Fachbeitrag | Informieren und Recht 03.07.2017

Fachkraft für Arbeitssicherheit: Voraussetzungen

Wer als Fachkraft für Arbeitssicherheit Verantwortung übernimmt, muss gewisse Voraussetzungen erfüllen. Die Aufgaben und die Stellung im Betrieb erfordern eine hohe persönliche und fachliche Kompetenz sowie eine fundierte Aus- und Fortbildung.

Hat eine Überprüfung ergeben, dass im Unternehmen eine Fachkraft für Arbeitssicherheit tätig werden muss, hat der Unternehmer die Wahl zwischen

  • einem überbetrieblichen sicherheitstechnischen Dienst,
  • einer freiberuflich tätigen Sifa und
  • einer im Unternehmen angestellten Sifa.

Alle müssen die im Folgenden beschriebenen Anforderungen erfüllen und es ist auch möglich, die verschiedenen Varianten zu kombinieren. Die bei weitem am häufigsten gewählte Variante ist die innerbetriebliche Beschäftigung einer Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Der Unternehmer oder die zuständige Führungskraft sucht also in der eigenen Belegschaft nach einer Person, die die Voraussetzungen zur Bestellung erfüllt, und lässt diese Person bei seinem Unfallversicherungsträger (kostenlos) oder einer anderen anerkannten Institution aus- und fortbilden.

Das Problem: Die Sifa kann eigentlich nicht selbst betrieblicher Vorgesetzter sein: Sie müsste sich dann selbst beraten! Oft sind aber alle infrage kommenden Personen aufgrund ihrer Qualifikation in einer Vorgesetztenstellung. Die Behörden und Unfallversicherungsträger können die Bestellung von Vorgesetzten akzeptieren und tun dies meist auch, um den Spagat zwischen Qualifikation und Vorgesetztentätigkeit nicht eskalieren zu lassen. Die Sifa sollte als Vorgesetzter aber nicht sehr weit oben in der betrieblichen Hierarchie angesiedelt sein.

Gründe für die Bestellung eigener Beschäftigter zur Fachkraft für Arbeitssicherheit:

  • Die Personen kennen die betrieblichen Verhältnisse und Beschäftigten bereits.
  • Die eigene Sifa verursacht keine zusätzliche Personalkosten.
  • Die Aus- und Fortbildung wird kostenlos vom Unfallversicherungsträger übernommen.

Persönliche Voraussetzungen

Grundsätzlich stellt die Auswahl einer geeigneten Person den Unternehmer und die Führungskräfte vor eine schwierige Aufgabe. Die zukünftige Sifa muss vor allem den Respekt des Unternehmers, der Führungskräfte und auch des Betriebs- oder Personalrats besitzen: Wer lässt sich schon von jemandem beraten, den er nicht achtet, dessen Qualifikation er nicht anerkennt?

Neben der respektvollen Anerkennung ihrer Person sollte die Sifa über eine Reihe von Kompetenzen verfügen.

Fachkompetenz
Die Sifa muss über ein umfangreiches, möglichst breit angelegtes Fachwissen verfügen, das die Grundlagen der im Betrieb praktizierten Tätigkeiten umfasst.

Methodische Kompetenz
Die Sifa muss logisch und strukturiert denken und handeln können.

Soziale Kompetenz
Die Sifa muss mit vielen im Betrieb zusammenarbeiten und dabei oft widerstreitende Interessen zusammenführen. Dies funktioniert nur, wenn eine Reihe von sozialen Kompetenzen vorhanden sind.

Sicherheitstechnische Fachkunde

Die Anforderungen an die sicherheitstechnische Fachkunde der Sifa sind zunächst in § 7 AsiG beschrieben und werden vom § 4 der DGUV Vorschrift 2 näher ausgeführt. Danach kann der Unternehmer die erforderliche sicherheitstechnische Fachkunde als nachgewiesen ansehen, wenn die Fachkraft für Arbeitssicherheit folgende Voraussetzungen mitbringt:

Sicherheitsingenieure
… erfüllen die Anforderungen, wenn sie

  1. berechtigt sind, die Berufsbezeichnung Ingenieur zu führen, oder einen Bachelor- oder Masterabschluss der Studienrichtung Ingenieurwissenschaften erworben haben,
  2. danach eine praktische Tätigkeit in diesem Beruf mindestens zwei Jahre lang ausgeübt und
  3. einen staatlichen oder von Unfallversicherungsträgern veranstalteten Ausbildungslehrgang oder einen staatlich oder von Unfallversicherungsträgern anerkannten Ausbildungslehrgang eines anderen Ausbildungsträgers mit Erfolg abgeschlossen haben.

Sicherheitstechniker
… erfüllen die Anforderungen, wenn sie

  1. eine Prüfung als staatlich anerkannter Techniker erfolgreich abgelegt haben,
  2. danach eine praktische Tätigkeit als Techniker mindestens zwei Jahre lang ausgeübt haben und
  3. einen staatlichen oder von Unfallversicherungsträgern veranstalteten Ausbildungslehrgang oder aber
    einen staatlich oder von Unfallversicherungsträgern anerkannten Ausbildungslehrgang eines anderen Veranstaltungsträgers mit Erfolg abgeschlossen haben.

Sicherheitsmeister
… erfüllen die Anforderungen, wenn sie

  1. die Meisterprüfung erfolgreich abgelegt haben,
  2. danach eine praktische Tätigkeit als Meister mindestens zwei Jahre lang ausgeübt haben und
  3. einen staatlichen oder von Unfallversicherungsträgern veranstalteten Ausbildungslehrgang oder einen staatlich oder von Unfallversicherungsträgern anerkannten Ausbildungslehrgang eines anderen Veranstaltungsträgers mit Erfolg abgeschlossen haben.

Praktische Auslegung

In vielen Betrieben insbesondere des Dienstleistungsbereichs wäre es kaum möglich, angestellte Personen zu Fachkräften für Arbeitssicherheit zu bestellen, wenn man die Anforderungen an die sicherheitstechnische Fachkunde an Titel wie Ingenieur, Techniker oder Meister binden würde. Oft ist die Zahl der Personen mit technischen Kenntnissen in einem Unternehmen sehr begrenzt.
In der Praxis hat es sich aber durchaus bewährt, auch Personen mit anderen beruflichen Qualifikationen, z.B. kaufmännischer Art, zu Sifas zu bestellen.

Die sicherheitstechnische Fachkunde von bereits tätigen Sifas wird üblicherweise anerkannt. Sie muss nur der Unfallverhütungsvorschrift ”Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit“ (DGUV Vorschrift 8) entsprechen.

Beispiele:

  • Leiter der Haustechnik/Hausverwaltung
  • Fuhrparkleiter
  • Werkstattleiter
  • Leiter Technischer Einkauf
  • Vertriebsleiter/Verkaufsleiter
  • Abteilungsleiter
Autoren: WEKA Redaktion , Dr. Kurt Kropp