Fachbeitrag | Informieren und Recht
12.01.2015

Das bringt die neue TRBS 2111

Mit der „neuen“ TRBS 2111 werden jetzt u. a. mehrere Teil-Dokumente in einer einzigen Technischen Regel zusammengeführt und an neue ergonomische und sicherheitstechnische Erkenntnisse sowie an den Stand der Technik angepasst.

Robotic Arm© KEMAL BA? /​ iStock /​ Thinkstock

Mechanische Gefährdungen: Das bringt die neue TRBS 2111

Die Technische Regel mit dem Titel „Mechanische Gefährdungen – Allgemeine Anforderungen“ berücksichtigt u. a. Gefährdungen durch

– kontrolliert bewegte ungeschützte Teile,

– unkontrolliert bewegte Teile,

– gefährliche Oberflächen,

– Stürze, Ausrutschen, Stolpern, Umknicken,

– Lastentransporte und die Nutzung mobiler Arbeitsmittel.

Bitte beachten Sie: Teil 4 der TRBS 2111 (Gefährdungen durch mobile Arbeitsmittel) ist aktuell noch gültig. Dieser Teil wird allerdings vom Ausschuss für Betriebssicherheit gerade überarbeitet.

In der neuen TRBS finden Sie jetzt auch eine Reihe branchenübergreifender, aber trotzdem direkt anwendbarer Beispiele, die Sie bei der Informationsermittlung und der Beurteilung von mechanischen Gefährdungen wirkungsvoll unterstützen können.

Die neue Struktur der TRBS 2111 in ihren Abschnitten

So ist die neue TRBS 2111 aufgebaut:

1.    Anwendungsbereich
2.    Begriffsbestimmungen
3.    Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung
4.    Schutzmaßnahmen
5.    Beispielhafte Maßnahmen
Anlage Literaturverzeichnis

Darum geht es im Abschnitt über „Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung“:

Nach den Begriffsklärungen in Abschnitt 2 widmet sich der 3. Abschnitt der TRBS 2111 der Informationsermittlung und der Gefährdungsbeurteilung.

So wird etwa in den Abschnitten 3.1.1 und 3.1.2 klargestellt, dass der Arbeitgeber Maßnahmen entsprechend den allgemeinen Grundsätzen nach § 4 Arbeitsschutzgesetz festzulegen hat und verpflichtet ist, im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz vor mechanischen Gefährdungen zu treffen. Vor allem hat er durch eine geeignete Organisation dafür zu sorgen, dass die dauerhafte Umsetzung der Maßnahmen sichergestellt ist, ihre Wirksamkeit überprüft und sie erforderlichenfalls an geänderte Gegebenheiten angepasst und dokumentiert wird.

Weitere wichtige Vorgaben des Abschnitts 3.1 betreffen

  • die Phasen der Auswahl und Verwendung eines Arbeitsmittels (Abschnitt 3.1.3)
  • Ermittlung gefährdender Tätigkeiten (3.1.4)
  • Berücksichtigung von verschiedenen Betriebsarten (3.1.5)
  • Wechselwirkung mit der Arbeitsumgebung, Arbeitsgegenständen und anderen Arbeitsmitteln (3.1.6)
  • Berücksichtigung des Arbeitsablaufs und Koordination (3.1.7).

In Abschnitt 3.2 wird vorgegeben, dass für jede Tätigkeit durch eine systematische Erfassung der mechanischen Gefährdungen ermittelt werden muss, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind.

Wichtiger Hinweis: Verzichtet werden kann auf derartige Maßnahmen nur, wenn eine Gefährdung nicht wirksam werden kann (z. B. wenn das Erreichen einer Gefahrstelle sicher ausgeschlossen ist oder die freigesetzte Energie, z. B. durch Schließkraftbegrenzung, auf ein akzeptables Maß begrenzt werden kann (Abschnitt 3.2 Absatz 2).

Die „Schutzmaßnahmen“ im Sinne der neuen TRBS 2111:

Der Abschnitt 4 trägt den Titel „Schutzmaßnahmen“. Laut den allgemeinen Vorgaben in 4.1 Absatz 1 sieht der Hersteller eines Arbeitsmittels in der Regel Schutzmaßnahmen vor, die sich an der bestimmungsgemäßen Verwendung orientieren. Falls aber bei der betrieblich vorgesehenen Verwendung unter den gegebenen Einsatzbedingungen eine mechanische Gefährdung nicht ausreichend reduziert ist, muss der Arbeitgeber zusätzliche Maßnahmen treffen, um die erforderliche Sicherheit zu gewährleisten. Der Abschnitt 4.2 behandelt deshalb „Konstruktive Vermeidung von mechanischen Gefährdungen“.

Weitere Themenfelder in Abschnitt 4 sind

  • Handlungsgrundsätze zur Festlegung von Schutzmaßnahmen (Abschnitt 4.3),
  • Verknüpfung von Schutzmaßnahmen (Abschnitt4.4),
  • Technische Maßnahmen (Abschnitt 4.5) und
  • Organisatorische Maßnahmen (Abschnitt 4.6).

Technische Sicherheitsmaßnahmen beeinflussen Konformität nicht!

Sofern durch technische Maßnahmen lediglich die Sicherheit eines Arbeitsmittels erhöht wird, stellt dies laut TRBS in der Regel keine wesentliche Änderung im Sinne der Maschinenrichtlinie dar. Deshalb werde der Arbeitgeber in diesen Fällen, z. B. für Maschinen, nicht zum Hersteller und müsse kein erneutes Konformitätsbewertungsverfahren durchführen.

Die Bewertung, ob Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung erbracht werden müssen, sei aber ggf. im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu dokumentieren.

Vorsicht: Diese Aussage scheint freilich nur schwer nachvollziehbar – rechtlich verbindlich bezüglich der CE-Kennzeichnung ist nur die Maschinenrichtlinie 2006/42/ EG in Form der 9. ProdSV!

Autor: Markus Horn

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