05.12.2016

Bestehen Ihre Gefährdungsbeurteilungen den Test durch die Prüfer?

Wenn Sie Ihre Gefährdungsbeurteilung erstellen, sollten Sie wissen, worauf die Prüfer bei ihrer Kontrolle achten. Dann ist das schon eines sehr gute Voraussetzung, dass nichts beanstandet wird.

Bei der Überprüfung der Gefährdungsbeurteilungen hat man sich für stichprobenartige oder anlassbezogene Prüfungen entschieden. Wenn Sie wissen, wie die Prüfer dabei vorgehen, ist dies schon einmal eine sehr gute Voraussetzung, dass Sie den Test durch die Prüfer ohne Komplikationen überstehen. Zwar gibt es meist selbst dann noch eine zweite Chance. Aber warum sollten Sie darauf ankommen und sich nochmal unter die Lupe nehmen lassen?

Beim Erstellen der Gefährdungsbeurteilung schon an die Prüfer denken

Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) ist eine Initiative von Bund, Ländern und Unfallversicherungsträgern und bietet Handlungsanleitungen, wie Behörden die korrekte Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen in den Unternehmen kontrollieren sollen. Es ist daher sinnvoll, wenn Sie sich damit beschäftigen, um ein Gespür dafür zu bekommen, wie Prüfer vorgehen.

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Kontrolle der Gefährdungsbeurteilungen per Stichprobe

Die Gefährdungsbeurteilungen werden mit stichprobenartigen Kontrollen überprüft. So soll sichergestellt werden, dass Gefährdungen wirklich erkannt werden und mit wirksamen Maßnahmen an ihrer Beseitigung gearbeitet wird. Es soll gewährleistet sein, dass die Arbeitnehmer in einem sicheren und gesunden Arbeitsumfeld arbeiten können.

Es werden also so gut wie nie alle Unternehmensbereiche und auch nicht alle Aspekte des Arbeitsschutzes geprüft, sondern nur Teilbereiche. Dabei wird kontrolliert, ob die Gefährdungsbeurteilung der betrieblichen Situation angemessen durchgeführt und dokumentiert wurde.

Vorinformationen der Prüfer

Die Prüfer versuchen zunächst, anhand der Betriebsakte bzw. anhand der digitalen Speicherung Hinweise zu erhalten, in welcher Richtung sich eine Prüfung lohnen könnte. So machen Prüfer gerne grundsätzlich gefährdende Arbeitsverfahren (z. B. Galvanik) sowie Arbeitsplätze von werdenden Müttern und minderjährigen Auszubildenden zum Prüfgegenstand. Ist die Prüfung wegen eines Unfalls anlassbezogen, werden natürlich mögliche Unfallursachen (Maschinen, Arbeitsverfahren, Arbeitsstätten und Arbeitszeiten) genauer untersucht.

Erstgespräch: Wie ist die Vorgehensweise?

Meist begnügen sich die Prüfer nicht damit, mit einer Fachkraft für Arbeitssicherheit oder dem Betriebsarzt zu reden, da diese Personen für sie nur beratende Funktion besitzen. In der Regel möchten sie in einem Erstgespräch mit einem Mitglied der Geschäftsleitung oder einer verantwortlichen Führungskraft sprechen.

Nach und nach werden dann die Akteure der Arbeitssicherheit und zum Teil auch einzelne Arbeitnehmer dazugeholt oder in Einzelgesprächen befragt. Dabei handelt es sich meist um strukturierte Interviews auf der Basis der Vorinformationen. Es soll nachvollzogen werden, wie die Gefährdungsbeurteilung im Betrieb erarbeitet wurde. Den Prüfern ist außerdem wichtig, dass in diesen Gesprächen die Verantwortlichkeiten unter den Beteiligten geklärt werden.

Prüfung der Gefährdungsbeurteilungen

Die eigentliche Prüfung von einzelnen Gefährdungsbeurteilungen wird meist im Betrieb, bei größeren Umfängen oder temporär fehlenden Ansprechpartnern gelegentlich auch anhand von Unterlagen vor oder nach dem Unternehmensbesuch durchgeführt. Häufig werden im Laufe der Prüfung weitere Dokumente nachgefordert, die die Angaben in den Gefährdungsbeurteilungen plausibilisieren sollen. Auftretende Fragen, die sich bei der Überprüfung der Dokumentation ergeben, werden im Gespräch geklärt. Durch eine Vor-Ort-Besichtigung wird geprüft, ob die Angaben in der Gefährdungsbeurteilung der Realität entsprechen (mindestens an zwei Arbeitsplätzen).

Das Ergebnis und Folgerungen

Das Ergebnis wird in einem Gespräch, an dem auch die Arbeitnehmervertretung teilhaben darf, mitgeteilt und erläutert.

Es gibt drei mögliche Beurteilungen: Die Gefährdungsbeurteilung ist demnach

  • angemessen,
  • nicht angemessen oder
  • gar nicht durchgeführt

Wenn sie nicht oder nicht angemessen erstellt wurden, gibt der Prüfer in der Regel beratend Hinweise, wie die Defizite behoben werden können. Für diese Beseitigung werden Termine gesetzt. Wie viel Zeit dem Unternehmen bleibt, bis eine neuerliche Prüfung erfolgt, hängt von den konkreten Mängeln ab.

 

Autor: Markus Horn