumtemperatur gibt es leider nicht. Tatsächlich treten bei Sommerhitze die Bedingungen nicht schlagartig ein und sie dauern dann oft über mehrere Tage. Dadurch hat Ihr Körper Zeit, sich zu akklimatisieren, und Sie stellen eine geringere Leistungsfähigkeit unter Umständen erst bei höheren Temperaturen fest. Die Empfindungen können hier sehr individuell sein.

Als absolute Obergrenze können ca. 35 °C Lufttemperatur angesehen werden. A hier wird es für den Körper schwierig, seine Kerntemperatur auf die nötigen 37 °C konstant zu halten. Nur noch durch Schweißverdunstung kann die im Körper produzierte Wärme abgeleitet werden. Die anderen Entwärmungsmechanismen sind wirkungslos, da die dafür nötigen Temperaturdifferenzen nicht mehr gegeben sind. Es ist der Bereich wo in der Arbeitswelt Hitzearbeit beginnt und wo bei richtiger Hitzearbeit mit verschiedenen Schutzmaßnahmen (z.B. Entwärmungspausen, Luftkühlung) der Gesundheitsschutz gewährleistet werden muss.

Die Minderung der rein körperlichen Leistungsfähigkeiten setzt eher ein als bei den geistigen und psychomotorischen Fähigkeiten. Während eine Einbuße der körperlichen Leistungsfähigkeit bereits ab 26 °C zu beobachten ist, tritt bei den anderen genannten Merkmalen eine signifikante Minderung erst ab über 30 bis 35 °C auf.

Hier spielt auch die Luftfeuchtigkeit eine große Rolle, d.h., je feuchter die Luft, desto niedriger ist die Lufttemperatur, ab welcher Leistungseinbußen zu beobachten sind. In der Literatur wird deswegen oft die so genannte „Effektivtemperatur“ angegeben, ein Klimasummenmaß, welches aus Temperatur, Feuchte und Geschwindigkeit der umgebenden Luft gebildet wird. Die auch in °C angegebenen Zahlenwerte weichen deutlich von der Lufttemperatur ab, wodurch es in der Praxis zu Fehlinterpretationen kommen kann.

 

Ergreifen Sie Maßnahmen

Um es vorwegzunehmen: Ein Patentrezept zum Umgang mit zu hohen Raumtemperaturen gibt es nicht. Die Schaffung von als behaglich empfundenen bzw. akzeptierten raumklimatischen Bedingungen bei hochsommerlichen Außentemperaturen ist nicht nur eine Frage der Raumtemperatur. Im Folgenden werden geeignete technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen erläutert.

Technische Maßnahmen bei Hitze

Nachts sinken die Außentemperaturen deutlich ab. Bei maximalen Tageswerten (Stundenmittelwerte) von ca. 29 bis 35 °C liegen unter hochsommerlichen Bedingungen die Nachtwerte bei ca. 14 bis 21 °C. Das Tagesmaximum erscheint in den Nachmittagsstunden bei ca. 14 bis 17 Uhr, das nächtliche Minimum tritt in den frühen Morgenstunden bei ca. 4 bis 7 Uhr auf, wobei schon ab Mitternacht eine spürbare Abkühlung zu verzeichnen ist. Das Lüftungsverhalten sollte man an diesen typischen Tagesgang anpassen.

Mit intensivem Lüften (Querlüftung, Fenster ganz geöffnet, Kipplüftung ist nur wenig wirkungsvoll) in den genannten Nacht- und vor allem Morgenstunden kann eine Abkühlung des tagsüber erhitzten Baukörpers erreicht werden. Je nach Wärmespeichervermögen wird dadurch länger über den Tag die Raumtemperatur niedrig gehalten. Dies geht natürlich nicht, wenn die Fenster aus Sicherheitsgründen über Nacht nicht geöffnet sein dürfen. Hier hilft es bereits, wenn die zeitig anfangende Kollegen (z.B. Hausmeister, Reinigungskräfte) morgens die Räume lüften.

Demgegenüber sollte zur Zeit des Tagesmaximums die Luftzufuhr von außen eingeschränkt werden. Neben der Strahlungswärme erhält sonst das Gebäude noch zusätzlich auf konvektivem Weg Wärme. Über den Wetterdienst (Internet) erhält man den stundengenauen individuellen Temperaturverlauf für seinen Standort und kann so die günstigsten Zeiten finden.

 

Organisatorische Maßnahmen bei zu hohen Raumtemperaturen

Die Anpassung der Arbeits-, Arbeitszeit- und Pausenregime ist hierbei die wirkungsvollste Maßnahme. Dies sollte im Rahmen der technologischen und betriebsbedingten Möglichkeiten erfolgen und an die jeweilige Situation angepasst werden. Schwere körperliche Arbeit sollte in den heißen Stunden vermieden werden. Es kann früher mit der Arbeit begonnen und es können zusätzliche kurze Pausen von ca. zehn Minuten eingelegt werden. Das kann mit einem Aufenthalt oder leichter Tätigkeit in kühleren Bereichen verbunden werden. Oft werden Gleitzeitregelungen zur Arbeitszeitverlagerung genutzt.

Bestimmte Personengruppen, wie z.B. werdende oder stillende Mütter, Frauen an Steharbeitsplätzen, Menschen mit Behinderungen, ältere und gesundheitlich gefährdete Arbeitnehmer, sind bei Sommerhitze besonders gefährdet. Rücksichtnahme und Unterstützung für diese Menschen sollten selbstverständlich sein.
Besondere Gefahren bestehen bei Arbeitsplätzen im Freien durch die direkte Sonnenstrahlung, was z.B. Sonnenbrand, Sonnenstich, Hautschäden durch die UV-Strahlung und Minderung der Leistungsfähigkeit durch hohe Ozonwerte zur Folge haben kann.

Werden durch die Umweltbehörden Überschreitungen der Ozongrenzwerte gemeldet, sollte man deren Empfehlungen befolgen. Schwere Arbeiten sollten reduziert oder ganz eingestellt werden. Des Weiteren sollten die aktuellen Intensitäten der UV-Strahlung beachtet werden. Bei erhöhten Warnstufen sollte die Aufenthaltszeit in direkter Sonne besonders zur Mittagszeit reduziert werden. Zusätzlich sind individuelle Sonnenschutzmaßnahmen (Sonnenschutzcreme auf unbedeckte Hautstellen, Sonnenhut, Sonnenbrille, hautbedeckende helle Bekleidung) zu empfehlen.

Persönliche Maßnahmen bei Hitze

Die Beschäftigten können bei Sommerhitze mit einem angepassten Verhalten ihre Leistungsfähigkeit erhalten und auch möglichen Gesundheitsgefahren entgegenwirken. Die Ess- und Trinkgewohnheiten, die Art der Bekleidung, Verhalten in der Sonne sowie eine gegenseitige Rücksichtnahme und die Beobachtung der Kollegen untereinander auf Anzeichen von Gesundheitsstörungen sind hierbei wesentliche Faktoren.

Viel trinken

Die Beschäftigten sollten rechtzeitig (d.h. bereist vor dem Durst), regelmäßig und ausreichend trinken, um eine Dehydratation des Körpers und den Verlust an Salzen zu vermeiden. Ein erwachsener Mensch benötigt normalerweise ca. 2 bis 2,5 Liter Flüssigkeit (bzw. 0,3 l pro 10 kg Körpergewicht) pro Tag. An heißen Tagen sollte nicht zu viel auf einmal getrunken werden, sondern regelmäßig über die Zeit verteilt. Sehr kalte Getränke mit Eiswürfeln sollten nur in geringen Mengen und in kleinen Schlucken zu sich genommen werden. Auf alkoholische Getränke sollte ganz verzichtet werden.

Kaffee hat entgegen langhergebrachten Meinungen keinen negativen Einfluss auf die Flüssigkeitsbilanz des Körpers, wenn er in nicht zu großen Mengen und gleichmäßig über den Tag verteilt aufgenommen wird. Studien belegen eine verstärkte Urinproduktion bei Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, erst ab einer Dosis von über 300 mg Koffein. Das entspricht etwa vier Tassen Kaffee, die kurz nacheinander getrunken werden.

Geeignete Getränke bei Sommerhitze sind nicht zu kaltes Trink- und Mineralwasser (ob viel oder wenig Kohlensäure ist gesundheitlich unbedenklich und hängt von der individuellen Verträglichkeit ab, mit möglichst mehr als 200 mg Natrium pro Liter), Fruchtsaftschorlen (drei Teile Mineralwasser und ein Teil Saft), nur leicht gesüßter Kräutertee, wobei hier insbesondere Minzesorten empfohlen werden. Bei den Mahlzeiten sollten schwere und reichhaltige Portionen vermieden werden, geeignet sind z.B. frisches Obst, Gemüsesalate oder auch Kaltschale.

Regelmäßig Abkühlung verschaffen

Eine wirkungsvolle Kühlung des Körpers erreicht man durch Kühlung mit fließendem kalten Wasser oder Auflegen von feuchten Tüchern an den Handgelenken bzw. Unterarmen, Schläfen oder Füßen. Nach Möglichkeit sollte eine „Siesta“ während der heißen Nachmittagsstunden eingelegt werden, d.h. ruhen oder schlafen in einer kühlen schattigen Umgebung.

Trotz aller Maßnahmen und angepasstem Verhalten kann es zu gesundheitlichen Störungen bei den Beschäftigten kommen. Hier sollte jeder die Warnzeichen seines Körpers beobachten und ernst nehmen. Erste Anzeichen gesundheitlicher Störungen durch Hitzeeinwirkung sind z.B. allgemeine Schwäche, Schwindel oder Kopfschmerz, erhöhter Puls, Übelkeit bzw. Brechreiz sowie Kribbeln und Verkrampfungen der Gliedmaßen. Die Beschäftigten sollten sich untereinander beobachten.

Bemerken sie ein ungewöhnliches Verhalten (Aggressivität, vermindertes Urteilsvermögen, Apathie) oder unkontrollierte Bewegungen, so deutet dies bei Sommerhitze auf eine Überlastung hin. Der Betroffene sollte in dieser Situation in Abstimmung mit seinem Vorgesetzten die Arbeit einstellen, überflüssige Bekleidung ablegen, häufig kleine Mengen an Flüssigkeit trinken und möglichst in eine kühlere und schattige Umgebung gebracht werden und dort ruhen. Kühlung mit einem Ventilator und Abspritzen mit Wasser sind hilfreich. Bei akuten Fällen (Sonnenstich) ist ein Notarzt zu alarmieren. Bis zu dessen Eintreffen ist der Beschäftigte in kühler Umgebung bequem bzw. bei anhaltender Bewusstlosigkeit in stabiler Seitenlage zu lagern und auf Puls und Atmung zu achten.

Autoren: Andrea Stickel , Heinz Ott