19.10.2020

Doppelte Herausforderung: Winterarbeit in Corona-Zeiten

Gefährliche Witterungsbedingungen, schwierige Straßen- und miserable Lichtverhältnisse – aus Sicht des Arbeits- und Gesundheitsschutzes bringt der nahende Winter ein Problembündel, auf das wir ganz gerne verzichten würden. Aber in diesem Jahr ist es sogar noch schlimmer: Denn neben den üblichen Risiken der Jahreszeit müssen wir immer auch an die Infektionsgefahr durch COVID-19 denken.

Frierender Arbeiter auf Baustelle

Die richtige – und vor allem rechtzeitige – Vorbereitung auf die winterlichen Bedingungen bei der Arbeit im Freien ist der entscheidende Erfolgsfaktor, um die Beschäftigten so gut wie möglich vor Unfällen und Krankheiten zu schützen.

Nehmen Sie nur einmal das Beispiel „harmloser“ Bodenunebenheiten oder Treppen. Bei Schnee und Verschmutzung können diese ganz schnell zu gefährlichen Stolperfallen werden. Und wenn der erste Schnee einmal gefallen ist, kann es schon zu spät sein. Wenn Sie aber bereits jetzt gut sichtbare Hinweise anbringen wie „Handlauf benutzen!“ oder „Vorsicht: Absatz“ sind die Beschäftigten vorgewarnt und wissen beim Witterungswechsel Bescheid.

Jede Maßnahme der Wintervorbereitung muss außerdem genauestens überprüft werden, damit nicht womöglich unbeabsichtigt zusätzliche Ansteckungsgefahren entstehen. Wie sieht es z.B. mit den Pausen aus, die auf Baustellen zum Aufwärmen oft in Baustellenfahrzeugen verbracht werden?

Basis Ihrer Wintervorbereitungen ist die Gefährdungsbeurteilung, aus der hervorgeht, mit welchen TOP-Maßnahmen die Mitarbeiter am besten geschützt werden.

Erster Schritt: Kontrollieren Sie PSA und Materialien

Wenn die Beschäftigten auf Baustellen arbeiten, gehören zur Grundausrüstung geeignete Schutzhandschuhe, Wintermützen bzw. Unterziehmützen für Schutzhelme sowie Kleidung, die mehrlagig ist und mit einer Fleece-Schicht warmhält. Wichtig ist, dass die Kleidung vor Kälte und Nässe schützt, die Wärme speichert, aber die Feuchtigkeit von innen nach außen abgibt.

Überprüfen Sie die Lagerbestände an persönlichen Schutzausrüstungen (PSA):

  • Ist alles noch brauchbar und gut in Schuss?
  • Reichen die Mengen (geschätzt anhand des Vorjahresverbrauchs)? Wenn nicht: Bestellen Sie gleich Ware nach.
  • Gibt es neue Entwicklungen bei Winter-PSA? Bestellen Sie sich dazu jetzt Muster und Proben.
  • Genügen bei der Schutzkleidung retroreflektierende Bestandteile oder müssen bei Fehlen von oder Mangel an Fremdlicht aktiv leuchtende Warnkleidung bzw. Lichtquellen, die die Beschäftigten am Körper tragen, angeschafft werden?

Zweiter Schritt: Kümmern Sie sich um die Pausen

Stellen Sie fest, ob bzw. welche Baustellenfahrzeuge mit Standheizungen ausgestattet sind. Wenn keine Fahrzeuge zum Aufwärmen verfügbar sind, prüfen Sie den Einsatz von Schutzzelten und Heizpilzen und stellen Sie diese bereit. Die Beschäftigten sollten in den Pausen auch die Möglichkeit haben, warme Getränke zu sich zu nehmen.

Dritter Schritt: Organisieren Sie die Räumung der Verkehrswege

Stellen Sie sicher, dass alle Verkehrswege vor Arbeitsbeginn geräumt sind, etwa durch einen Schneeräumdienst oder durch Beschäftigte, die dies vor der eigentlichen Schicht erledigen. Lassen Sie Auftaumaterialien sowie Streumaterial zur Sicherung von eisbedeckten Flächen bereitstellen. Leuchten Sie die Verkehrswege auch durch flexible Leuchtmittel aus, damit Fahrer und Fußgänger Gefahrstellen erkennen.

Vierter Schritt: Sind alle Geräte vorhanden und einsatzbereit?

Prüfen Sie, ob für die Schneeräumung und andere Vorkehrungen alle Werkzeuge und Maschinen vorhanden und betriebsbereit sind. Dazu gehören genügend Schneeschaufeln und -schieber, Streugeräte, bei größeren Flächen auch fahrbare Schneefräsen. Sorgen Sie auch dafür, dass Ersatz für Verschleißteile sowie Kraftstoffe schnell verfügbar sind. Organisieren Sie einen Räum- und Streuplan, der auch die Bereiche vor den Werkstoren und um die Baustellen herum einbezieht.

Fünfter Schritt: Sorgen Sie gerade im Winter für guten Handschutz

Der Winter bedeutet Stress für die Hände: Die Kälte führt oft zu rauen Stellen und kleinen Rissen, durch die Krankheitserreger und allergieauslösende Stoffe eindringen können. Halten Sie für die Beschäftigten fettreiche Handcremes zur Verfügung und bereiten Sie eine Unterweisung zur richtigen Handhabung vor. Geben Sie bei der Unterweisung zudem den Tipp, nicht zu lange mit dem Tragen von Handschuhen zu warten, sondern diese schon bei mäßiger Kühle zu nutzen. Auf diese Weise können die Hände die natürliche Schutzschicht länger bewahren.

Sechster Schritt: Denken Sie immer an den Schutz vor Corona!

Auch im Winter und ebenso bei der Arbeit im Freien ist Pandemieschutz ein Thema, das alle betrifft und angeht. Deshalb hat auch die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) dafür einen speziellen Arbeitsschutzstandard entwickelt. Zusätzlich gibt es eine „Kurzhandlungshilfe zur Einhaltung räumlicher und hygienischer Anforderungen auf Baustellen“. Beide Arbeitshilfen finden Sie im Internet.

Checkliste zur Vorbereitung auf den Winter

Unsere Checkliste zur Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit haben wir für Sie unter www.arbeitschutz-aktuell.com bereitgestellt. Für die Zugangsdaten zum Herunterladen fordern Sie einfach hier die aktuelle Ausgabe von „Arbeitsschutz-Profi AKTUELL“ als kostenlose Probeausgabe an.

 

Autor: Markus Horn