Fachbeitrag | Informieren und Recht 12.01.2015

Betriebliches Gesundheitsmanagement – Prävention mit wirtschaftlichem Nutzen

Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen haben bei der Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements noch einen starken Nachholbedarf. Der wirtschaftliche Nutzen von Betrieblichem Gesundheitsmanagement wird dabei oft unterschätzt.

Betriebliches Gesundheitsmanagement und Betriebliche Gesundheitsförderung

Unter einem Betrieblichen Gesundheitsmanagement  (BGM) ist ein Prozess zu verstehen, der auf den einzelnen Betrieb abgestimmt ist und darauf abzielt, betriebliche Rahmenbedingungen gesundheitsgerecht zu gestalten und gesundheitsförderliches Verhalten der Mitarbeiter und Führungskräfte an ihrem Arbeitsplatz und in ihrer Arbeit zu stärken.

Bei dem Betrieblichem Gesundheitsmanagement handelt es sich um ein systematisches ganzheitliches Vorgehen, das alle Unternehmensebenen einschließt. Es richtet den Blick dabei zu allererst auf organisationsbezogene, verhältnispräventive Interventionen. Die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) meint hingegen einzelne Maßnahmen zur Gesundheit von Beschäftigten wie z.B. Rückenschulen oder Aufklärungskampagnen zum Thema Ernährung, sie ist also Bestandteil von Betrieblichem Gesundheitsmanagement.

 

Insbesondere KMU haben bei der Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements noch einen starken Nachholbedarf.

Der wirtschaftliche Nutzen von Betrieblichem Gesundheitsmanagement wird oft unterschätzt

Der wirtschaftliche Nutzen von Betrieblichem Gesundheitsmanagement wird von Betrieben, die noch kein BGM eingeführt haben, oft unterschätzt. Geschäftsführer von KMU sollten sich nicht abschrecken lassen, denn es bestehen umfangreiche Unterstützungsangebote, die in Anspruch genommen werden können. So bleiben Ausgaben für Betriebliches Gesundheitsmanagement bis zu einem Betrag von 500 Euro pro Beschäftigten und Jahr steuerfrei (§3 Nr. 34 des Einkommensteuergesetzes (EStG)). Krankenkassen haben zudem gemeinsam mit den Unfallkassen den gesetzlichen Auftrag, Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung zu unterstützen (§§ 20 a, b SGB V).

Betriebliches Gesundheitsmanagement kann allerdings nicht von heute auf morgen umgesetzt werden

Ein dreistufiges Modell für die Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements (kurz-, mittel-, langfristig) ist empfehlenswert:

  1. Zunächst sollten grundlegende Rahmenbedingungen zur Krankheits- und Unfallvermeidung beachtet werden (z. B. Hygiene, Arbeitssicherheit). Dazu ist eine Bewertung von Daten wie Krankenstandsanalyse, Fluktuation, Unfallstatistik, Demografie, Behinderungen, Betriebliches Eingliederungmanagement etc. abteilungsbezogen zu empfehlen.
  2. Anschließend folgen Konzepte zur gesunden Lebensweise und Prävention (z. B. Sport, Ernährung, Mobilität, rückengerechtes Arbeiten, Demografie, gute Arbeitsorganisation, Work-Life-Balance, Unternehmenskultur und Leitbild, Psychisches Wohlbefinden). Diese können sich z.B. aus einer anonymen Mitarbeiterbefragung grob generieren und durch eine Arbeitsgruppe konkretisiert werden.
  3. Erst im dritten Schritt sind ein langfristiger Ausbau und die Festigung der mittelfristigen Maßnahmen sinnvoll (z. B. Betriebsklima, Mitarbeiterinitiativen). Eine aktive und dauerhafte Implementierung, gegebenenfalls festgehalten in einer Dienst-/ Betriebsvereinbarung, ist wichtig.

Wichtige Prinzipien des Betrieblichen Gesundheitsmanagements sind dabei:

  • Integration: Die Gesundheitsförderung wird bei allen wichtigen Entscheidungen, in allen Bereichen des Unternehmens berücksichtigt. Entsprechende Fachstellen sollten untereinander kooperieren.
  • Partizipation: Am Prozess der Gesundheitsförderung werden alle Beschäftigten beteiligt. Die Eigenverantwortung und auch die Akzeptanz werden so erhöht.
  • Projektmanagement: Alle Maßnahmen und Programme zur Gesundheitsförderung sind individuell an die Beschäftigten angepasst. Der Gesundheitsmanagementprozess unterliegt dabei einer kontinuierlichen Evaluation.
  • Ganzheitlichkeit: Sowohl Verhaltens- als auch Verhältnisänderungen sind Ziele des BGM. BGM umschließt dabei Arbeitsschutz, Personal– und Organisations-management, Betriebliches Eingliederungsmanagement und Betriebliche Gesundheitsförderung.

Maßnahmen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement

Maßnahmen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement zielen in erster Linie auf die:

  • Verbesserung der Transparenz im Unternehmen,
  • Pflege gemeinsamer Überzeugungen, Werte und Regeln,
  • Beteiligung und Vernetzung der Belegschaft,
  • Verbesserung der Dialogmöglichkeiten zwischen Management und Belegschaft,
  • Verbesserung des sozialen Zusammenhalts unter den Beschäftigten,
  • Befähigung der Beschäftigten und Führungskräfte zu einem gesundheitsbewussten Verhalten.

Die Wirksamkeit der Maßnahmen sollte in Form eines Kennzahlencontrollings regelmäßig überprüft werden.

Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements

Maßnahmen zur Förderung der körperlichen Gesundheit

Ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes
Entspannung
Bewegung
Präventionsmaßnahmen für den Rücken
Arbeitsmedizinische Vorsorge
Wegeunfälle
Geistige Gesundheit im Alter

Maßnahmen zur gesunden Ernährung

Gesunde Speisen und Getränke
Gewichtsreduktion

Maßnahmen zur Suchtprävention

Betrieblicher Nichtraucherschutz
Raucherentwöhnung
Alkohol- und Drogenprävention

Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit

Psychische Belastungen
Burnout
Mobbing
Stressbewertung

Vorteile für Arbeitgeber durch Betriebliches Gesundheitsmanagement sind die

  • Förderung der Leistungsfähigkeit aller Beschäftigter
  • Erhöhung der Motivation durch Stärkung der Identifikation mit dem Unternehmen
  • Kostensenkung durch Reduzierung von Krankheits- und Produktionsausfällen
  • Verbesserte Kommunikation
  • Steigerung der Produktivität und Qualität
  • Imageaufwertung des Unternehmens
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
  • Geringere Fluktuation

Vorteile für die ArbeitnehmerInnen durch Betriebliches Gesundheitsmanagement sind die

  • Verbesserung der gesundheitlichen Bedingungen im Unternehmen
  • Verringerung von (Arbeit-)Belastungen
  • Verbesserung des Gesundheitszustandes und Senkung gesundheitlicher Risi-ken
  • Reduzierung von gesundheitlichen Beschwerden
  • Verbesserung des Wohlbefindens und der Lebensqualität
  • Erhaltung/Zunahme der eigenen Leistungsfähigkeit
  • Mitgestaltung des Arbeitsplatzes und des Arbeitsablaufs
  • Erhöhung der Arbeitszufriedenheit und Verbesserung des Betriebsklimas
Autor: Stefan Johannsen