Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation 12.01.2015

Auch bei Lieferanten auf den Arbeitsschutz achten

In Einkaufsbedingungen und Lieferantenbewertungen sollte der Arbeitsschutz nicht fehlen. Mangelhafter Arbeitsschutz bei Ihren Lieferanten gefährdet nicht nur das Image Ihres Unternehmens. Auch die Motivation Ihrer Mitarbeiter für den Arbeitsschutz kann darunter leiden.

Lieferanten beeinflussen auch den eigenen Arbeitsschutz

Die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter kann in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn die Produkte, die Ihre Lieferanten für die Weiterverarbeitung zuliefern, fehlerbehaftet oder mit Gefahrstoffen kontaminiert sind. Die Auswirkungen mangelhafter Sicherheit bei Ihren Lieferanten liegt auf der Hand. Doch auch ein mangelhafter Arbeitsschutz bei Ihren Dienstleistern und Lieferanten kann sich negativ auf Ihr Unternehmen auswirken.

Lieferanten können ein schlechtes Vorbild sein

Wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Ihrer Lieferanten zum Beispiel keine Schutzkleidung tragen, diese aber bei Ihnen vorgeschrieben ist, rüttelt dies an der Motivation Ihrer eigenen Mitarbeiter. Es stellt sich ihnen die Frage, warum man in diesem Unternehmen Sicherheitsschuhe tragen muss, bei dem Lieferanten, der mit ähnlichen Produkten umgeht, jedoch nicht.

Schlechter Arbeitsschutz bei Ihren Lieferanten untergräbt Ihre Bemühungen in der Arbeitssicherheit.

Ein Unfall bei Lieferanten schadet auch Ihnen

Wenn die Arbeitsbedingungen bei Ihren Lieferanten ungenügend sind und sich vielleicht sogar Arbeitsunfälle ereignen, über die die Medien berichten, kann dies negativ auf Ihr Unternehmen zurückfallen. Im Sinne einer sozialen Verantwortung sollte Ihr Unternehmen auch auf die Lieferanten Einfluss nehmen, sich für die Gesundheit der Mitarbeiter stark zu machen. Andernfalls könnten Ihre eigenen Kunden Ihr Unternehmen abstrafen und bei der Konkurrenz kaufen.

Arbeitsschutz als Einkaufsbedingung

Es gibt also viele gute Gründe, auch den Arbeitsschutz in Ihre Vorgaben für die Lieferanten aufzunehmen, die Lieferanten in der Selbstauskunft nach den Arbeitsbedingungen zu befragen und in den Lieferantenaudits den Arbeitsschutz des Lieferanten zu untersuchen. Dies sollten Sie auch als Teil Ihres Arbeitsschutzmanagement-Systems (AMS) begreifen.

Durchleuchten Sie den Arbeitsschutz der Lieferanten

Bei neuen Lieferanten, bei Hinweisen Ihrer eigenen Mitarbeiter auf Sicherheitsmängel bei Lieferanten, nach möglichen Unfällen, aber auch auf einer regelmäßigen Basis sollten Sie Lieferantenaudits im Bereich Arbeitsschutz durchführen. Dazu gehören Fragen nach

  • einem vorhandenen AMS (Kopie des Zertifikats anfordern) ,
  • dem Umgang des Lieferanten mit Gefahrstoffen,
  • dem Tragen von Sicherheitskleidung,
  • der Einhaltung der Arbeitszeitvorgaben,
  • dem Brandschutz und
  • der Unterweisung der Mitarbeiter des Lieferanten.

Vielleicht überlegen Sie sich sogar, einen Lieferantenpreis zu vergeben, also einen Lieferantenwettbewerb auszuschreiben, bei dem die Arbeitssicherheit eine wichtige Rolle spielt.

Arbeitsschutz als globale Herausforderung

Wenn Sie Lieferanten im Ausland haben, insbesondere in den Schwellenländern, sollten Sie auch auf die Einhaltung internationaler Vorgaben (ILO Core Labour Standard Conventions) achten. Orientieren können Sie sich dabei zum Beispiel an der BSCI (Business Social Compliance Initiative), in deren Verhaltenskodex (Code of Conduct) unter anderem zu finden ist, dass

  • die Lieferanten die gültigen nationalen Gesetze und Industriestandards zu Arbeitsstunden einzuhalten haben,
  • die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz zu gewährleisten ist und
  • Kinderarbeit verboten ist.
Autor: Oliver Schonschek