26.09.2019

Gesunde Haut trotz Feuchtarbeit: Jetzt handeln!

Viele Gefährdungsbeurteilungen für Feuchtarbeit sind mangelhaft. Es genügt eben nicht, Gefährdungen einfach unter „Feuchtarbeit“ zu subsumieren. Lesen Sie in diesem Beitrag, wie Sie es besser machen: Ihre Gefährdungsbeurteilung ausreichend differenzieren und richtige Maßnahmen nach dem STOP-Prinzip ableiten.

Regelmäßige Hautpflege trägt zu gesunder Haut trotz Feuchtarbeit bei

Rötungen, Schwellungen, Bläschenbildung und mehr: Die Liste möglicher Haut-Irritationen durch Feuchtarbeit ist ebenso lang wie unerfreulich. In schwereren Fällen kann sogar das Gewebe irreversibel geschädigt werden.

Betriebe sind durchaus problembewusst, doch die Maßnahmen, die sie ergreifen, sind leider oft nicht richtig oder genügen nicht den tatsächlichen Anforderungen.

Der Grund dafür: Es fehlt an differenzierten und ausreichend präzisen Gefährdungsbeurteilungen.

Was aber gehört zu einer vollständigen und korrekten Gefährdungsbeurteilung bei Feuchtarbeit? Und wie lassen sich daraus dann die richtigen Maßnahmen sicher ableiten?

Wichtigstes Kriterium für Ihre Gefährdungsbeurteilung Feuchtarbeit: Vollständigkeit

Gefährdungsbeurteilungen sollten alle Gefährdungen erfassen. Und zwar nicht nur hinsichtlich ihrer Art, sondern auch in Bezug auf ihr Ausmaß und ihre Dauer. Außerdem müssen Sie mehrfache oder kombinierte Hautgefährdungen beachten. Zusätzlich sind wiederholte Expositionen von Arbeitsstoffen zu berücksichtigen, die bei einmaliger Betrachtung nicht als Gefahrstoffe gekennzeichnet sein müssen (z. B. verdünnte Säuren).

Zweite Anforderung: ausreichende Differenzierung

Es genügt für eine korrekte Gefährdungsbeurteilung nicht, Gefährdungen einfach unter „Feuchtarbeit“ zu subsumieren. Denn Gefährdungen sind biologisch durchaus unterschiedlich und wirken sich entsprechend unterschiedlich aus:

  • Arbeiten Angestellte ohne Handschuhe, reduzieren sich bei Feuchtarbeit die äußeren Hornschichten und der saure Wasser-Fett-Film. Auf diese Weise verliert die Haut ihre Barrierefunktion und damit den Schutz gegen Irritantien, Allergene oder Krankheitserreger.
  • Handreinigungsmittel bilden eine eigene Gruppe möglicher Gefährdungen, die gesondert festgestellt werden müssen: Denn diese Mittel können hautreizend, entfettend, austrocknend und mechanisch gefährdend wirken bzw. das saure Hornschichtmilieu stören.
  • Mit und ohne Handschuhe kann ein irritatives Kontaktekzem (IKE) entstehen.
  • Eine erhöhte mechanische Gefährdung liegt vor, wenn die Gefahr von Mikroverletzungen besteht und damit der Kontakt zu Gefahrstoffen im Feuchtbereich gegeben ist.
  • Eine thermische Gefährdung besteht, wenn entweder durch Kälte die Regeneration und die Talgproduktion vermindert sind oder durch Schwitzen die Haut aufquillt und/oder aufweicht.
  • Ist die Haut bei Feuchtarbeit schon vorgeschädigt oder entzündet, können allergene Stoffe in die Haut eindringen und eine Sensibilisierung auslösen.

Hinweis

Wichtige Hinweise zur Gefährdungsbeurteilung beim Hautschutz finden Sie übrigens in den TRGS 401 „Gefährdungen durch Hautkontakt“ und TRGS 907 „Verzeichnis sensibilisierender Stoffe und Tätigkeiten mit sensibilisierenden Stoffen“. Außerdem hilft Ihnen auch die neue GDUV Information 212-017 „Auswahl, Bereitstellung und Benutzung von beruflichen Hautmitteln“ weiter.

So leiten Sie die richtigen Maßnahmen ab

Wenn Ihre Gefährdungsbeurteilung eine mittlere oder hohe Gefährdung nach TRGS 401 ergeben hat, leiten Sie Ihre Schutzmaßnahmen am besten ganz systematisch nach dem bekannten STOP-Prinzip ab:

  • Versuchen Sie zuerst, einen Ersatz („Substitution“) für die verwendeten Stoffe zu finden.
  • Prüfen Sie technische Maßnahmen, wenn die Substitutionsmöglichkeiten ausgereizt sind. Hier helfen oft einfache Vorkehrungen wie etwa Portionsspender. In den Unterweisungen und Betriebsanweisungen sollten Sie den Umgang mit Arbeitsmitteln empfehlen, die den direkten Hautkontakt mit gefährlichen Flüssigkeiten vermindern.
  • Organisatorische Maßnahmen zielen z. B. darauf ab, dass nicht immer die gleichen Arbeitnehmer Tätigkeiten mit Hautbelastungen durchführen, sondern dass abgewechselt wird.
  • Zuletzt muss geprüft werden, ob persönliche Schutzmaßnahmen die Haut der Arbeitnehmer schützen können. Dazu gehören vor allem Hautschutz- und Hautpflegemitteln sowie flüssigkeitsdichte Schutzhandschuhen.
  • Nicht alle Arbeitnehmer sind in gleicher Weise von Hauterkrankungen betroffen. Da sie ihre individuelle Belastbarkeit am besten kennen, sollten sie ihre Exposition selbst steuern können, indem sie ggf. Tätigkeiten mit belastbareren Kollegen tauschen.

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Autor: Markus Horn