28.05.2020

Coronavirus: So fühlen sich Ihre Mitarbeiter vor Covid-19 wirklich geschützt

Im Betrieb ist für viele Mitarbeiter wichtig, dass sie sich vor einer COVID-19-Erkrankung geschützt fühlen und möglichst unbelastet ihren Tätigkeiten nachgehen können. Doch durch die politischen Diskussionen um die Lockerungen der Beschränkungen, die zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlassen wurden, sind viele verunsichert. In dieser Situation ist es nicht nur wichtig, die Schutzmaßnahmen konsequent weiter durchzuführen. Vielmehr ist den Mitarbeitern, die sich vor einer Infektion fürchten, klar und merkbar zu signalisieren: „Wir tun alles, damit Sie gesund bleiben!“

Mundschutz

Wer die Berichterstattung in den Medien verfolgt, kann den Eindruck gewinnen, dass die Corona-Krise schon vorbei ist. Dabei werden auch Schutzmaßnahmen in den Betrieben mehr und mehr infrage gestellt.

Viele Mitarbeiter verunsichert das: Sie fürchten um ihre eigene Gesundheit, aber auch um die Gesundheit ihrer Angehörigen. Der Betrieb kann hier durch die weiterhin konsequente Durchsetzung der Infektionsschutzmaßnahmen und Verhaltensregeln dafür sorgen, dass sich die Mitarbeiter geschützt und sicher fühlen. Dabei sollte auch immer versucht werden, klare Signale an die Mitarbeiter zu senden und ihnen ihre Befürchtungen zu nehmen: „Im Betrieb sind Sie sicher!“

Position beziehen: Infektionsschutz bleibt wichtig

Der Betrieb sollte sich in den betriebsinternen Medien (z.B. in einer Rundmail) klar gegen Sorglosigkeit und Entspannung positionieren: „Wir bleiben wachsam“ ist das Motto, das Sie über die betriebsinternen Medien kommunizieren sollten.

  • Auf aktuelles Beispiel beziehen: Beziehen Sie sich auf aktuelle Ereignisse und ziehen Sie eine Parallele zum Betrieb: „Durch Sorglosigkeit und Missachtung von Schutzmaßnahmen haben sich x Personen angesteckt. Mittlerweile sind mehr als x Personen in Quarantäne. Jeder bei uns kann sich überlegen, was dies für unseren Betrieb, für die Mitarbeiter und ihre Angehörigen bedeuten würde.“
  • An das Verantwortungsgefühl appellieren: „Infektionsschutz betreiben wir für uns selbst. Aber auch für Kolleginnen und Kollegen, die wir anstecken und damit deren Gesundheit gefährden könnten. Und für deren Eltern und Kinder, die ebenfalls von einer Infektion betroffen sein könnten.“
  • Eine Atmosphäre von Nulltoleranz verbreiten: „Bisher haben wir beobachtet, dass alle Kolleginnen und Kollegen die betrieblichen Schutzmaßnahmen und Vorschriften hier im Betrieb ernst genommen und sich sicher verhalten haben. Lassen Sie uns auch weiterhin wachsam bleiben. Nehmen wir den Hygieneschutz weiterhin ernst. Waschen wir unsere Hände. Halten wir Abstand. Lüften wir weiterhin gut die Räume. Halten wir uns an die Husten- und Niesetikette. Wir werden alles tun, um weiterhin einen hohen Schutzstandard zu gewährleisten. Für Lockerheit und Entspannung gibt es keinen Anlass.“
  • Sicherheit vermitteln: „Mit den Maßnahmen, die wir alle bisher so vorbildlich umgesetzt haben, sind wir im Betrieb gut geschützt. Wir haben es selbst in der Hand, dass das so bleibt. Dann bleibt der Betrieb ein geschützter Rahmen, in dem wir unbelastet unserer Arbeit nachgehen können.“

Wenn möglich, holen Sie für Ihren Aufruf auch den Betriebsrat mit ins Boot. Damit zeigen Sie die Wichtigkeit Ihrer Botschaft und dass die Betriebsparteien in dieser Frage weiterhin an einem Strang ziehen.

Tipp

Sind Sie auf der Suche nach einem Aushang, der Mitarbeiter beruhigt und gleichzeitig sinnvolle Infektionsschutzmaßnahmen aufzeigt? In unserem Downloadbereich werden Sie fündig: einfach anpassen, ausdrucken, aufhängen – fertig.

Wichtigkeit der wahrnehmbaren Maßnahmen betonen

Ebenso wichtig wie der Appell an die Belegschaft sind wahrnehmbare Maßnahmen, mit denen die Geschäftsleitung signalisiert, dass der Infektionsschutz weiter wichtig bleibt.

Unterweisungen aktualisieren

Wiederholen Sie die Unterweisungen, die Sie in der ersten Phase der Corona-Krise durchgeführt haben. Bringen Sie dabei die Informationen auf den neuesten Stand. Es zeigt sich z.B., dass neben den Tröpfchen, die beim Atmen, Sprechen, Niesen und Husten ausgestoßen werden, auch die Aerosole, also winzige schwebende Tröpfchen, Infektionen verursachen können. Deshalb sollte die intensive Lüftung der Räume als wesentliches Element in Ihrer Unterweisung hinzukommen.

Darauf sollten Sie bei einem Betriebsrundgang achten

Überprüfen Sie bei einem Rundgang, ob die Informationen und Sicherheitshinweise überall noch vorhanden und auf dem neuesten Stand sind. Dabei kontrollieren Sie auch die Durchführung der technischen Hygieneschutzmaßnahmen: Gibt es nach wie vor überall Spender und sind diese funktionsfähig? Gibt es Abfallbehälter und werden diese regelmäßig geleert? Setzen Sie, wenn dies bisher nicht geschehen ist, Aufsichtspersonal überall dort ein, wo eine neue Lockerheit Einzug halten könnte:

  • In den Eingangsbereichen, vor den Liften und anderen Engpässen könnten vor allem bei Arbeitsbeginn und -ende die Sicherheitsabstände unterschritten werden.
  • Auch in der Kantine und in den Pausenräumen sollten durch Aufsichtspersonal die Abstandsregelungen eingehalten werden.
  • Lassen Sie auch kontrollieren, ob die Schutzmaßnahmen gegenüber Lieferanten weiterhin eingehalten werden (z.B. Lieferungen ohne Unterschrift, kein Kontakt zwischen Kurierfahrern und Empfangsmitarbeitern, sicheres Arbeiten an den Rampen).

Ein wichtiges optisches Signal dafür, dass die Geschäftsleitung die Infektionsgefahren weiterhin ernst nimmt, sind auffällige neue Bodenmarkierungen oder die Erneuerung der bisherigen.

Infografik Corona-AngstVorbildfunktion betonen

Besonderes Augenmerk sollte die Geschäftsleitung auf das Verhalten der Führungskräfte legen. Denn die Mitarbeiter orientieren sich stark an deren Verhalten. Wenn Führungskräfte sorglos sind und Schutzmaßnahmen missachten, sendet dies zwei verheerende Signale gleichzeitig aus:

  • Eher sorglose Mitarbeiter werden die Schutzbestimmungen nicht mehr ernst nehmen, denn sie bekommen von der Führungskraft ja das Signal „Alles halb so wild“.
  • Mitarbeiter, die sich vor einer Infektion fürchten, werden in ihren Ängsten noch bestärkt: „Ich bin hier nicht sicher.“

Fordern Sie deshalb in Abteilungsleiterversammlungen und anderen Führungszirkeln die Führungskräfte dazu auf, beim Arbeitsschutz vorbildlich aufzutreten. Dazu gehören z.B. die demonstrative Handhygiene und das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen ebenso wie die unnachsichtige Durchsetzung der Verhaltensregeln gegenüber den Mitarbeitern.

Der Betrieb bleibt im Corona-Modus

Im Zuge der neuen Sorglosigkeit werden Mitarbeiter immer wieder dadurch verunsichert, dass die organisatorischen Schutzmaßnahmen infrage gestellt werden. Stellen Sie klar, dass Schutzmaßnahmen wie z.B. das Arbeiten im Homeoffice und eine begrenzte Personenanzahl in einem Raum weiter gültig bleiben. Führen Sie ein Vorschlagswesen ein (z.B. über Briefkästen oder spezielle E-Mail-Adresse). Mitarbeiter können so Vorschläge machen, wie der Infektionsschutz sicherer gestaltet werden kann. Das ist für diejenigen, die sich vor Infektionen fürchten und Missstände beobachten, ein Weg, diese – ggf. anonym – der Geschäftsleitung zu berichten.

Tipp: Vorlagen für die Gefährdungsbeurteilung bezogen auf Ansteckungsgefahren mit dem Coronavirus finden Sie in Notfallwissen Infektionsschutz.

 

Autor: Martin Buttenmüller (Martin Buttenmüller ist Autor und Chefredakteur des Fachmagazins Arbeitsschutz-Profi AKTUELL)