24.08.2018

Neue Branchenregel für den Arbeitsschutz im Büro

Der Arbeitsschutz im Büro muss viele sehr unterschiedliche Aspekte berücksichtigen. Muskel-Skelett-Erkrankungen liegen bei den Fehlzeitenstatistiken ganz weit vorne, aber auch Themen wie Lärm oder Ergonomie spielen eine Rolle in Bürobetrieben. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung hat jetzt die neue DGUV Regel 115-401 veröffentlicht, die alle Aspekte zum Arbeitsschutz im Büro zusammenfasst.

Büroarbeitsplatz

Der Arbeitsschutz im Büro hat viele Facetten. Viele Arbeitnehmer verbringen mehr als zwei Drittel ihrer Arbeitszeit am Schreibtisch. Nicht nur der damit einhergehende Bewegungsmangel, eventuell sogar Zwangshaltungen belasten den Körper. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und der Abbau der Muskulatur sind die Folge. Durch die überwiegend sitzende Tätigkeit stehen Sehnenscheidenentzündungen, Schulter-Nacken-Syndrome, Verspannungskopfschmerzen sowie  Bandscheiben- und Wirbelsäulenschäden an der Tagesordnung. Muskel-Skelett-Erkrankungen führen die Liste der AU-Tage regelmäßig an. Darüber hinaus spielen aber auch weitere physische Belastungen zum Beispiel durch Lärm, aber auch psychische Belastungen eine Rolle. Alle Gefährdungen müssen in der Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung berücksichtigt werden.

Der Arbeitsschutz im Büro hat Priorität

Zu den Grundpflichten des Arbeitgebers gehört es, die Gefährdungen für die Beschäftigten zu ermitteln, Maßnahmen zu ihrer Abwehr zu ergreifen und die Beschäftigten darüber zu unterweisen. Das gilt natürlich auch für Bildschirm- und Büroarbeitsplätze.

Ziel sollte es sein, die Arbeitsorganisation so zu gestalten, dass ein möglichst gutes psychosoziales Arbeitsumfeld für die Beschäftigten entsteht.

Gesundheitliche Gefährdungen an Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen können insbesondere entstehen durch:

  • körperliche Belastungen
  • visuelle Belastungen
  • psychische Belastungen

Zwischen den verschiedenen Belastungen kann es zu vielfältigen Wechselwirkungen kommen.

Belastungen im Büro reduzieren

Körperliche Belastungen

Der Bewegungsapparat, in erster Linie der Schulter-Arm-Bereich, die Halswirbelsäule und die Lendenwirbelsäule, wird besonders durch folgende Faktoren belastet:

  • ungünstige Körperhaltung
  • einseitige Belastung
  • unzureichende Arbeitsmittel
  • unzureichende Arbeitsorganisation

Eine wesentliche Ursache für Beschwerden ist das bei vielen Beschäftigten festzustellende Ungleichgewicht zwischen körperlicher Belastung und muskulärem Trainingszustand. Als Folge können muskuläre Schmerzen und Verspannungen auftreten.

 

Visuelle Belastungen

Alltägliche Büroarbeit und insbesondere die Arbeit an Bildschirmarbeitsplätzen stellen sehr hohe Anforderungen an das Sehvermögen der Beschäftigten. Hohe Belastungen werden oft noch verstärkt durch:

  • ungünstige Arbeitsplatzgestaltung
  • ungünstige Lichtverhältnisse
  • störende Blendung
  • mangelhafte Zeichendarstellung
  • unzureichende Korrektur des Sehvermögens

Praxistipps und Arbeitsschutzmaßnahmen

Wie können Führungskräfte die Arbeitsorganisation aber möglichst belastungsarm gestalten? Wie sieht ein ergonomischer Büroarbeitsplatz aus? Was ist bei Beleuchtung und Lärmschutz im Büro zu beachten? Die neue DGUV Regel 115-401 „Branche Bürobetriebe“ gibt Antworten auf diese und zahlreiche weitere Fragen bei der Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes. Im Fokus steht die Prävention potenzieller Belastungen am Arbeitsplatz. Die DGUV Regel 115-401 berücksichtigt dabei verschiedene Arbeitsbereiche in Bürobetrieben. Nicht nur das Büro selbst, sondern zum Beispiel auch den Technikbereich, den Empfang und die mobil arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Inhalte der DGUV Regel 115-401 im Einzelnen sind:

  • Arbeitsorganisation und Führung
  • Arbeitsstätte
    • Beleuchtung
    • Klima
    • Lärm
  • Büro- und Bildschirmarbeit
    • Raumgestaltung
    • Möblierung
    • Bildschirm
    • Eingabemittel
    • Softwareergonomie
    • Gesundheit im Büro
  • Empfangsbereich
  • Technikbereich
  • Sozialbereiche
  • Lagerbereich
  • Verkehrssicherheit im Außendienst
  • Büroarbeit im Außendienst – mobile Arbeit

 

Autor: Dr. Kurt Kropp