Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
12.01.2015

Arbeitsunfall: Diese Dokumente wollen die Ermittler sehen

Wenn ein Arbeitsunfall tödlich endet, ist eine komplette Arbeitsschutz-Dokumentation wichtig, um Unfallursachen zu erkennen und um Haftungsfragen zu klären.

Signing contract© Bartłomiej Szewczyk /​ iStock /​ Thinkstock

Wie der Bericht Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2010 zeigt, ist die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle in Deutschland gestiegen: 674 Menschen starben 2010 bei der Arbeit, das sind etwa 8 % mehr als im Vorjahr.

Die Unfallursachen sind vielschichtig, doch eines ist klar: Kommt es zu einem tödlichen Arbeitsunfall, müssen nicht nur die Unfallursachen ganz genau untersucht werden, um einen solch schlimmen Vorfall nicht erneut passieren zu lassen.

Auch die Aufsichtsstellen und Ermittlungsbehörden werden in der Regel aktiv.

Meldepflicht ist nicht alles

Nach § 193 Absatz 1 des Sozialgesetzbuches (SGB) VII ist ein Arbeitsunfall meldepflichtig, wenn er eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder den Tod des Versicherten zur Folge hat.

Tödliche Arbeitsunfälle sind sofort

  1. dem zuständigen Unfallversicherungsträger und
  2. der für den Arbeitsschutz zuständigen Landesbehörde bzw. der zuständigen Bergbehörde,
    wenn Unternehmen der allgemeinen Arbeitsschutzaufsicht oder der bergbehördlichen Aufsicht unterliegen.

zu melden

Zusätzlich zu den Angaben, die bei den meldepflichtigen Arbeitsunfällen erforderlich sind, müssen die betroffenen Betriebe auf umfangreiche Fragen vorbereitet sein.

Dokumentation als Nachweis

Der Arbeitgeber muss im Fall eines tödlichen Arbeitsunfalls genau belegen können, was im Bereich Arbeitsschutz unternommen wurde, um einen tödlichen Arbeitsunfall zu vermeiden.

Besonders wichtig sind

  • die Dokumentationen zur Gefährdungsbeurteilung für den betroffenen Arbeitsbereich und
  • die Tätigkeit, bei der sich der tödliche Arbeitsunfall ereignet hat.

Passierte der tödliche Arbeitsunfall auf einer Baustelle, müssen (falls erforderlich) auch die Bestellung eines SiGeKo (Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator) und das Vorhandensein eines Sicherheits- und Gesundheitsschutzplans (SiGePlan) nachweisbar sein.

Prüfprotokolle und Unterweisungsnachweis

Zur Klärung der Unfallursachen, aber auch der Verantwortlichkeit des Arbeitgebers spielt es eine große Rolle,

  • wo sich der Unfall genau ereignet hat,
  • bei welcher Tätigkeit,
  • bei welchem konkreten Arbeitsschritt,
  • mit welchem Arbeitsmittel,
  • mit welcher technischen Anlage,
  • unter welchen Arbeitsbedingungen und
  • in Verbindung mit welchen Gefahrstoffen.

Dabei stellt sich auch die Frage, ob das betreffende Arbeitsmittel, die technische Anlage und die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) regelmäßig geprüft wurden (Prüfprotokolle) und ob der Betroffene denn umfassend über die Gefahren und das richtige Verhalten unterwiesen wurde (Unterweisungsnachweis).

Konsequenzen aus tödlichem Arbeitsunfall ziehen

Unabhängig von den möglichen rechtlichen Konsequenzen sollte jeder Betrieb einen tödlichen Arbeitsunfall zum Anlass nehmen, die Gefährdungsbeurteilung, die Prüfungen und die Unterweisungen nochmals genau zu hinterfragen.

Autor: Oliver Schonschek 

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