Interview | Informieren und Recht
25.08.2016

Das Unternehmermodell – wem es nützt, was es bringt

Das Unternehmermodell hilft Kleinunternehmern, den Arbeits- und Gesundheitsschutz selbst zu organisieren und so den rechtlichen Verpflichtungen des Arbeitsschutzes nachzukommen. Für wen genau dieses Modell Vorteile bietet und welche Probleme in der Praxis auftauchen können, erklärt der Arbeitsschutz-Spezialist Dirk Janthur.

Unternehmensmodell© Creatas Images/​iStock/​Thinkstock

Arbeitsschutz Profi: Herr Janthur, was genau ist das Unternehmermodell?

Dirk Janthur: In Unternehmen mit maximal 50 beziehungsweise in speziellen Branchen bis max. 30 Mitarbeitern kann der Unternehmer das sogenannte Unternehmermodell wählen. Der Arbeitgeber muss keinen eigenen Arbeitsschutzbeauftragten ernennen, sondern kann das selbst übernehmen. Ziel ist, den Unternehmer zu motivieren und zu unterstützen, den Arbeitsschutz in die Abläufe seines Unternehmens zu integrieren. In Deutschland ist das Unternehmermodell in § 2 Absatz 4 DGUV Vorschrift 2 genau beschrieben. Durch die Regelungen auf EU-Ebene kann es in anderen europäischen Ländern ähnliche Regelungen geben.

Arbeitsschutz Profi: Von der Unternehmensgröße abgesehen: Für welche Art von Unternehmen
kommt dieses Modell infrage?

Dirk Janthur: Wichtig bei der Einführung oder Wahl des Unternehmermodells ist, dass der Unternehmer selbst in das Alltagsgeschäft eingebunden ist und die Abläufe in seinem Unternehmen mitgestaltet. Der klassische Familienunternehmer eignet sich demnach besonders gut für dieses Modell. Gleichzeitig muss der Unternehmer für sich abwägen, ob er die regelmäßigen Fortbildungen bei der Berufsgenossenschaft besuchen kann.

Arbeitsschutz Profi: Was sind die Unterschiede im Vergleich zur Bestellung eines externen Beauftragten?

Dirk Janthur: Bei der Bestellung und Beauftragung einer Fachkraft für Arbeitssicherheit, egal ob intern oder extern, muss sich der Unternehmer von der fachlichen Qualifikation überzeugen. Die Beauftragung von externen Dienstleistern hat für den Unternehmer verschiedene Vorteile, beispielsweise muss sich der Externe selbst um seine Weiterbildung kümmern, Urlaubs- und Krankheitsvertretungen sind auch kein Thema und auch die Haftung für falsche Beratung liegt beim externen Dienstleister. Durch die Beauftragung einer Fachkraft für Arbeitssicherheit gewinnt der Unternehmer auf jeden Fall Zeit für seine Kernkompetenzen.

Arbeitsschutz Profi: Was sind, Ihrer Erfahrung nach, die besonderen Vor- und Nachteile dieses
Modells?

Dirk Janthur: Ein großer Vorteil ist natürlich, dass der Unternehmer den Arbeitsschutz selbst managt und ihm damit in seinem Unternehmen einen hohen Stellenwert einräumt. Nachteilig ist, dass ein Unternehmer viele Aufgaben und Pflichten hat und dann der Arbeitsschutz auch mal untergehen kann. Weiterer Nachteil ist sicher auch die sehr einseitige Sichtweise auf den Arbeitsschutz in einem Unternehmen. Hier haben vor allem externe Beauftragte den Vorteil, dass sie in vielen Unternehmen tätig sind, bereits mit vielen Fragen und Situationen konfrontiert worden sind und mehr Erfahrung mitbringen.

Arbeitsschutz Profi: Können Sie etwas dazu sagen, wie bekannt und verbreitet das Unternehmermodell hierzulande ist?
Dirk Janthur: In konkreten Zahlen kann ich die Verbreitung nicht angeben. Insgesamt wird das Thema Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit vielerorts noch viel zu leicht genommen. Gerade auch bei den Dienstleitungsunternehmen gibt es hier sehr großen Nachholbedarf. Informationsquellen gibt es viele, die einfachste und schnellste Quelle ist die jeweilige Berufsgenossenschaft. Hier bekommt man unabhängige Beratung, Seminare und Unterlagen.

Arbeitsschutz Profi: Warum melden sich Klein-Unternehmer eher selten bei den Berufsgenossenschaften, um sich beraten zu lassen?

Dirk Janthur: Unternehmer haben häufig Angst, dass sie schlafende Hunde wecken, wenn sie sich bei der BG melden. Außerdem befürchten viele, dass sie dann gleich mit Bürokratie und Kosten überzogen werden und keine Zeit mehr für die eigentliche Arbeit haben. Deshalb wenden viele lieber die Vogel-Strauß-Taktik an. Dass es dann im Falle eines Unfalls oder einer betriebsbedingten Krankheit erst recht teuer und unangenehm werden kann, wird lieber ausgeblendet.

Arbeitsschutz Profi: Herr Janthur, herzlichen Dank für das Interview!

Autor: Markus Horn 

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