14.11.2016

ABAS regelt Umgang mit hochpathogenen Krankheitserregern

Der Ausbruch des Ebolafiebers im Jahr 2014 hat aufgezeigt, dass beim Umgang mit hochpathogenen Krankheitserregern bzw. mit Patienten, die infiziert oder krankheitsverdächtig sind, außerhalb von Sonderisolierstationen große Unsicherheiten bezüglich der einzuleitenden Schutzmaßnahmen bestehen. Mit dem Beschluss 610 hat der Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) die Biostoffverordnung (BioStoffV) aktuell konkretisiert, um Arztpraxen und Notaufnahmen, Rettungsdienste und Krankenhäuser bei der Vorbereitung auf solche Situationen zu unterstützen.

Umgang mit hochpathogenen Krankheitserregern

Verhalten bei Erstverdacht

Der Patient ist von Personen zu isolieren. Bei der ersten Abklärung ist von behandelnden Personen ein Mindestabstand von 1,50 Meter zum Patienten einzuhalten. Bleibt der Verdacht bestehen, soll der Patient möglichst am Ort bleiben und Handschuhe sowie Mund-Nasen-Schutz tragen. Muss der Patient behandelt werden, müssen die behandelnden Personen die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen. Diese beinhaltet Atemschutz mit Halbmasken sowie Augen- , Gesichts-, Hand-, Fuß- und Körperschutz. Wenn nicht unbedingt für das Wohlergehen des Patienten nötig, soll auf alle Tätigkeiten mit Infektionsrisiko verzichtet werden. Arbeitnehmer müssen mit der richtigen Anwendung der PSA vertraut gemacht und regelmäßige Übungen durchgeführt werden.

Sicherung der Isolierstation

Raumlutfttechnische Anlagen dürfen nur genutzt werden, wenn im Rahmen der Vorplanung sichergestellt wurde, dass ein Luftaustausch zu anderen Bereichen ausgeschlossen werden kann. Die Abluftfilterung muss über HEPA-Filter erfolgen und die Lüftungskanäle begasbar sein. Jedes Restrisiko führt dazu, dass solche Anlagen nicht genutzt werden dürfen und die Zu- und Abluftschächte stabil abgeklebt werden können. Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung muss festgelegt werden, inwieweit eine Stoßlüftung über Fenster so machbar ist, dass andere Bereiche nicht gefährdet werden. Abfälle müssen in einer Sonderabfallverbrennungsanlage entsorgt werden. Grundsätzlich muss auch die Möglichkeit, Abwässer inklusive der Ausscheidungen des Patienten aufzufangen und nicht in den Abwasserbereich gelangen zu lassen.

Einrichtung eines Schleusenbereiches

Vorräume sollen als Schleusenräume genutzt und besonders gesichert sein. Die Raumgröße soll ausreichen, um eine Dekontamination und Aufbewahrung der genutzten Schutzkleidung zu ermöglichen. Ein Bereich soll die Möglichkeit bieten, behandlungsvorbereitende Maßnahmen, die nicht im Beisein des Patienten erfolgen sollen (z.B. Vorbereitung von Fusionen) durchzuführen. Organisatorische Maßnahmen sollen im Ernstfall sicherstellen, dass nicht gleichzeitig die Tür von außen in den Schleusenbereich und die Tür zum Isolierbereich, in dem sich der Patient aufhält, offensteht. Eine Zugangsbeschränkung stellt sicher, dass nur autorisierte und unterwiesene Personen Zugang erhalten.

Gültigkeitsbereich der Beschlusses 610

Die Regelungen des Beschlusses 610 gelten nur für Situationen, für die es in der TRBA 250 „Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege“ keine oder keine weitergehenden Regelungen gibt.

Autor: Markus Horn