13.03.2018

Psychische Belastung am Arbeitsplatz: Ergreifen Sie Maßnahmen!

Wenn Sie bei der Gefährdungsbeurteilung die Ursachen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz ermittelt haben, geht es als nächstes darum Maßnahmen abzuleiten. Welche Maßnahmen notwendig und sinnvoll sind, ergibt sich aus den Ergebnissen Ihrer Bestandsaufnahme.

Gefährdungsbeurteilung

Die Maßnahmen, die Sie nach Ihrer Bestandsaufnahme in Sachen psychische Belastung am Arbeitsplatz ergreifen, sind natürlich das Wichtigste! Denn wichtig ist ja, dass Sie die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen umfassend durchführen. Das bedeutet auch, dass die Ressourcen auch für die Umsetzung der Maßnahmen, die Wirksamkeitskontrolle und für die Fortschreibung der Gefährdungsbeurteilung ausreichen.

Setzen Sie Prioritäten

In der Regel können Sie nicht alle Ergebnisse einer Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung auch in Maßnahmen übersetzen.

Viele prinzipiell sinnvolle Maßnahmen sind aus Gründen der Verhältnismäßigkeit unternehmerisch schlicht nicht umsetzbar. In der Regel sind auch nicht alle als sinnvoll erachteten Maßnahmen gleichzeitig umsetzbar, da die Verantwortlichen und auch die an der Umsetzung beteiligten Beschäftigten und Führungskräfte überfordert würden. Der gesamte Prozess zur Verbesserung der Arbeitssituation würde ins Stocken geraten und alle Beteiligten frustrieren.

Nach der Auswertung der Gefährdungsbeurteilung sollten Sie erste Ideen zu Maßnahmen für die wichtigsten und dringlichsten Belastungen sammeln. Anschließend können Sie ein Raster für die weitere Planung erstellen, das es erlaubt, eine sachlich und wirtschaftlich sinnvolle Auswahl von Maßnahmen zu treffen.

Wichtig für die Bereitschaft der Beschäftigten und Führungskräfte, sich am weiteren Umsetzungsprozess der Gefährdungsbeurteilung konstruktiv zu beteiligen, sind die häufig sogenannten Quick Wins. Maßnahmen, die von (verhältnismäßig) hoher Bedeutung und schnell und kostengünstig durchführbar sind, sollten zeitnah umgesetzt werden, um erste Erfolge der Gefährdungsbeurteilung für alle sichtbar zu machen.

Diese Fragen helfen Ihnen weiter

Zentrale Kriterien für die weitere Planung und Umsetzung von Maßnahmen sind deren Dringlichkeit, Wichtigkeit und Durchführbarkeit. Folgende Fragen können Ihnen bei der Priorisierung der Maßnahmen weiterhelfen:

Dringlichkeit

  • Gibt es kurz- und mittelfristig nicht akzeptable Risiken?
  • Wirken sich bestimmte Belastungssituationen sehr stark auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Motivation von Beschäftigten aus?
  • Wirken sich bestimmte Belastungen auf sehr viele Beschäftigte aus?
  • Gibt es Risiken, die aufgrund konkreter rechtlicher Regelungen zeitnah verringert oder behoben werden müssen?

Wichtigkeit

  • Sind bestimmte Veränderungen hinsichtlich der Unternehmensziele oder des Unternehmensleitbilds von besonderer Bedeutung?
  • Werden bestimmte Veränderungen von den Beschäftigten in besonderer Weise gewünscht oder erwartet?
  • Sind bestimmte Veränderungen von besonderer Bedeutung für die Produktivität oder Kundenbindung?

Durchführbarkeit

  • Ist die Zahl der geplanten Maßnahmen überschaubar und damit handhabbar?
  • Sind zum geplanten Zeitpunkt der Durchführung der Maßnahme zeitliche und personelle Kapazitäten vorhanden?
  • Ist die Maßnahme in Bezug auf den Personal– und Zeitaufwand der beteiligten Beschäftigten und Führungskräfte durchführbar?
  • Ist die Maßnahme finanziell durchführbar?
  • Stehen Aufwand und Ertrag der geplanten Maßnahme wirtschaftlich in einem angemessenen Verhältnis zueinander?

Quick Wins

  • Gibt es Maßnahmen, die Sie schnell und kostengünstig umsetzen können?

Was, wenn alles wichtig ist?

Es kann sein, dass nach der Erstellung einer Maßnahmenmatrix anhand dieser drei Kriterien sehr viele Maßnahmen als dringend, wichtig und durchführbar eingeschätzt werden. In diesem Fall ist eine pragmatische Entscheidung des Steuerungskreises sinnvoll, welche Maßnahmen vorrangig umgesetzt werden.

Hilfreich kann in diesem Fall eine weitere Schwerpunktsetzung sein. So könnten in einer ersten Umsetzungsphase der Gefährdungsbeurteilung vorrangig verhältnispräventive Maßnahmen durchgeführt werden, die laut § 4 Abs. 5 ArbSchG Vorrang vor verhaltenspräventiven Maßnahmen haben. Oder es wird ein Fokus auf psychosoziale Maßnahmen gelegt. Verhaltenspräventive Maßnahmen oder Maßnahmen, die z.B. die Arbeitsorganisation betreffen, würden dann für die weitere Umsetzungsphase geparkt.

 

Drei Tätigkeitsfelder: Primär-, Sekundär- und Tertiär-Prävention

Oder Sie unterscheiden Sie bei Ihren Maßnahmen zusätzlich zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiär-Prävention:

  • Primärprävention bedeutet im Sinne der §§ 20 bis 24 SGB V, die Ursachen von Erkrankungen zu bekämpfen, bevor diese entstehen. Beispiele für entsprechende Maßnahmen sind Impfungen oder Gesundheitskurse.
  • Bei der Sekundärprävention geht es darum, Krankheiten möglichst früh zu erkennen und das Fortschreiten durch gezielte Behandlungen zu verhindern (vgl. §§ 25 und 26 SGB V). Hierzu gehören beispielsweise Vorsorge-Untersuchungen. Die Zielgruppe sind also beschwerdefreie Personen.
  • Die Tertiärprävention will Folgeschäden einer bereits eingetretenen Erkrankung verzögern, begrenzen oder ganz verhindern (§ 43 SGB V), beispielsweise durch eine Kur.

Selbstverständlich müssen die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit hin kontrolliert werden. Das Ergebnis zeigt, wo dann optimiert, geändert und angepasst werden muss.

Autoren: Carsten Burfeind , Stefan Johannsen