23.03.2022

COVID-19-Infektionen und deren Folgen mit Abstand die häufigste Berufskrankheit

Das Coronavirus hat die Welt nach wie vor im Griff. Mit dem Fortschreiten der Pandemie rücken auch die Langzeitfolgen beruflich bedingter Erkrankungen zunehmend in den Fokus der Arbeitsmedizin. Seit Beginn der Pandemie vor zwei Jahren sind fast 203.000 Verdachtsmeldungen bei den Unfallversicherungen eingegangen. Damit sind COVID-19-Infektionen und deren Folgen aktuell mit Abstand die am häufigsten gemeldete Berufskrankheit.

Ein Arzt gibt dem Arbeitgeber ein Attest oder eine Bescheinigung

Die gesundheitlichen Langzeitfolgen der Coronapandemie sind derzeit noch nicht abschließend zu bewerten. Die Arbeitsmedizin beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Coronapandemie auf die Beschäftigten sowohl im Hinblick auf veränderte Arbeitsbedingungen als auch bezüglich gesundheitlicher Auswirkungen und der Arbeitsfähigkeit nach einer Infektion. Je nach beruflicher Tätigkeit wird hierbei unterschieden, ob es sich bei einer COVID-19-Erkrankung um eine Berufskrankheit oder um einen Arbeitsunfall handelt.

Gesundheitswesen, Wohlfahrtspflege und Labor am häufigsten betroffen

Beschäftigte im Gesundheitswesen, in der Wohlfahrtspflege und im Labor sowie Berufe mit einem vergleichbaren Infektionsrisiko sind in der Regel aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt, weshalb es in dieser Berufsgruppe häufiger zu einer Anerkennung von COVID-19 als Berufskrankheit kommt. Von einem Arbeitsunfall ist dann die Rede, wenn die Ansteckung am Arbeitsplatz erfolgt, jedoch nicht als Folge einer bestimmten beruflichen Tätigkeit mit einem erhöhten Risiko zu sehen ist. „Aus diesem Grund ist hier künftig verstärkt betriebsärztliche Expertise gefragt, wenn es um die richtige Einordnung geht. Betriebsärztinnen und Betriebsärzte verfügen über eine entsprechende Ausbildung, Gefährdungen am Arbeitsplatz richtig einschätzen zu können“, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM), Prof. Thomas Kraus.

Rund 75% aller Meldungen werden anerkannt

Seit Beginn der Pandemie, so eine Sonderauswertung der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, sind 202.945 Verdachtsmeldungen bei den Unfallversicherungen eingegangen (Stand: 28.11.2021). Davon entfielen 169.089 Meldungen auf Berufskrankheiten, 33.856-mal wurde ein Verdacht auf einen Arbeitsunfall gemeldet. Von den entschiedenen Fällen wurden 74,8 % bisher als Berufskrankheit von den gesetzlichen Unfallversicherungen anerkannt. Bei Arbeitsunfällen liegt die Anerkennungsquote mit 30,7 % deutlich niedriger, was unter anderem auch daran liegt, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen einer Infektion und der Situation am Arbeitsplatz hier schwieriger zu ermitteln ist. Bei der Anerkennung von COVID-19 als Berufskrankheit oder Arbeitsunfall verfügen Beschäftigte in aller Regel über einen besseren Versicherungsschutz, weil in diesen Fällen die gesetzliche Unfallversicherung die Kosten übernimmt.

Pflegekräfte sind die Berufsgruppe, in der versicherte Personen mit 66,5 % aller Verdachtsanzeigen sich am häufigsten infizieren und erkranken. Ärztinnen und Ärzte machen 4,5 % der Meldungen aus.

 

Quelle: DGAUM

Autor*in: WEKA Redaktion