Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
20.05.2016

Der Fragebogen für die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung

Mit einem Fragebogen kann die psychische Belastung der Arbeitnehmer im Betrieb praxisnah ermittelt werden. Alternative Instrumente wie Workshops oder Beobachtungsinterviews eignen sich zwar ebenso, doch in der gewissen Anonymität, die ein Fragebogen bietet, geben Beschäftigte ihre ganz persönliche Einschätzung erfahrungsgemäß sehr realistisch wider.

Checkliste© r_drewek /​ iStock /​ Thinkstock

Ein Fragebogen für die Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung ist primär für eine Grobanalyse geeignet. Im Fokus stehen dabei der Überblick und die schwerpunktmäßige Bestimmung von Problemen. Mit Hilfe der Fragebögen können Beschäftigte das Maß der psychischen Belastung Ihrer Arbeit aus eigener Sicht recht gut einschätzen.

Wird eine Mitarbeiterbefragung professionell vorbereitet und durchgeführt, dann hat der Arbeitgeber ein nützliches Instrument an der Hand, um psychische Belastung rechtzeitig zu erkennen. Entscheidend ist jedoch, dass damit auch Verbesserungsmöglichkeiten eingeleitet und umgesetzt werden.

Wichtige Basis einer jeden Befragung sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Denn grundsätzlich sollen damit auch Offenheit und die Bereitschaft zum Dialog erkennbar sein. Professionalität in der Durchführung ist also oberstes Gebot. Es empfiehlt sich, dass alle innerbetrieblichen Arbeitsschutzakteure, gegebenenfalls aber auch externe Dienstleister eingebunden werden.

Vorteile des Fragebogens

Mit einem Fragebogen Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung analysieren Sie alle Merkmalsbereiche auf deren Belastungsfaktoren:

  • Arbeitstätigkeit
  • Arbeitsorganisation
  • Soziale Beziehungen
  • Arbeitsumgebung

Zudem ermöglichen Mitarbeiterbefragungen

  • die Einbeziehung aller Beschäftigten
  • bei standardisierten Verfahren Vergleiche mit Referenzwerten
  • eine Objektivierung der Befragungsergebnisse durch Befragung aller Beschäftigten

Allgemeine Anforderungen an den Fragebogen zur Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung

Welche Kriterien sollte ein Fragebogen zudem erfüllen, um erfolgreich zu sein?

  • Empfehlenswert sind anpassbare (Branche, Berufsgruppe) standardisierte Fragebögen (z.B. KFZA, COP-SOQ, PreSys, s. Toolbox 1.2 der BAuA) einzusetzen.
  • Fragen sollten die tatsächlichen Verhältnisse im Betrieb bzw. der Abteilung widerspiegeln und aussagefähige klare Handlungsbedarfe erkennen lassen können.
  • Für aussagefähige Daten ist eine entsprechende Beteiligung erforderlich.
  • Eine rechtzeitige und detaillierte Information der Beschäftigten über das Vorhaben erhöht die Akzeptanz.
  • Absolute Anonymität und Objektivität muss gewahrt sein, um ein ehrliches Feedback und eine repräsentative Beteiligung zu erzielen. Eine Mindestgröße pro Auswertungseinheit ist zur Sicherung der Anonymität erforderlich.
  • Sprachliche und inhaltliche Verständlichkeit der Fragebögen für die beteiligten Beschäftigten müssen gewährleistet sein.
  • Die Ergebnisse der Befragung sind zeitnah bekannt zu geben.
  • Bei Hinweisen auf Gefährdungen müssen konkrete Maßnahmen priorisiert abgeleitet werden.
  • Wirksamkeit und damit Erfolg der Maßnahmen sind zu kontrollieren.
  • Etwa alle zwei Jahre sollte eine Befragung wiederholt werden. So können sowohl Fortschritte als auch andauernde Defizite beim Thema psychische Belastung festgestellt werden.

Unternehmensspezifische Anforderungen an einen Fragebogen zur Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung

Die Voraussetzungen und Bedürfnissen im Unternehmen sind unterschiedlich. Daher können auch folgende Faktoren relevant sein:

  • Der Aufwand für die Vorbereitung und Schulung bzw. Umfang im Vorfeld der Befragung.
  • Wie viel zeitlicher und personeller Aufwand ist bei der Befragung notwendig?
  • Die Kosten durch erforderliche Schulungen, Leistungen externer Dienstleister oder Nutzungs- und Lizenzgebühren.
  • Zugänglichkeit und Nutzbarkeit des Verfahrens für die Zwecke der Gefährdungsbeurteilung.
  • Verfügbarkeit von Beratungs- und Unterstützungsangeboten zum Verfahren.
  • EDV-Unterstützung, Software zur Erfassung und Auswertung der Daten, Integration in bestehende EDV-Systeme.
  • Sind Übersetzungen in andere Sprachen verfügbar?
  • Qualitätsgrundsätze für Mitarbeiterbefragungen zu psychischen Belastungen.
  • Für welche Einsatzbereiche ist die Befragung geeignet?
  • Branchen, Berufs- oder Tätigkeitsarten, Betriebsgrößenklassen, ….
  • Anwendungsvoraussetzungen sind beschrieben, zum Beispiel erforderliche Qualifikationen auf Seiten der Anwender.
  • Die methodische Qualität der Befragung ist geprüft und ausgewiesen.
  • Es muss dargelegt werden, dass die Befragung für die Zwecke der Gefährdungsbeurteilung geeignet ist, zum Beispiel durch wissenschaftliche Gütebeurteilung, betriebliche Referenzen.
  • Die Befragung erfasst und beurteilt Tätigkeiten und Ausführungsbedingungen.
  • Beurteilungen erfolgen auf Grundlage von Beschreibungen der Arbeitsaufgabe, Arbeitsorganisation, soziale Beziehungen, Arbeitsumgebung.
  • Betriebsrelevante Belastungsfaktoren sind berücksichtigt.
  • Die Berücksichtigung der relevanten Belastungsfaktoren aus der Arbeitsaufgabe, Arbeitsorganisation, aus sozialen Beziehungen und Arbeitsumgebung sollte ggf. durch Einsatz weiterer Verfahren sichergestellt werden.
  • Die Befragung beinhaltet Methoden bzw. Hilfestellungen zur Beurteilung, ob Maßnahmen zur Minderung von Gefährdungen durch psychische Belastung erforderlich sind oder nicht.
  • Anleitung zu einer sachlich begründeten bzw. nachvollziehbaren Beurteilung, zum Beispiel durch Nutzung empirischer Vergleichswerte, im Verfahren festgelegte Kriterien oder „Schwellenwerte“, Beurteilung im Analyseteam.
  • Die Befragung sieht die Einbeziehung der Beschäftigten in den Prozess der Gefährdungsbeurteilung vor zum Beispiel mit Befragungen und Interviews zur Arbeitsbelastung, in Workshops.

Tipp: Weitere Infos, Checklisten und Vorlagen zum Thema Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung…

Autor: Stefan Johannsen

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