Fachbeitrag | Unterweisung 12.01.2015

Hirndoping aus der Pillendose: So klären Sie auf

Je unsicherer der Arbeitsplatz und je einfacher die Tätigkeit, desto höher ist das Risiko für Hirndoping. Laut DAK-Studie sind es nicht in erster Linie Führungskräfte oder Kreative, die sich mit psychoaktiven Substanzen für den Arbeitsalltag pushen, sondern ganz normale Beschäftigte mit einfachen Tätigkeiten und unsicheren Jobs.

8,5 Prozent der Beschäftigten mit einer einfachen Tätigkeit haben bereits Medikamente zur Leistungssteigerung oder Stimmungsverbesserung eingenommen. Bei Gelernten oder Qualifizierten sind es 6,7 Prozent und bei den hochqualifizierten Beschäftigten 5,1 Prozent.

Ein erstes Resümee lautet daher: Je unsicherer der Arbeitsplatz und je einfacher die Arbeit, desto höher ist das Risiko für Hirndoping. So gehören Wenig-Qualifizierte zu den Risikogruppen für Medikamentenmissbrauch. Als Hauptgrund für den Griff zur Pille geben die „Hirndoper“ Leistungsdruck, Stress und Überbelastung an.

Während weibliche Beschäftigte dopen, damit ihnen die Arbeit leichter von der Hand geht und sie emotional stabil bleiben, versuchen ihre männlichen Kollegen durch die Einnahme leistungsfördernder Substanzen berufliche Ziele noch besser zu erreichen und gleichzeitig nach der Arbeit noch genügend Energie für Freizeit und Privates zu haben.

Gesundheitsrisiken sind beim Hirndoping hoch

Hirndoper schlucken vor allem Medikamente gegen Angst, Nervosität und Unruhe (60,6 Prozent) sowie gegen Depressionen (34 Prozent). Rund jeder Achte von ihnen nimmt Tabletten gegen starke Tagesmüdigkeit und 11,1 Prozent nehmen Betablocker. Laut einem renommierten Doping-Experten wirken die Medikamente zumeist nur kurzfristig und haben minimale Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit. Dem stehen hohe gesundheitliche Risiken gegenüber, z. B. körperliche Nebenwirkungen (Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Nervosität und Schlafstörungen) bis hin zur Persönlichkeitsveränderung und Abhängigkeit.

Die bessere Alternative: Stress aktiv angehen

Neben dem äußeren Druck, der am Arbeitsplatz herrscht, ist auch die innere Haltung entscheidend, wenn es um die Anfälligkeit für Hirndoping geht. Übertriebene Ansprüche an die eigene Leistungsfähigkeit stellen häufig ein Problem dar. Anstatt zur Pille zu greifen, sollten die Beschäftigten erkennen und akzeptieren, dass Stress-Situationen am Arbeitsplatz nicht völlig vermeidbar sind.

Stärkung der Bewältigungskompetenzen ist von zentraler Bedeutung

Damit Sie als Arbeitsschützer Ihre Kolleginnen und Kollegen bestmöglich vor Hirndoping schützen können, gilt es, deren Kompetenzen bei der Bewältigung von Belastungssituationen am Arbeitsplatz zu stärken.

Vorgesetzte sollten regelmäßig überprüfen, ob es bei Beschäftigten Anzeichen für eine Überforderung am Arbeitsplatz oder auffällige Verhaltensänderungen gibt. Ist das der Fall, muss im Rahmen der Fürsorgepflicht frühzeitig das Gespräch gesucht und mögliche Lösungsansätze müssen besprochen werden.

Meine Empfehlung: Insbesondere Seminare sowie Beratungs- und Coaching-Angebote zu Themen wie Zeit- und Selbstmanagement, Stressbewältigungsstrategien und Konfliktmanagement können helfen, die Kompetenzen der Beschäftigten zu ihrer persönlichen Gesunderhaltung zu fördern.

Auch regelmäßige Gesundheitschecks kommen in Betracht. Sie zeigen den Beschäftigten ihren aktuellen Gesundheitszustand auf. Eine professionelle Beratung im Anschluss kann zur Erhaltung und Förderung ihrer körperlichen und geistigen Fitness beitragen.

Autor: Markus Horn