Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
24.05.2016

Schritt für Schritt zur Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung

Aller Anfang ist schwer, das gilt auch für die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung. Viele Beauftragte fragen sich, wie sie die Daten ermitteln und beurteilen sollen. Orientieren Sie sich für den Anfang am besten an folgender allgemeiner Schritt-für Schritt-Anleitung:

Aller Anfang ist schwer, das gilt auch für die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung.© mirpic/​fotolia.com

Die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung eröffnet wie sonst kein anderes Instrument eine wichtige Chance: Nämlich durch Prävention einiges von dem wiedergutzumachen, was vielerorts durch immer belastendere Arbeitsbedingungen an gesundheitlichen und ökonomischen Gefahren heraufbeschworen wird.

Dass psychische Belastungen am Arbeitsplatz von Jahr zu Jahr eine immer größere Rolle spielen und immer höhere Kosten und Probleme verursachen, ist unter Fachleuten wie betrieblichen Praktikern allgemein bekannt. Doch viele fragen sich, wo sie ansetzen sollen, wenn eine psychische Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden soll.

Schritt 1: Legen Sie sinnvolle Einheiten fest

Wie bei allen Gefährdungsbeurteilungen macht es auch bei psychischen Gefährdungen keinen Sinn, für jeden Arbeitsplatz eine eigene Beurteilung zu erstellen. Deshalb gilt es, Tätigkeiten und Bereiche festzulegen, die zu Einheiten zusammengefasst und einheitlich beurteilt werden können. Diese Einheiten können, müssen aber nicht mit Einheiten anderer Beurteilungen übereinstimmen.

Bei der Bildung von Einheiten besteht Handlungsspielraum, jedoch muss sie nachvollziehbar begründet sein. In der Praxis verschaffen Sie sich einen Überblick anhand von Organigrammen (Aufbau- und Ablauforganisation) und beziehen Stellen- und Tätigkeitsbeschreibungen mit ein.

Schritt 2: Nehmen Sie Priorisierungen vor

Legen Sie fest, wo Gefährdungsbeurteilungen zuerst vorgenommen werden sollen. Für diese Priorisierung können Sie Krankenstände, Häufung von Gesundheitsbeschwerden, Fluktuation und ähnliche Kennzahlen verwenden. Mit der Abarbeitung der zu erstellenden Gefährdungsbeurteilungen beginnen Sie dort, wo Sie die größten Gefährdungen vermuten.

Schritt 3: Verwenden Sie bereits vorhandene Daten

Bei der konkreten Ermittlung der psychischen Belastung sind alle Faktoren einzubeziehen, die im betrachteten Arbeitsbereich bzw. bei der betrachteten Einheit auftreten können. Tragen Sie dazu zunächst alle vorhandenen Informationen zusammen. Schließlich muss das, was schon da ist, nicht noch einmal erfasst werden, sofern alles hinreichend aktuell ist.

Nutzen Sie zum Beispiel bereits durchgeführte Mitarbeiterbefragungen und vorhandene Gefährdungsbeurteilungen, die unter Bezug auf andere Gefährdungen bereits erstellt wurden.

Schritt 4: Ermitteln Sie, was Sie (noch) brauchen

Sind Informationen über Gefährdungen nicht vorhanden, müssen sie ermittelt werden. Befragen Sie Mitarbeiter nach den psychischen Gefährdungen an ihren Arbeitsplätzen. Dazu ist in der Regel ein standardisierter, unbedingt anonymer (!) Fragebogen geeignet, wenn es zunächst darum geht herauszufinden, ob und welche Belastungsschwerpunkte es gibt.

Da der Durchführungs- und Auswertungsaufwand in der Regel überschaubar bleibt, können Sie mit diesem Befragungsinstrument alle Mitarbeiter einbeziehen. Allerdings sind schriftliche Befragungen meist nur ein erster Schritt und geben Hinweise, die dann konkretisiert werden müssen. Dazu gehören exemplarische persönliche Interviews und Workshops. Den zeitlichen Aufwand dafür sollten Sie im Maßnahmenplan von vornherein berücksichtigen.

Schritt 5: Beschreiben Sie die psychischen Gefährdungen

Im nächsten Schritt geht es darum, die psychischen Belastungen so differenziert wie möglich zu beschreiben. Dies kann z. B. in einem Analyseworkshop geschehen, in dem die Belastungen beschrieben und gewichtet werden. Je differenzierter die Beschreibungen sind, desto wirksamer werden später die Maßnahmen zur Reduzierung der Belastungen sein.

Wenn vom Betriebsklima her möglich, können Sie hier auch die direkten Führungskräfte einbeziehen, um Akzeptanz auf der Entscheider-Ebene herzustellen.

Eine weitere Möglichkeit der Konkretisierung stellen Beobachtungen dar, eventuell verknüpft mit nachfolgenden Interviews. Denn Beobachtungen sind ein einfaches, aber wirksames Mittel, um in Fragebögen und Interviews ermittelte Hinweise auf psychische Belastungen zu objektivieren. Dies ist natürlich nur in Einzelfällen möglich, da der Aufwand hierfür recht hoch ist.

Schritt 6: Beurteilen Sie die Belastungen

Sind Maßnahmen zur Reduzierung der psychischen Belastung erforderlich oder nicht? Und wenn ja, welche könnten dies sein? Um diese Fragen zu beantworten, müssen psychische Belastungen beurteilt und eingeschätzt werden.

Für viele Belastungsfaktoren gibt es keine verbindlichen rechtlichen Festsetzungen; Sie müssen sich bei der Beurteilung an die Grundsätze „sachlich begründet“ und „nachvollziehbar“ halten:

  • Gibt es arbeitswissenschaftlich belegbare Kriterien oder Schwellenwerte, die aufzeigen, dass Belastungen gesundheitsgefährdend sind?
  • Gibt es empirische Vergleichswerte aus dem Betrieb selbst, von Unternehmen der gleichen Branche oder Statistiken von Verbänden und Genossenschaften?
  • Auch Workshop-Ergebnisse, die Befragung von internen und externen Experten und die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragungen können zur Beurteilung herangezogen wird.

Bei der Beurteilung selbst geht es darum, einen Soll-Ist-Vergleich anzustellen und mit der Größe des Abstand zwischen „Soll“ und „Ist“ auch die Dringlichkeit einer Veränderung darzustellen.

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Autor: Markus Horn 

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