Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation 12.01.2015

Beleuchtung am Arbeitsplatz – für ausreichend Tageslicht sorgen

Die Beleuchtung am Arbeitsplatz hat einen bedeutenden Einfluss auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Eine auf die Arbeitsaufgabe, Arbeitsorganisation, Arbeitssituation sowie individuellem Sehleistungsvermögen abgestimmte Beleuchtung ist erforderlich, um Arbeitsbedingungen optimal zu gestalten.

Tageslicht ist der sichtbare Teil des Lichts im Bereich zwischen 380 und 780 nm. Es hat gegenüber Kunstlicht vorteilhafte Eigenschaften in Bezug auf die

  • Beleuchtungsstärke (Benutzer werden bei hohen Beleuchtungsstärken nicht geblendet)
  • Leuchtdichteverteilung (keine hohen Spitzenleuchtdichten, harmonischere Leuchtdichteverteilung, geringere  erforderliche Leuchtdichten)
  • Blendung
  • Lichtfarbe und Farbwidergabe
  • Spiegelungen auf dem Bildschirm
  • Begrenzung der Lichtwelligkeit

Planer, Architekten, Errichter und Ladenbauer entscheiden primär, ob und wie die Vorteile des Tageslichts wahrgenommen und in der Beleuchtung von Innenräumen umgesetzt werden.

Eine angemessene Beleuchtungssituation am Arbeitsplatz dient zunächst dazu, dass die Beschäftigten ausreichend Licht haben, um ihre Arbeitsaufgaben gut erfüllen zu können.

Sie trägt dazu bei,

  • Fehler zu vermeiden,
  • vorzeitiger Ermüdung vorzubeugen und
  • die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten.

Darüber hinaus ist unstrittig, dass die gleichmäßig über den Tag verteilte Tageslichtdosis einen wichtigen Einfluss auf die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter hat. Viele lebenswichtige Körperfunktionen laufen aus arbeitsphysiologischer Sicht nur dann optimal ab, wenn über Haut oder Auge eine bestimmte Dosis an Tageslicht aufgenommen wurde, u.a. Schlaf-/Wachrhythmus (Chronobiologie), Vitamin A und D-Synthese.

Eine ausreichend stimulierende und motivierende Wirkung durch einen angemessenen Tageslichteinfluss hat für die Beschäftigten

  • weniger anstrengendes Sehen
  • besseres räumliches Sehen
  • eine besonders gute Farbwiedergabe sowie
  • eine geringere Müdigkeit und Reizung der Augen

zur Folge.

Eine auf die Arbeitsaufgabe, Arbeitsorganisation, Arbeitssituation sowie individuellem Sehleistungsvermögen (u.a. ältere Arbeitnehmer) abgestimmte Beleuchtung ist erforderlich, um Arbeitsbedingungen optimal zu gestalten. Ausreichendes Licht benötigen die Beschäftigten auch, um eventuelle Unfallgefahren frühzeitig zu erkennen und Unfälle zu vermeiden, aber auch, um sich beispielsweise  im Falle von Übergriffen bemerkbar zu machen. Im Rahmen der arbeitsschutz- sowie baurechtlichen Bewertung wird ausreichend Tageslicht für die Beschäftigten in bei der Errichtung und Betreiben von Arbeitsstätten gefordert.

Die landesbezogenen Bauordnungen fordern eine ausreichende Belichtung der Aufenthaltsräume. Darunter sind u.a. Arbeitsräume oder Pausenräume zu verstehen. Sie müssen Fenster mit einem Rohbaumaß der Fensteröffnungen von mindestens einem Zehntel bis einem Achtel (je nach Bauordnung) der Nettogrundfläche des Raumes einschließlich der Nettogrundfläche verglaster Vorbauten und Loggien haben.

Die Arbeitsstättenverordnung (Ziff. 3.4 Anhang zur ArbSättV) sowie die Technischen Regeln für Arbeitsstätten, hier: ASR A 3.4 „Beleuchtung“ (Punkt 4.1) sowie die ASR A 4.2 „Pausen- und Bereitschaftsräume“ und die DGUV Information 215-211 konkretisieren die Arbeitsstättenverordnung.

Hiernach müssen  Arbeits- und Pausenräume

  • eine Sichtverbindungsfläche (Tageslicht) von mindestens 10 % der jeweiligen Raumgrundfläche aufweisen. Für Räume  mit höheren Sichtanforderungen ist von  einem Verhältnis von 1:5 auszugehen (besondere Randbedingungen erforderlich, z.B. keine Verbauung)
  • Ebenfalls wird ein Tageslichtquotient am Arbeitsplatz von 2% gefordert.

Für Pausenbereiche wird eine Sichtverbindung nach Außen empfohlen.

Hinweis: Die ASR 7/1 „Sichtverbindung nach außen“ wird derzeit vom ASTA (Ausschuss für Technische Regeln Arbeitsstätten) überarbeitet; sie ist nicht mehr gültig, hat deshalb lediglich „orientierenden“ Charakter. Eine weitere Arbeitsstättenregel wird erwartet, ebenfalls wird eine intensivere Betrachtung in der Arbeitsstättenverordnung derzeit diskutiert.

Deshalb sind insbesondere Kassenarbeits-, Kommissionier-,  Vorbereitungs-, Küchen-, Lager– und Archivarbeitsplätze sowie Pförtnerlogen in unmittelbarer Nähe von durchsichtigen Sichtverbindungen nach Außen einzurichten. Dieses ist insbesondere für Vollzeitbeschäftigte wichtig. Ebenfalls ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu prüfen, ob indirekte Sichtverbindungen beispielsweise auch für Kassenbüros oder bei Verlagerung von Arbeitsplätzen möglich sind.

Um dieses zu erreichen, sollten insbesondere ausreichend Fenster mit Sichtverbindung nach außen, Kontaktfenster, Dachoberlichter, gekennzeichnete bruchsichere Glastüren, Wände bestehend aus farbneutralen Verglasungsmaterialien (nicht beschichtet), einstellbare Jalousien, Lamellenstores  wirkungsvoll eingesetzt bzw. im Rahmen eines Baugenehmigungsverfahrens eingeplant  werden. Anstatt lichtundurchlässige Folien, die aus Werbezwecken kleinflächig unbedingt erforderlich sind und baurechtlich zugelassen sind, sollten aus Sicht des Arbeitnehmerschutzes lichtdurchlässige Folien eingesetzt werden.

Die künstliche Beleuchtung sollte sich dann, vor allem aus Energieeinsparungsgründen, in Abhängigkeit von dem durch die Witterung beeinflussten Tageslichteinfall anpassen. Ferner kann ein gesundheitsförderliches Pausenangebot (z.B. Bänke im Freien auf dem Betriebsgelände) sowie Tageslichtarbeitsplatzlampen, dynamische Lichtquellen die Tageslichtdosis positiv beeinflussen. Eine helle Einrichtung (Decken, Wände, Bodenbeläge) trägt ebenfalls zum Wohlbefinden am Arbeitsplatz bei.

Die Einrichtung ständiger Arbeitsplätze (> 2 Std./Tag bzw. mehr als 30 Tage pro Jahr) ohne ausreichende Sichtverbindung nach außen wird von Gewerbeaufsichtsämtern im Regelfall nicht zugestimmt bzw. müssten, falls schon eingerichtet, im Rahmen gebührenpflichtiger behördlicher Anordnungen verlagert werden.

Fazit: In Räumen ohne ausreichendes Tageslicht dürfen keine ständigen Arbeitsplätze errichtet werden. (§ 3 ArbStättV i.V.m. Ziff. 3.4 des Anhanges zur ArbStättV)

Der Arbeitgeber kann zwar von den Technischen Regeln abweichen, er muss aber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung (insbesondere § 3 ArbStättV) nachweisen, dass er mit anderen Maßnahmen den gleichen Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten sicherstellen kann. Das Fehlen bzw. Reduzieren einer (indirekten) Sichtverbindung macht das Erfüllen der Forderung nach ausreichendem Tageslicht jedoch schwierig bis unmöglich.

Bestehende Sichtverbindungen werden derzeit häufig, u.a. im Zuge von Umbaumaßnahmen, durch das seit einiger Zeit häufiger vorkommende großflächige Bekleben von Fensterflächen mit z.T. lichtundurchlässigen Folien (u.a. zu Werbezwecken, Verdecken von nachträglich eingebauten Warenregalen, Schützen von Lebensmitteln etc.) reduziert, so dass die arbeits- und gesundheitsschutz- sowie baurechtlichen Anforderungen für die Beschäftigten nicht mehr gewährleistet  werden!

Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand können aber Unfall- und Gesundheitsgefahren auch durch mangelhafte Beleuchtung entstehen. Höhere Beleuchtungsstärken z. B. in der industriellen Fertigung, führen aber gerade neben besserer Leistung, geringerer Ermüdung, weniger Ausschuss zu einem Rückgang der Zahl der Arbeitsunfälle. Zudem haben Fehlzeiten, die durch Lichtmangel am Arbeitsplatz hervorgerufen werden, steigende Tendenz. Auf eine harmonische Leuchtdichteverteilung ohne Spitzenbeleuchtungsdichten ist dabei zu achten.

Wird diese notwendige Dosis an Tageslicht nämlich nicht erreicht, können Lichtmangelerkrankungen auftreten. Probleme treten überwiegend jahreszeitabhängig in der Herbst- und Winterzeit auf, wenn Menschen an Arbeitsplätzen ohne (ausreichendes) Tageslicht arbeiten.

Aus diesem Grund kann einer Beantragung für das Bekleben bzw. lichtundurchlässiges großflächiges Foliieren vorhandener Sichtverbindung (z.B. im Kassenarbeitsplatz- oder Personalraumbereich) nach außen aus Sicht des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Regelfall nicht oder nur eingeschränkt zugestimmt werden.

Bei Nichtbeantragung kann das kurzfristige gebührenpflichtige Beseitigen lichtundurchlässiger Folien behördlicherseits regional bzw. auch zentral erfolgen.

Autor: Stefan Johannsen