06.12.2021

Gute Führung in der Pandemie: Was Sie sich vom Weihnachtsmann abschauen können

Hohoho! Weihnachtsmänner, die natürlich weiblich und divers mitgedacht werden müssen, haben es auch in diesem Jahr schwer. Denn wer denkt schon an seligen Frieden und schöne Geschenke, wenn Lockdown & Co. auf die Stimmung drücken? Antwort: Es sind die Führungskräfte, die durch gute Führung zur psychischen Gesundheit der Mitarbeiter beitragen können. Doch gute Führung – was heißt das jetzt gerade konkret? Tipps finden Sie in diesem weihnachtlich angehauchten Blick auf gute Führung. Dabei nehmen wir uns (mit einem Augenzwinkern) ein Beispiel am Weihnachtsmann. Denn wer, wenn nicht er, hält zum Jahresende ein paar Antworten bereit?

Der Weihnachtsmann zeigt, wo es lang geht.

Von a wie „authentisch“ bis z wie „zirkulär“ gibt es viele Führungsstile, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Welcher für Sie der richtige ist, müssen Sie selbst entscheiden. Wichtig ist aber, dass der Führungsstil zu Ihnen als Führungskraft passt.

Bleiben Sie sich treu: Aus dem Weihnachtsmann wird auch nicht plötzlich der Osterhase

Wer vom Prinzip her autoritär führt, wird auch in der Pandemie nicht plötzlich die Beschäftigten in Entscheidungen einbinden oder sie gar selbst entscheiden lassen. Und wer sich als Mitspieler eines Teams sieht, wird nicht plötzlich nur noch klare Ansagen machen und alle Details bestimmen wollen. Aber innerhalb eines Führungsstils sind durchaus Veränderungen möglich.

Autoritär angehauchter Führungsstil

So würde es wohl nicht zum Weihnachtsmann (wir bleiben jetzt mal beim Mann, m/w/d) passen, wenn er mit seinen Rentieren diskutiert, wie sie in diesen schwierigen Zeiten am besten den Schlitten mit den Geschenken ziehen. Vielmehr sind es die Rentiere gewohnt, klare Ansagen zu erhalten.

Auch die bisher autoritär agierende Führungskraft sollte ihren Stil beibehalten, weil sonst zusätzlich zu all den Schwierigkeiten der Pandemie auch noch Verwirrung gestiftet wird. Mehr als bisher sollte die autoritäre Führungskraft aber darauf achten, dass es ihren Mitarbeitern an nichts fehlt. Konkret kann dies z.B. heißen, dass Eltern mehr Flexibilität zur Betreuung der Kinder im Homeoffice zugestanden oder schnelle Hilfestellung bei Fragen der IT geleistet wird.

Partizipativer Führungsstil

Wenn der Weihnachtsmann sich als „oberstes Rentier“ sieht und weiterhin partizipativ mit seinen Zugtieren zusammenarbeiten will, kann er das natürlich tun. Aber er sollte sich bewusst sein, dass die anderen Teammitglieder mehr als bisher auf ihn achten, weil sie durch die Veränderungen im Rahmen der Pandemie verunsichert sind und Orientierung suchen. Konkret kann dies heißen, dass die mitziehende Rentier-Führungskraft weniger als bisher den richtigen Weg offen diskutieren lässt, sondern bei Teamentscheidungen schon mögliche Lösungswege vorgibt.

Beachten Sie also: Auch in der Pandemie müssen Sie sich als Führungskraft nicht völlig neu erfinden. Aber Sie können das aus sich herausholen, was für die Mitarbeiter in diesen Zeiten wirklich hilfreich ist.

Agieren Sie situativ: Warum der Weihnachtsmann in diesem Jahr vor den Rentieren herläuft

Gute Führung ist immer situativ. So ist es in produktiven und kreativen Phasen sicher sinnvoll, „hinter“ dem Team herzulaufen und die Mitarbeiter selbst ihren Weg finden zu lassen.

Um zum Bild vom Weihnachtsmann zurückzukehren: Der hat sich vielleicht bis zum Jahr 2020 darauf beschränkt, die Rentiere gut zu versorgen, und sich ansonsten darauf verlassen, dass sein Rentier-Team die Menschen schon finden wird, für die die Geschenke auf dem Schlitten lagern. Doch in der Pandemie hat sich auch der Weihnachtsmann umstellen müssen und wird vor seinen verunsicherten Rentieren herlaufen, um ihnen Orientierung zu geben.

Für Sie als Führungskraft heißt das:

  • Machen Sie jetzt in der Pandemie möglichst viele Aussagen, von denen Sie wissen, dass sie länger Bestand haben als nur bis zum nächsten Tag oder bis zur kommenden Woche. Damit vermitteln Sie Halt und Sicherheit.
  • Wenn Sie über Sachverhalte kommunizieren, die sich absehbar verändern oder verändern können, legen Sie die Unsicherheit offen: „Wir geben die einzelnen Abschlüsse jetzt ohne Unterschrift des Kunden an den Versand weiter. Wie lange wir das so machen, kann ich nicht sagen.“
  • Oft wissen Sie zwar nicht, was sich in der Pandemie als nächstes ändern wird, aber Sie können Meilensteine erkennen. In der Politik lässt sich z.B. voraussehen, dass es nach großen Treffen der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten oder Sitzungen der Landeskabinette zu Änderungen der Pandemiegesetze kommen wird. Ähnliche Meilensteine gibt es meist auch innerbetrieblich, z.B. Sitzungen der Geschäftsleitung zu Themen, die Ihre Abteilung betreffen. Kommunizieren Sie solche Meilensteine an Ihre Mitarbeiter. Das verringert das Gefühl des „Ausgeliefertseins“ und der Ohnmacht, das sich in einer so langen anhaltenden Krise wie der Coronapandemie im Team breitmachen kann.

Gute Führungskräfte schirmen ihre Teams auch ein Stück weit von Corona-„Verwerfungen“ ab. Wenn von der Geschäftsleitung neue Verfahrensweisen initiiert werden und diese offensichtlich nicht durchdacht sind oder nicht klar ist, inwieweit das Team wirklich davon betroffen sein wird, reichen Sie entsprechende Informationen nicht unmittelbar durch. Filtern Sie sie und klären Sie erst, inwieweit sie relevant sind. So wird auch der Weihnachtsmann seine Rentiere nicht jede Minute über mögliche Wetterveränderungen von fünf verschiedenen Wetter-Apps informieren. Er wird sie über das informieren, was relevant ist und mit großer Sicherheit Realität wird.

Treffen Sie Entscheidungen und fragen Sie, wo der Huf drückt

Eine wichtige Aufgabe von Führungskräften besteht darin, Entscheidungen zu fällen. Das klingt trivial, ist es aber gerade in schwierigen Zeiten durchaus nicht.

Zur Veranschaulichung zurück zu unserem Weihnachtsmann. Vielleicht will er den Akteuren des Arbeits- und Gesundheitsschutzes besonders viele Geschenke bringen, weil die so einen Stress hatten in den letzten zwei Jahren. Und der Geschäftsleitung? Auch hier trifft das Stress-Argument ja voll zu. Was aber ist mit dem Betriebsrat? Das will wohl überlegt sein, könnte schließlich als Vorteilsnahme gedeutet werden.

Ähnlich schwierig ist es für Führungskräfte in der Pandemie. So ändert sich der gesetzliche Rahmen hinsichtlich des Infektionsschutzes immer wieder und kaum vorhersehbar. Das erzwingt laufend Änderungen der Betriebsabläufe. Stichworte: Kurzarbeit, Homeoffice, Umstellung auf digitale Prozesse, Änderungen bei Lieferanten und Dienstleistern und so weiter und so fort. In diesen unruhigen Zeiten ist gute Führung von ausdrücklich kurzfristig geltenden Entscheidungen geprägt:

  • Was nicht dringlich ist, wird ausdrücklich nicht entschieden (auch dies ist eine Entscheidung).
  • Was entschieden werden muss, wird so entschieden, dass es in naher Zukunft ohne größeren Aufwand wieder verändert werden kann.
  • Kosten und Effizienz bleiben bei Entscheidungen natürlich wichtig, treten aber hinter Machbarkeit und dem Finden schneller Lösungen zurück.

Mehr als bisher sollten bei allen Entscheidungen die „Befindlichkeiten“ der Beschäftigten berücksichtigt werden. Denn die Mitarbeiter stehen in dieser Pandemie schon seit fast zwei Jahren sehr unter Druck; deshalb sollten Entscheidungen so getroffen werden, dass sie nach Möglichkeit eher weniger als mehr belasten. So wird der Weihnachtsmann auch seine Rentiere fragen, wo der Huf drückt, und ihnen gelegentlich eine Auszeit gönnen.

Geben Sie Raum für Humor – oder kennen Sie noch keine Rentierwitze?

Humor macht vieles leichter – und Leichtigkeit ist das, was Mitarbeitern oft bei einer Führungskraft fehlt. Wenn Sie als Führungskraft humorvoll sind, setzen Sie das in der Teamkommunikation um. „Ich habe mich noch nicht entschieden, wo ich die Weihnachtsferien verbringen werde: Wohnzimmer oder Schlafzimmer?“ Auch der Weihnachtsmann wird da nicht zurückstehen wollen: „Warum ist ein Schlitten eine gute Investition? Weil er sich rentiert.“ Nun ja, Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Aber das Prinzip Humor kann auch dann funktionieren, wenn Sie selbst nicht der geborene Humorist sind: indem Sie einfach anderen Raum geben, ihrem Humor freien Lauf zu lassen. So haben die meisten Führungskräfte einen wöchentlichen Jour fixe, in dem alle Mitarbeiter nach festen Regeln ihre Anliegen vorbringen können. Daneben können und sollten Sie Gelegenheiten für das entspannte soziale Miteinander schaffen – beispielsweise in einem „Open Windows“ täglich um 11.45 Uhr.

  • Das „Open Windows“ dauert so lange, wie es sich ergibt, wobei sich Einzelne nach fünf Minuten wieder ausklinken können.
  • Teilnehmen können alle, die wollen und die Zeit haben, wobei die Führungskraft schon den Wunsch ausdrücken darf, dass alle zumindest gelegentlich teilnehmen sollen.
  • Im Gegensatz zum Jour fixe gibt es keine festen Regeln. Sind alle oder Teile des Teams im Homeoffice, sollen die Mitarbeiter ihre Kamera aktivieren. Jeder darf etwas sagen, muss aber nicht.
  • Meist empfiehlt es sich, mit einem eigenen kleinen Thema die Gespräche humorvoll zu prägen. „Mein Highlight des Tages war bis jetzt, dass ich schnell einen Parkplatz gefunden habe.“
  • Gehen Sie besonders auf humorvolle Beiträge ein und suchen Sie in der Unterhaltung nach leichten Themen, die Sie durch Nachfragen vertiefen und ihnen Raum geben. Ernstere Fragen unterdrücken Sie nicht, halten sie aber kurz oder vertagen sie.
  • Bewährt haben sich auch bestimmte Formate wie „Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter der Woche“, die Sie mit einem Augenzwinkern vergeben können: „Meine Mitarbeiterin der Woche ist Karin, weil sie gestern meine schlechte Laune ertragen musste. Wer sind denn eure Favoriten?“

Das „Open Windows“ sollte immer stattfinden und darf auch, wenn sich die Situation ergibt, für „sinnvolle“ Dinge wie die Planung von Vertretungen o.Ä. genutzt werden. Wichtig ist aber, dass es leicht, kurz und zuverlässig stattfindet und für die Beschäftigten nach Möglichkeit ein kleines Highlight des Arbeitstags bedeutet.

Und der Weihnachtsmann? Wie ist er zufrieden mit seinem jetzt schon zweiten Corona-Weihnachten? Ihn gibt es erst seit 1931, und natürlich weiß er, dass er eine Erfindung des Coca-Cola-Konzerns ist. Und seit seiner „Geburt“ hat er ja schon sehr viel erlebt: viele gute Weihnachten, aber natürlich auch einige schlimme. Und dieser Wechsel zwischen guten und weniger guten Zeiten wird ihm die Zuversicht geben, dass es jetzt zwar nicht gut ist. Aber dass es besser werden wird!

Diese Zuversicht und ein schönes Weihnachtsfest 2021 wünscht Ihnen Ihr ganzes WEKA-Team!

Autor: Martin Buttenmüller (Martin Buttenmüller ist Autor und Chefredakteur des Fachmagazins Arbeitsschutz-Profi AKTUELL)