12.01.2015

Auf den Chemikalienschutzhandschuh kommt es an!

Bei einer Hautgefährdung durch Gefahrstoffe sind Chemikalienschutzhandschuhe unerlässlich. Bis heute gibt es allerdings keinen „allround“ Schutzhandschuh, der vor allen denkbaren Chemikalien und Gefahrstoffen gleichermaßen Schutz bietet. Doch nur der richtig ausgewählte Handschuhtyp kann bei der Arbeit mit Gefahrstoffen die Haut ausreichend schützen.

Chemikalienschutzhandschuhe richtig auswählen ist das A und O beim Umgang mit Gefahrstoffen. Ein Chemikalienschutzhandschuh wird vom Hersteller nach DIN Norm EN 374 geprüft und gekennzeichnet. Bei der Auswahl von Schutzhandschuhen stehen im Wesentlichen folgende Materialien zur Verfügung:

  • Naturkautschuk (Naturlatex, NR)
  • Polychloropren (CR)
  • Nitrilkautschuk/Nitrillatex (NBR)
  • Butylkautschuk (Butyl)
  • Fluorkautschuk (FKM)
  • Polyvinylchlorid (PVC)

Chemikalienschutzhandschuhe richtig auswählen

Die Auswahl der richtigen Chemikalienschutzhandschuhe hängt davon ab, mit welchen Chemikalien und Gefahrstoffen die Beschäftigten in welchem Ausmaß umgehen.

Zur Auswahl des richtigen Handschuhtyps sollten vor Arbeitsbeginn im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung vom Arbeitgeber folgende wichtige Fragen beantwortet werden:

  • Vor welcher/n Chemikalie(n) muss (gleichzeitig) geschützt werden?
  • Für welche Dauer muss geschützt werden?
  • Müssen ableitfähige Schutzhandschuhe eingesetzt werden (z.B. in Ex-Räumen)?
  • Müssen Besonderheiten beachtet werden (z.B. Allergien, hohe mechanische Beanspruchung, besondere Temperaturbereiche, Griffsicherheit)?

Nach §6 GefStoffV in Verbindung mit der TRGS 401, 6.4.3, 6.4.4 ist der Arbeitgeber im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung dazu verpflichtet:

  • ein aktuelles und angemessenes Gefahrstoffverzeichnis sowie
  • reachkonforme Sicherheitsdatenblätter,
  • einen aktuellen Hautschutzplan sowie einen Handschuhplan (ggf. Handschuhlager),
  • individuell geeignete (Größe, Länge) Chemikalienschutzhandschuhe (CE-gekennzeichnet, Piktogramm Erlenmeyerkolben, DIN EN 374 Teil 3, Schutzindex Klasse 1 (Durchbruchzeit > 10 Minuten), Klasse 2 (Durchbruchzeit > 30 Minuten)),
  • Chemikalienschutzanzug, Schutzbrille, Schutzmaske, maskenfreie Pausenzeiten,
  • geeignete Hautschutz-, Hautreinigungs- und Hautpflegemittel,
  • aktuelle und verständliche Betriebsanweisungen mit Angabe von Durchbruchzeit, Wechselintervallen und Tragzeitdauer

zu führen, beziehungsweise zur Verfügung stellen. Die Sicherheitsdatenblätter müssen gegebenenfalls von Händlern oder Herstellen nachgefordert werden. Es muss gewährleistet sein, dass die Beschäftigten jederzeit darin Einblick nehmen können.

Die Gefahrstoffe müssen generell entsprechend der CLP-Verordnung gekennzeichnet und sicher gelagert werden.

Ferner muss der Arbeitgeber regelmäßig eine Ersatzstoffprüfung (Substitution) vornehmen und im Gefahrstoffverzeichnis dokumentieren. Lässt sich nachweislich kein Ersatzstoff einsetzen, müssen alle technischen und organisatorischen Maßnahmen, entsprechend dem Stand der Technik, durchgeführt werden, um den Hautkontakt zu vermeiden oder zumindest so gering wie möglich zu halten (Minimierungsgebot). Erst dann ist der Einsatz des richtigen und individuell geeigneten Chemikalienschutzhandschuhs, nach vorheriger Beratung und Einweisung durch die Hersteller, erforderlich.

Chemikalienschutzhandschuhe – das ist zu beachten!

Unter Punkt acht im Sicherheitsdatenblatt Ihrer verwendeten Chemikalien finden Sie Informationen zum Handschutz. Hier müssen genaue Angaben zum Chemikalienschutzhandschuh, zum Material, zur Materialstärke und zur maximalen Tragedauer, beziehungsweise zur Durchbruchszeit angegeben werden.

Sollten im Sicherheitsdatenblatt keine konkreten Handschuheigenschaften genannt werden, ist die Aktualisierung des Sicherheitsdatenblattes zu verlangen. Des Weiteren sind die Handschuh-Hersteller detailliert zu befragen, insbesondere nach Material und Materialstärke, nach der Durchbruchszeit (nach DIN EN 374), sowie nach der tatsächlichen Tragedauer der Chemikalienschutzhandschuhe in der Praxis. Des Weiteren ist es möglich, beim Händler oder Hersteller eine Auswahl verschiedener Chemikalienschutzhandschuhe auszuprobieren.

Der Hersteller des Chemikalienschutzhandschuhs hat den Handschuh genau auf die Chemikalie getestet vor der er schützen soll und gibt an, wie lange der Handschuh diese Chemikalie zurückhält (Durchbruchszeit nach DIN EN 374). Die Tragedauer kann in der Praxis durch mechanische Beanspruchung und höhere Temperaturen von der Durchbruchszeit abweichen. Deshalb sind Durchbruchszeit und maximale Tragedauer (Entsorgung) separat zu erfragen.

Es ist zu berücksichtigen, dass Chemikalien das Handschuhmaterial beispielsweise durch Spritz- oder Vollkontakt durchdringen, zerstören und infolge der Hautresorption schwerwiegende Folgen nach sich ziehen können. Deshalb dürfen Chemikalienschutzhandschuhe bei Chemikalienkontakt maximal für die Dauer einer Schicht benutzt werden! Nur wenn vom Hersteller eine Prüfbescheinigung vorliegt, dass die Chemikalienschutzhandschuhe den Chemikalien länger standhalten, dürfen sie auch dementsprechend länger benutzt werden.

Für die Auswahl von Chemikalienschutzhandschuhen sind

  • die Schutzwirkungen gegenüber den eingesetzten Chemikalien (Stoffe/Gemische), entsprechend aktuellem Sicherheitsdatenblatt,
    die Randbedingungen des Arbeitsplatzes  (Ausmaß und Dauer des Chemikalienkontakts),
  • persönliche Dispositionen des Handschuhträgers (zum Beispiel eine  bestehende Allergie gegen Inhaltsstoffe des Handschuhmaterials),
  • weitere spezielle Anforderungen an den Handschuh, unter anderem mechanische Stabilität, elektrische Leitfähigkeit (zusätzliche Piktogramme auf dem Handschuh)

zu berücksichtigen. Daraufhin ist unter Beteiligung der Beschäftigten, dem Betriebsarzt sowie des Herstellers ein Trageversuch unter Praxisbedingungen durchzuführen. Das Ergebnis sollte mit den Herstellern besprochen werden.

Die in Frage kommenden Chemikalienschutzhandschuhe sind in den Handschuhplan und in die Betriebsanweisung mit Durchbruchzeiten, Wechselintervallen und maximaler Tragedauer aufzunehmen.

Hinweise für Arbeitgeber und Beschäftigte für den Umgang mit Chemikalienschutzhandschuhen

  • Falsch ausgewählte, beschädigte oder zu lange getragene Handschuhe führen zum direkten Hautkontakt mit der Chemikalie und täuschen einen Schutz vor der nicht besteht!
  • Nur gut sitzende, persönliche Handschuhe in der richtigen Größe verwenden.
  • Niemals überlagerte, durchfeuchtete und/oder kontaminierte Chemikalienschutzhandschuhen benutzen.
  • Bei Fragen zur Schutzwirkung der Handschuhe, unklaren Einsatzbedingungen, bekannten Allergien oder Unverträglichkeiten auf Handschuhmaterialien den/die Vorgesetzte(n), die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder den Betriebsarzt informieren.
  • Auf das Piktogramm „Erlenmeyerkolben“ auf den Handschuhen achten (gegebenenfalls weitere Piktogramme).
  • Handschuhe nur so lange wie nötig und so kurz wie möglich tragen.
  • Bei starkem Schwitzen Baumwollunterziehhandschuhe verwenden.
  • Wenn möglich abwechselnd Tätigkeiten mit und ohne Handschuhe ausführen.
  • Beim Tragen der Chemikalienschutzhandschuhe über zwei Stunden oder bei starkem Schwitzen mit mindestens einem zweiten Handschuhpaar im Wechsel arbeiten.
  • Bei Durchfeuchtung sofort wechseln! Entsprechenden Tagesbedarf bereithalten.

 

Lagerung und Reinigung von Chemikalienschutzhandschuhen

Handschuhe vor dem Ausziehen reinigen, möglichst unter fließendem Wasser. Danach mit Einwegtüchern abtrocknen und so ausziehen, dass weder die Handschuh-Innenseite, noch die ungeschützte Haut verschmutzt.

Chemikalienschutzhandschuhe gut belüftet aufbewahren, auf ein Trockengestell stülpen oder nach oben geöffnet aufhängen oder auf links drehen. Nicht direkt in die Sonne oder auf die Heizung legen.
Chemikalienschutzhandschuhe oder Aufbewahrungsort namentlich kennzeichnen, um Verwechslungen auszuschließen.

Arbeitsmedizinische Vorsorge bei Chemikalienschutzhandschuhen

Beim Tragen von flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen von mehr als zwei Stunden muss eine arbeitsmedizinische Vorsorge (G 24) der Haut aktiv angeboten werden.

Beim Tragen von flüssigkeitsdichten Chemikalienschutzhandschuhen von mehr als vier Stunden ist eine arbeitsmedizinische Vorsorge der Haut (G24) Pflicht und muss in der Mitarbeiter-Kartei dokumentiert sein.

Autor: Stefan Johannsen