10.09.2021

E-Fahrzeuge: Wer darf was an Hochvolt-Anlagen tun?

Der Zentral- und Schlüsselbegriff der aktuellen DGUV Information 209-093 „Qualifizierung für Arbeiten an Fahrzeugen mit Hochvoltsystemen“ ist „Qualifikation“. Die DGUV unterscheidet für notwendige Arbeiten am Fahrzeug zwischen mehreren Qualifikationsstufen mit jeweils unterschiedlichen Befugnissen. Mehr darüber lesen Sie im Beitrag.

Für Arbeiten an Hochvoltanlagen wie hier am Elektroauto hält die DGUV Information 209-039 einige Regelungen bereit.

Die DGUV Information 209-093 unterscheidet für notwendige Arbeiten am Fahrzeug zwischen diesen Qualifikationsstufen:

  • E= Sensibilisierte Person
  • 1E = Fachkundig unterwiesene Person (FuP)
  • 2E= Fachkundige Person (FHV) für Arbeiten an HV-Anlage ohne Spannung
  • 3E= Fachkundige Person (FHV) für Arbeiten an HV-Anlage unter Spannung

Bei der fachkundigen Person im HV-Bereich unter Spannung muss es sich um eine Person mit Fach- und Führungsverantwortung handeln. Die fachkundige Leitung wird von der Unternehmensleitung übertragen.

Was eine „Fachkundige Person (FHV)“ können muss

Grundsätzlich müssen die „Fachkundigen Personen (FHV)“ übertragene Arbeiten beurteilen, mögliche Gefahren erkennen und Schutzmaßnahmen durchführen können. Die technischen Qualifikationen hängen davon ab, in welchem Bereich sie eingesetzt werden.

„Fachkundige Personen (FHV)“ müssen Qualifizierungsnachweise vorlegen und können ggf. eigenverantwortlich arbeiten und auch die fachkundige Leitung übernehmen. Bei der Fachkunde wird unterschieden, ob diese Personen nur an spannungsfreien HV-Anlagen oder auch an HV-Anlagen, die unter Spannung stehen, arbeiten dürfen.

Welche Anforderungen eine „Fachkundig unterwiesene Person (FuP)“ erfüllen muss

„Fachkundig unterwiesene Personen (FuP)“ arbeiten ausschließlich unter Leitung und Aufsicht einer FHV und dürfen nicht eigenverantwortlich an HV-Systemen tätig werden. Bevor sie Arbeiten (ausschließlich im spannungsfreien Zustand) ausführen, müssen sie eine Unterweisung erhalten und die darin erläuterten Maßnahmen durchführen sowie Verhaltensregeln beachten.

Was ist eine „Sensibilisierte Person“?

Die unterste Qualifikationsstufe, bei der Beschäftigte mit HV-Fahrzeugen umgehen dürfen, umfasst die sog. „Sensibilisierten Personen“. Diese müssen das Fahrzeug bedienen, für Probefahrten vorbereiten und sicher reinigen können. Dafür reicht es aus, den bestimmungsgemäßen Gebrauch zu unterweisen und auf Besonderheiten hinzuweisen.

Entscheidend für alle Qualifikationsstufen: Einhaltung der vier Sicherheitsregeln

Lebenswichtig für alle Beschäftigten ist die Beachtung der vier Sicherheitsregeln. Diese bestimmen die sicherheitsrelevanten Vorarbeiten, bevor mit der eigentlichen Durchführung der Tätigkeiten begonnen wird:

  1. Freischalten: Dabei handelt es sich in der Regel um einen Freischaltprozess mit einem Diagnosegerät, der von „Zündung ausschalten“ bis zur Trennung zum stationären Netz geführt wird.
  2. Wiedereinschalten verhindern: In der Praxis kommt es nicht selten zu ungewolltem Wiedereinschalten. Um hier Gefahren möglichst auszuschließen, müssen Zündschlüssel nicht nur abgezogen, sondern auch gegen unbefugten Zugriff gesichert und entsprechend aufbewahrt werden. Dies gilt auch für die Service- bzw. Wartungsstecker. Ebenso muss der Batteriehauptschalter gegen Wiedereinschalten gesichert werden (Abdeckklappe, Schloss).
  3. Feststellung der Spannungsfreiheit: Dies ist notwendig, da auch bei freigeschalteter HV-Anlage noch Zwischenkreisspannungen oder andere Restladungen vorhanden sein können. Die Spannungsfreiheit muss an allen leitfähigen Teilen mit einem geeigneten Prüfgerät (Spannungsprüfer) festgestellt werden.
  4. Andere Teile abdecken: Stehen benachbarte Teile unter Spannung, sind sie abzudecken. Dies ist nur dann relevant, wenn in Sonderfällen nicht das gesamte HV-System, sondern etwa für Prüfzwecke nur Teile davon freigeschaltet werden.

Achtung: Keine Erdung durchführen!

HV-Anlagen an Fahrzeugen müssen nicht geerdet werden. Die Erdung aktiver Teile verringert die Gefährdung nicht, da die Fahrzeuge in der Regel gegen Erdpotenzial isoliert sind. Geradezu gefährlich ist das Kurzschließen, da die Energiespeicher dabei irreparablen Schaden nehmen oder sogar bersten können.

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Autor: Markus Horn