Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
21.09.2015

Die vorbereitende Gefährdungsanalyse (Preliminary Hazard Analysis, PHA)

Bei der vorbereitenden Gefährdungsanalyse handelt es sich nicht um eine eigenständige und genormte Methode. Tatsächlich liegt diesem Verfahren keine Norm zugrunde. Hier besteht die Möglichkeit, Erfahrungswerte aus vorangegangenen ähnlichen Projekten zu übernehmen und dabei aufgetretenen Problemen von vornherein entgegenzuwirken.

Zur vorbereitenden Gefährdungsanalyse (PHA) zählt allgemein jede Form von Methode, die zu Beginn der Entwurfsphase durchgeführt wird, um eine Gefährdungsidentifikation und -verfolgung zu realisieren.© Sophie James /​ iStock /​ Thinkstock

Zur vorbereitenden Gefährdungsanalyse (PHA) zählt allgemein jede Form von Methode oder Gruppe von Methoden, die zu Beginn der Entwurfsphase durchgeführt wird, um eine Gefährdungsidentifikation und -verfolgung zu realisieren. Hierfür kann die HAZOP- oder die Ausfalleffektanalyse (FMEA) herangezogen werden. Sind technische Produkte einer solchen Untersuchung zu unterziehen, wird diese Vorgehensweise auch als System- oder Funktionsanalyse bezeichnet.

Vorbereitende Gefährdungsanalyse: was ist darüber hinaus wichtig?

Hier kommen noch weitere Punkte hinzu, die bei der vorbereitenden Gefährdungsanalyse beachtet werden müssen:

  • Wechselwirkungen zwischen Leistungszielen des Produkts und Abweichungen davon
  • Produktzustände
  • Produktkomponenten
  • Umgebungsbedingungen und Betriebsbelastungen
  • Hilfsquellen des Produkts (z.B. Energieversorgung)
  • Nutzungsprofile, Einsatz-, Lager- und Transportzeiten und damit verbundene veränderte Zuverlässigkeitsforderung

Gefährdungsanalyse (HAZOP bzw. PAAG)

Die HAZOP-Analyse (HAZard and OPerability), eine besondere Form der Gefährdungsanalyse, wurde in den 70er-Jahren in Großbritannien entwickelt und ist in Deutschland eher als PAAG-Analyse (Prognose, Auffinden der Ursachen, Abschätzen der Auswirkungen, Gegenmaßnahmen) bekannt. In der Regel wird diese Analyse top-down durchgeführt. Die Aufgabenerfüllung wird mit festgelegten Leitwörtern („kein“, „mehr“, „weniger“, etc.) untersucht. Diese werden auf Prozessbedingungen, Anlagefunktionen, Stoffe, Zeit und Ort angewendet. So werden etwaige Abweichungen von der Soll-Funktion des Anlagenteils, Gründe für die Abweichung und mögliche Folgen herausgestellt.

Als Beispiel zur Anwendung soll die Kühlwasserversorgung eines Reaktors betrachtet werden.

Soll-Funktion ist bei diesem Beispiel die Kühlung einer exothermen Reaktion. Um diese Funktion zu gewährleisten, werden zwei unabhängig voneinander betriebene Kühlmittelstränge von einer Quelle, beispielsweise einem Fluss, zum Reaktor geführt. Jeder Strang verfügt dabei über einen ähnlichen Aufbau mit einer Pumpe, welche durch einen Elektromotor mit eigener Energieversorgung betrieben wird, und einem Absperrventil, das der Durchflussregulierung dient.


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Die HAZOP-Methode bietet sich an, um Gefahrenpotenziale zu erkennen und Verbesserungen an Produkten einzuführen, Entwicklungsziele festzulegen und Betriebsanweisungen zu erstellen. Sie kann in allen Zyklusstadien eingesetzt werden, erweist sich allerdings umso wirkungsvoller, je früher sie durchgeführt wird. In bestimmten Branchen (u.a. Chemie, Lebensmittelerzeugung, Medizintechnik) ist sie laut VDI 4003 B/1.4 bevorzugt anzuwenden.

Die erwartete Aussage ist rein qualitativer Natur und die Aussagekraft stark von der Analysetiefe und der Erfahrung der Analysten abhängig.

Autor: Matthias Glawe 

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