Fachbeitrag | Informieren und Recht
12.01.2015

Bildschirmarbeitsbrillen: Beschaffung und Kostenerstattung

Gute Sehfähigkeit ist bei Bildschirmarbeit besonders wichtig. Lässt die Sehfähigkeit nach, kann eine Bildschirmarbeitsbrille helfen. Sie ist optimal auf die Arbeit am Computer abgestimmt. Welche Rechte dabei für Arbeitnehmer gelten, lesen Sie hier.

-© Ingram Publishing /​ Thinkstock

Eine arbeitsmedizinische Angebotsvorsorge nach ArbMedVV ist bei regelmäßiger Tätigkeit am Bildschirmgerät vom Arbeitgeber unmittelbar vor Beginn der Tätigkeit am Bildschirmgerät und nachfolgend alle drei Jahre, bei über 40 Lebensjahren bis fünf Jahre bei unter 40-jährigen durch eine fachkundige Person aktiv schriftlich anzubieten (AMR 2.1). Die Angebotsvorsorge enthält das Angebot auf eine angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens. Erweist sich auf Grund der Angebotsvorsorge eine augenärztliche Untersuchung als erforderlich, so ist diese zu ermöglichen (Teil 4 (2) ArbmedVV).

Bei Beschwerden können auch Untersuchungen auf eigenen Wunsch, sog. Wunschuntersuchung, durchgeführt werden (§ 11 Arbeitsschutzgesetz i.V.m. § 5a ArbmedVV). Die Anmeldungen erfolgen in der Regel über die zuständige Personalabteilung oder auf deren Veranlassung. Die Untersuchungstermine werden von dem für den Betrieb zuständigen Betriebsarzt vergeben. Ziel der Vorsorgeuntersuchungen ist es, zu gewährleisten, dass ein Mitarbeiter, der eine Bildschirmarbeitsbrille benötigt, nicht ohne oder mit der falschen Brille am Bildschirmgerät arbeitet.

Erhält der Arbeitgeber Kenntnis von Sehbeschwerden, die im ursächlichen Zusammenhang mit der Tätigkeit des oder der Beschäftigten stehen kann, so hat er ihm oder ihr unverzüglich Angebotsvorsorge anzubieten. Dies gilt auch für Beschäftigte mit vergleichbaren Tätigkeiten, wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie ebenfalls gefährdet sein können.

Den Beschäftigten sind im erforderlichen Umfang spezielle Sehhilfen für ihre Arbeit an Bildschirmgeräten zur Verfügung zu stellen, wenn Ergebnis der Angebotsvorsorge ist, dass spezielle Sehhilfen notwendig und normale Sehhilfen nicht geeignet sind.

Was ist eine „normale Sehhilfe“?

Normale Sehhilfen sind alle Brillen, die zur Korrektur einer Fehlsichtigkeit und/oder zum Ausgleich einer Alterssichtigkeit benötigt werden. Selbstverständlich sind diese Brillen auch – aber nicht ausschließlich – für ein beschwerdefreies Arbeiten am Bildschirmgerät erforderlich. Dennoch geht die Beschaffung dieser Brillen immer zu eigenen Lasten. Die Brille gehört zur Grundausstattung der Beschäftigten wie Kleidung und Schuhe. Wäre dies nicht der Fall, so wäre die Gleichbehandlung von Beschäftigten mit unterschiedlichen Arbeitsaufgaben nicht gewährleistet, denn z.B. auch der Berufskraftfahrer muss eine notwendige Fernbrille selber bezahlen. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, die im alltäglichen Leben benötigte Brille auf seine Kosten zur Verfügung zu stellen.

Im Verordnungstext (Teil 4, Abs.2 Nr.1 der ArbMedVV) wird ausdrücklich eingeschränkt, dass nur dann spezielle Sehhilfen (Bildschirmarbeitsbrillen) zu Lasten des Arbeitgebers zu beschaffen sind, wenn nach dem Ergebnis der arbeitsmedizinischen Angebotsvorsorge spezielle Sehhilfen notwendig sind und vom Betriebsarzt verordnet werden bzw. normale Sehhilfen nicht geeignet sind.

Wann gilt die Brille als spezielle Sehhilfe bzw. „Bildschirmarbeitsbrille“?


Spezielle Sehhilfen kommen zusätzlich zu den vorhandenen Brillen nur dann in Betracht, wenn die normalen Sehhilfen trotz aktueller, optimaler Anpassung an das Sehvermögen nicht ausreichen, um ein beschwerdefreies Arbeiten am Bildschirm zu ermöglichen. Ob diese Voraussetzung vorliegt, muss nach den Vorgaben der ArbMedVV im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge geklärt werden.

Die bescheinigte „Bildschirmarbeitsbrille“ (arbeitsplatzbezogene Korrekturbrille) ist ein Arbeitsmittel (der PSA zuzuordnen), das der Arbeitgeber zur Verfügung stellt und den Beschäftigten ihre Arbeit am PC erleichtern und arbeitsbedingte gesundheitliche Beeinträchtigungen verhindern soll.

Die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) verpflichtet den Arbeitgeber, den Beschäftigten im erforderlichen Umfang spezielle Sehhilfen  in Form einer Bildschirmbrille für die Arbeit am Bildschirmgerät zur Verfügung zu stellen.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass jede Brille, die bei der Bildschirmarbeit genutzt wird, als Bildschirmarbeitsbrille im Sinne der ArbMedVV einzuordnen und damit vom Arbeitgeber zu bezahlen ist. Sämtliche Sonderleistungen, die nicht ausdrücklich vom Betriebsarzt als notwendig gekennzeichnet sind, müssen grundsätzlich von den Beschäftigten selbst getragen werden. Hierzu gehören z. B. getönte Gläser, besondere Entspiegelungen, Kunststoffgläser und spezielle Brillenfassungen.

Arbeitgeber sollten

  • darauf achten, dass sich die in der Betriebsärztlichen Bescheinigung ausgewiesenen medizinisch notwendigen Kosten mindestens auf regelmäßig erhobene Preiserhebungen bei überregional tätigen Optikerketten stützen,
  • den Beschäftigten mitteilen, dass bei der individuellen Entscheidung für eine höherwertige Brille grundsätzlich die Kostendifferenz zur empfohlenen Brille selbst getragen werden muss, sofern keine arbeitsmedizinische Empfehlung für dieses Brillenmodell vorliegt,
  • auch weitere arbeitsplatzbezogene Umstände in der Gefährdungsbeurteilung prüfen, insbesondere eine angemessene Beleuchtung, strahlungs- und blendfreie Bildschirme, ausreichend große Bildschirme, Softwareergonomie, richtige Einstellung des Bildschirms und erforderliche Maßnahmen umsetzen,
  • individuelle Kurzpausen, Wechseltätigkeit bei Bildschirmtätigkeit berücksichtigen
  • Ausgleichsübungen für die Augen u.a. als E-Learning Tool zur Verfügung stellen bzw. Augentraining in die betriebliche Gesundheitsförderung mit aufnehmen.

Woran müssen Arbeitnehmer denken:

  • aktuelle(n) Brille(n) und die Brillenkorrekturwerte (Brillenpass) zur Vorsorge mitbringen,
  • die Kosten werden in Höhe aktuell geltender Sätze, die im Rahmen der Beratung vom Betriebsarzt mitgeteilt werden, erstattet, müssen aber in der Regel zunächst ausgelegt werden,
  • entweder einen Optiker der Wahl aufsuchen oder die Optikerkette mit der ein Vertrag besteht.
Autor: Stefan Johannsen 

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