16.01.2017

Arbeitszeit für Auszubildende: Das sagt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG)

In Sachen Arbeitszeit für Auszubildende haben deutsche Unternehmen offenbar Nachholbedarf. Gerade in der Generation der jungen Arbeitnehmer machen 20 Prozent oft gar keine Pausen. Das hat eine Untersuchung der BAuA jetzt zu Tage gefördert. Doch das Arbeitszeitgesetz enthält klare Vorgaben.

Eine Studie der BAuA in Sachen Arbeitszeit für Auszubildende hat es an den Tag gebracht: Für etwa 20 Prozent der Erwerbstätigen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren gibt es keine Arbeitsunterbrechung. Vor allem in der Dienstleistungsbranche wird auch nach sechs Stunden keine Pause genommen.

Die jungen Arbeitnehmer begründen dies mit der Arbeitsmenge, die anders nicht zu bewältigen sei, sowie mit den betrieblichen Abläufen, in die Pausen sich einfach nicht integrieren ließen. Ähnliche Ergebnisse zeigt die BAuA-Auswertung für jugendliche Arbeitnehmer zwischen 15 und 17 Jahren.

Arbeitszeit für Auszubildende unbedingt beachten

Arbeiten ohne Pause macht krank und stellt eine massive Gesundheitsgefährdung dar. Nicht nur für Jugendliche gilt das – diese Tatsache trifft auf alle Mitarbeiter zu. Die Gefahr von Gesundheitsschäden ist in jungen Jahren allerdings besonders groß.

Außerdem sind Pausen im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gesetzlich geregelt, Arbeiten ohne Pausen stellen also einen Gesetzesverstoß dar. Als Fachkraft für Arbeitssicherheit müssen sich deshalb fragen, wie Sie die Gesundheit der jungen Arbeitnehmer in Sachen „Pausen“ schützen können.

Ein wichtiger Tipp: Pausenzeiten sozial integrieren

Der Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz darf nicht bei Appellen stehenbleiben. Beraten Sie stattdessen die Führungskräfte lieber praxisorientiert und mit konkreten Hinweisen, wie sie Pausenzeiten in die Arbeitsabläufe integrieren und sicherstellen können, dass diese auch genommen werden.

Eine gute Möglichkeit sind organisierte Pausen, also Zeitpunkte und Ereignisse, die den Beginn einer verbindlichen Erholungszeit einläuten, wie z. B.:

  • 15-minütige Frühstückspause
  • feste Zeitfenster, in denen bestimmte Kollegen in die Kantine gehen können (die jeweils anderen sichern die Besetzung)
  • Gemeinsames Frühstück nach der vollständigen Beladung der Lkw oder der Bearbeitung der über Nacht eingegangenen Aufträge

Organisierte Pausen haben den entscheidenden Vorteil, dass die Beschäftigten nicht selbst entscheiden müssen, ob der Zeitpunkt für eine Unterbrechung der Arbeit gerade günstig ist oder nicht. Weil sie nämlich diese Entscheidung nicht treffen oder gegenüber den Führungskräften nicht vertreten wollen, unterbleiben die Pausen oft ganz. Wenn Unterbrechungen dagegen sozial eingebunden stattfinden, werden Pausen auch eingehalten. Auch ganz grundsätzlich müssen Pausenzeiten definiert sein, um zu verhindern, dass Arbeitnehmer sich nicht trauen, wirklich zu pausieren.

Beziehen Sie den Betriebsrat mit ein!

Der Betriebsrat hat bei Arbeitspausen nach § 87 Abs. 1 Nr. 2 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) ein zwingendes Mitbestimmungsrecht. Dieses erstreckt sich auf die Dauer und die Lage der Arbeitspausen. Entsprechend sind Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge und natürlich das Arbeitszeitgesetz zu beachten. Beziehen Sie deshalb – gegebenenfalls im Arbeitsschutzausschuss – den Betriebsrat bei der Pausengestaltung mit ein.

Für Pausen muss es auch Orte geben

Arbeitgeber müssen gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 4.2 Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) Pausenräume bzw. Pausenbereiche zur Verfügung stellen, wenn er mehr als zehn Mitarbeiter beschäftigt oder wenn Sicherheits- oder Gesundheitsgründe dies erfordern. Dies gilt nicht, wenn die Arbeitnehmer in Büroräumen oder vergleichbaren Arbeitsräumen tätig sind und dort gleichwertige Voraussetzungen für eine Erholung während der Pause gegeben sind.

Wenn es keinen Pausenraum gibt, müssen für Bereitschaftszeiten und Arbeitsunterbrechungen eigene Räume zur Verfügung gestellt werden. Diese sollen für die Arbeitnehmer leicht erreichbar und ausreichend groß sein. Sie sind entsprechend der Anzahl der gleichzeitigen Benutzer mit leicht zu reinigenden Tischen und Sitzgelegenheiten mit Rückenlehne auszustatten.

Für schwangere und stillende Arbeitnehmerinnen müssen Gelegenheiten zum Ausruhen geschaffen werden – nicht nur in den Pausen, sondern auch, falls erforderlich, während der Arbeitszeit. Bereitschaftsräume und Pausenräume, die als Bereitschaftsräume genutzt werden, müssen dem Zweck entsprechend ausgestattet sein.

 

Arbeitszeitgesetz: die wichtigsten Regelungen zum Thema Arbeitszeit für Auszubildende

Bei Jugendlichen unter 18 Jahren gilt:

  • 4,5 Stunden darf ohne Pause gearbeitet werden: Bei einem Arbeitsbeginn um 9.00 Uhr ist das Arbeiten ohne Pause bis 13.30 Uhr gestattet.
  • zwischen 4,5 und 6 Stunden Arbeitszeit gilt eine 30-Minuten-Pause.
  • bei mehr als 6 Stunden Arbeitszeit muss eine 60-Minuten-Pause gewährt werden.
  • Vorsicht: Pausen bei Jugendlichen müssen frühestens eine Stunde nach Beginn und spätestens eine Stunde vor Ende der Arbeitszeit genommen werden.

 

Autor: Markus Horn