News | Informieren und Recht 17.07.2017

Elektromagnetische Felder: Diesen Schutz verlangt der Gesetzgeber

Elektromagnetische Felder (EMF) haben je nach Frequenz physikalische Wirkungen auf den menschlichen Körper, ähnlich wie Vibrationen oder optische Strahlen. Im niedrigen Frequenzbereich sind vor allem die Sinne, Muskeln und Nerven betroffen, während es bei höheren Frequenzen vorwiegend um die Wärmeentwicklung geht. Die neue EMFV regelt den Schutz im Bereich statischer elektrischer und magnetischer Felder von 0 bis 300 GHz.

Starke elektromagnetische Felder treten bei vielen verschiedenen Verfahren auf. So sind sie bei Schweiß-, Galvanisierungs- und Elektrolyseprozessen ebenso zu finden wie in der Rundfunk- und Mobilfunkanwendung. Auch medizinische Anwendungen sind betroffen (MRT). Den Schutz vor elektrischer Strahlung regelt seit kurzem die Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor elektromagnetischen Feldern (EMFV).

Zur Umsetzung der EMFV empfiehlt es sich, systematisch vorzugehen, zum Beispiel in folgenden 4 Schritten:

1. Schritt: Daten ermitteln

Bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen muss der Arbeitgeber zunächst festzustellen, ob EMF am Arbeitsplatz von Beschäftigten auftreten oder auftreten können.

Treten diese auf, müssen Messungen vorgenommen oder die Werte den Herstellerangaben von Arbeitsmitteln entnommen werden, und zwar wie folgt:

  • Art, Ausmaß und Dauer der Exposition
  • Frequenzen und Signalverläufe
  • Alle direkten und indirekten Wirkungen
  • Erkenntnisse aus der arbeitsmedizinischen Vorsorge
  • Expositionen aus mehreren Quellen oder Frequenzen

Vorgenommene Messungen oder Berechnungen sind im Unternehmen mindestens 20 Jahre aufzubewahren.

2. Schritt: Kennzeichnungspflichten beachten

Die Verordnung übernimmt die Kennzeichnungsanforderungen der Richtlinie 2013/35/EU. So müssen Arbeitsbereiche ab Überschreitung der unteren Auslöseschwellen gekennzeichnet sein, es sei denn, diese Bereiche sind für Unbefugte nicht zugänglich und die Beschäftigten sind entsprechend unterwiesen.

3. Schritt: Analyse: Sind die Wirkungen direkt oder indirekt?

Das Gefährdungskonzept der EMFV unterscheidet zwischen direkten Wirkungen und indirekten Wirkungen. Für direkte Wirkungen gibt es Grenzwerte und Auslöseschwellen, für indirekte Wirkungen gibt es nur Auslöseschwellen:

  • Bei direkten Wirkungen sind unterhalb der Auslöseschwelle keine Maßnahmen erforderlich, es sei denn, es sind Mitarbeiter mit Implantaten tätig. In diesem Fall sind in Abhängigkeit der Gefährdungsbeurteilung Maßnahmen notwendig. Wird der Grenzwert überschritten, sind auf jeden Fall Maßnahmen nötig.
  • Bei indirekten Wirkungen sind unterhalb der Auslöseschwellen keinerlei Maßnahmen erforderlich, auch nicht für Implantatträger. Oberhalb der Auslöseschwelle sind nur dann Maßnahmen notwendig, wenn Gefährdungen vorliegen.

Expositionsgrenzwerte und Auslöseschwellen für EMF sind in den Anhängen 2 und 3 der Verordnung festgelegt.

4. Schritt: Maßnahmen durchführen

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass eine Gefährdung von Arbeitnehmern vorliegen könnte, müssen Maßnahmen eingeleitet werden:

  • Verhinderung oder Minimierung der Entstehung von EMF (z. B. nach Stand der Technik Einführung alternativer Arbeitsverfahren)
  • Einsatz von Abschirmungen, Verriegelungs- und anderen Sicherheitsvorkehrungen
  • Einsatz von Abgrenzungs- und Zugangskontrollen
  • Angemessene Wartungsprogramme und Kontrollen
  • Gestaltung und Einrichtung der Arbeitsstätten und Arbeitsplätze
  • Organisatorische Maßnahmen zur Minimierung der Exposition hinsichtlich Dauer und Ausmaß
  • Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung (PSA)
Autor: Markus Horn