Fachbeitrag | Unterweisung 08.06.2016

Fremdfirmenunterweisung sollte ernst genommen werden

Die Fremdfirmenunterweisung wird noch nicht in allen Unternehmen mit dem dafür notwendigen Engagement umgesetzt. Oftmals fehlt das Bewusstsein dafür, dass Arbeitsschutz insgesamt nur funktioniert, wenn Leiharbeitnehmer über Gefährdungen und Risiken genauso gut unterrichtet sind wie das Stammpersonal. Dabei gilt es auch, gültige Gesetze zu beachten.

Als Entleiher müssen Sie dafür sorgen, dass die Verleihfirma und deren Mitarbeiter eine Fremdfirmenunterweisung erhalten, um die besonderen Umstände und möglichen speziellen Gefahren bei einem Einsatz in Ihrem Hause kennenzulernen.

Alle Rechtsfragen, die mit Leiharbeit zusammenhängen, sind im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) geregelt. In § 11 Abs. 6 wird bestimmt, dass die Tätigkeit der Leiharbeitnehmer dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) sowie dem Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) unterliegt. Beide Arbeitgeber – Verleiher wie Entleiher – müssen sich über mögliche Gefahren für Sicherheit und Gesundheit der Leiharbeitnehmer abstimmen.

Fremdfirmenunterweisung – dann funktioniert der Arbeitsschutz auch bei Leiharbeitnehmern

Beim Arbeitsschutz sind natürlich alle Arbeitnehmer gleich – auch wenn sie für einen Subunternehmer tätig sind. Sind also – wie etwa bei der Leiharbeit – mehrere Arbeitgeber beteiligt, müssen diese beim Arbeitsschutz umfassend kooperieren.

Wer ist wofür verantwortlich?

Verleihendes und entleihendes Unternehmen sollten eine Arbeitsschutzvereinbarung abschließen, um klarzustellen, wer verantwortlich ist. In einer solchen Vereinbarung werden die Durchführung von arbeitsmedizinischen Untersuchungen, die Bereitstellung erforderlicher persönlicher Schutzausrüstung und die Form von Unterweisungen geregelt.

Mit dem Verleiher zusammenarbeiten und ihn vollständig unterweisen

Ob Verleiher oder Entleiher: Niemand kann wollen, dass Leiharbeitnehmer krank werden. Vor allem aber muss gewährleistet sein, dass Arbeitnehmer vom Verleiher nicht krank zur Arbeit geschickt werden. Arbeiten Sie also mit dem verleihenden Unternehmen eng zusammen:

  • Es sollte eine regelmäßige gegenseitige Information über sämtliche Gefahren bei den betrieblichen Abläufen erfolgen.
  • Notwendige Schutzmaßnahmen zur Minimierung der Gefährdungen müssen abgestimmt werden.
  • Daraus resultierende Anweisungen sind an die jeweils eigenen Beschäftigten weiterzugeben.
  • Beide Seiten (schwerpunktmäßig natürlich der entleihende Betrieb) kontrollieren Umsetzung und Einhaltung der Schutzmaßnahmen.
  • Nach Gesundschreibung sollten die in das entleihende Unternehmen zurückkehrenden Leiharbeitnehmer vom Betriebsarzt untersucht werden.
  • Dieser Ablauf wird als laufender Prozess beibehalten und der Arbeits- und Gesundheitsschutz regelmäßig optimiert.

Nehmen Sie zu Beginn der Entleihung Kontakt zum Arbeitsschutzbeauftragten bzw. zum Disponenten des Verleihunternehmens auf. Bieten Sie aktiv Arbeitsplatzbesichtigungen an und werten Sie Erfahrungen aus. Dies gilt umso mehr, wenn Sie länger mit einem verleihenden Unternehmen zusammenarbeiten, denn schon bei der Auswahl des Arbeitnehmers können bestimmte Problemstellungen berücksichtigt werden (z. B. Rückenbelastungen bei der Arbeit, eintönige Aufgaben).

Dieser direkte Kontakt ermöglicht auch den Austausch über Vorkenntnisse und Erfahrungen der Leiharbeitnehmer und zeigt Ihnen, wie Sie bei der Unterweisung die richtigen Schwerpunkte legen. Wenn Sie mit dem verleihenden Unternehmen langfristig zusammenarbeiten, empfiehlt sich eine Arbeitsschutzvereinbarung, in der die Verantwortlichkeiten klar geregelt sind.

Ein Muster für eine solche Arbeitsschutzvereinbarung finden Sie unter http://tinyurl.com/as-vertrag.

Bei der Fremdfirmenunterweisung stehen Unfallgefährdungen im Fokus

Für einen Leiharbeitnehmer ist sein aktueller Arbeitsplatz nur einer von vielen, den er innerhalb eines Jahres einnimmt. Dieser ständige Wechsel ist nicht nur durch die Rotation von Unternehmen zu Unternehmen, sondern nicht selten auch durch Springer-Einsätze innerhalb der Betriebe bedingt.

Aus der Perspektive der Leiharbeitnehmer betrachtet, „lohnt es sich deshalb nicht“, den Umgang mit Maschinen und Geräten sowie Gefährdungen, die sich aus der jeweiligen Arbeitsplatzsituation ergeben, kennenzulernen.

Mit anderen Vorzeichen gilt dies auch für die festangestellten Mitarbeiter, die Leiharbeitnehmer anleiten sollen. Sie sind oft nicht bereit, stets von Neuem Zeit und Energie in die Anleitung immer wieder neuer Leiharbeitskollegen zu investieren. Entsprechend intensiv sollten Sie auf beide Seiten einwirken, um Unfällen vorzubeugen:

  • Klären Sie zunächst gegenüber jeweils neuen Leiharbeitnehmern, dass Sie zum Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz Weisungsbefugnis haben.
  • Erkundigen Sie sich, wie die Leiharbeitnehmer in Ihrem Unternehmen begrüßt und empfangen werden.
  • Sprechen Sie mit den Beteiligten, insbesondere mit der Personalabteilung, an welchem Punkt in diesem Prozess die Unterweisung der neuen Kollegen stattfinden kann.
  • Häufig beginnen Leiharbeitnehmer zu bestimmten Stichtagen gleichzeitig im Unternehmen. Es empfiehlt sich deshalb, eine Unterweisung über allgemeine Gefährdungen für alle zusammenfassend und die arbeitsplatzspezifische Anleitung dann getrennt (für gleichartige Arbeitsplätze in Gruppen zusammengefasst) durchzuführen.
  • Prüfen Sie, ob die persönliche Schutzausrüstung vom eigenen oder vom verleihenden Unternehmen gemäß Vereinbarung zur Verfügung gestellt wird.
  • Organisieren Sie die arbeitsmedizinische Vorsorge oder, wenn entsprechend vereinbart, kontrollieren Sie, ob das verleihende Unternehmen sie durchgeführt hat.
  • Lassen Sie die Vorgesetzten vor Ort die sorgfältige Einweisung in die Arbeitsaufgaben begleiten.
  • Vor der Arbeitsaufnahme ist eine Unterweisung über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen durchzuführen.

Tipp: Leser des „Arbeitsschutz-Profi AKTUELL“ können Sie sich auf der Website www.arbeitsschutz-aktuell.com unter „Downloads“ das Muster einer Fremdfirmenerklärung und ein Muster für ein Einweisungsprotokoll Fremdfirmen zum Arbeitsschutz jeweils als bearbeitbare Word-Datei herunterladen.

Autor: Markus Horn