03.02.2022

So wird Ihre Arbeitssicherheitsunterweisung ein voller Erfolg

Wie wird Ihre Arbeitssicherheitsunterweisung ein Erfolg? Eine erfolgreiche Unterweisung begünstigt schließlich sicherheitsgerechtes Verhalten Ihrer Mitarbeiter. Lesen Sie, wie Sie wirksam Ihr Team informieren und es richtig unterweisen, damit es sich am Arbeitsplatz angemessen verhält und so Schäden und Unfälle vermeidet.

Mitarbeiter hören bei einer Arbeitssicherheitsunterweisung zu.

Um sich den Stempel „wirksam“ verdient zu haben, muss Ihre Arbeitssicherheitsunterweisung drei Dinge leisten:

  1. Wissen steigern: Die Teilnehmer kennen nach der Unterweisung die Gefährdungen und die entsprechenden Schutzmaßnahmen.
  2. Kompetenz steigern: Die Teilnehmer können besprochene Schutzmaßnahmen effizient anwenden.
  3. Motivation steigern: Die Teilnehmer wollen die erarbeiteten Maßnahmen tatsächlich einhalten.

Wie können Sie Ihre Arbeitssicherheitsunterweisung nun so vorbereiten und durchführen, dass Sie mit ihr diese drei Ziele erreichen? Dieser Frage möchte dieser Beitrag nachgehen.

Hintergrund: So lernen Menschen

Die Spielregeln für eine gelungene Arbeitssicherheitsunterweisung hängen damit zusammen, wie Menschen lernen. Studien zeigen: Wenn Lernende zum passiven Zuhörer degradiert werden, merken sie sich nur rund 20 % von dem, was ihnen erzählt wird. Spricht der „Lehrer“ jedoch mehrere Sinne an (Auge, Ohr, Gefühl) oder gibt er seinen Teilnehmern gar die Gelegenheit, selbst aktiv zu werden, steigert sich der Lernerfolg erheblich:

Merkfähigkeit je nach Grad der Interaktion
Die Abbildung zeigt, was als Information beim Adressaten ankommt, wenn er durch verschiedene Sinne in den Lernprozess eingebunden wird. Am besten werden, wenig überraschend, Informationen behalten, wenn Lernende diese praktisch erwerben.

Beziehen Sie Unterweisungsteilnehmer aktiv mit ein

Sie sollten Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten deshalb so vermitteln, dass sich Ihre Mitarbeiter persönlich einbezogen fühlen, z.B. mit Interaktionen, Diskussionen, Übungen, Aufgabenstellungen.

Inwieweit Sie Interaktionen zulassen, wirkt sich auch auf die Motivation der Mitarbeiter aus. Idealerweise binden Sie die Mitarbeiter bereits bei der Erarbeitung der Maßnahmen ein, damit diese vorbehaltlos akzeptiert werden und dauerhaft wirken. So sichern bzw. ändern Sie Überzeugungen und motivieren zu sicherem Verhalten.

Der richtige Zeitpunkt für die Arbeitssicherheitsunterweisung

Die Leistungsfähigkeit eines Menschen schwankt innerhalb einer Woche stark und ist von vielen Faktoren abhängig, etwa:

  • Gesundheit und Wohlbefinden
  • persönliche Erlebnisse
  • Monotonie der Arbeit

Dennoch lässt sich ein durchschnittlicher Wert für die Leistungsfähigkeit eines Menschen innerhalb einer Woche bilden: Er startet Montag recht niedrig, erreicht Dienstag/Mittwoch seinen Höhepunkt und flaut dann bis zum Wochenende wieder ab.

Generell kann man sagen, je höher der „Leistungspegel“ bei der zu unterweisenden Gruppe liegt, umso mehr wird eine Unterweisung erfolgreich sein.

 

Kommunikation: Klar und deutlich unterweisen und für positive Gesprächskultur sorgen

Wichtig ist auch das Auftreten des Unterweisenden. Wer Desinteresse ausstrahlt, Mitarbeiter ständig unterbricht oder signalisiert, dass er Bedenken nicht ernst nimmt, hat schnell jede Art von Glaubwürdigkeit und Vertrauensvorschuss der Mitarbeiter verspielt.

Was bedeutet das nun konkret für Ihre Unterweisungen? Achten Sie auf Ihr Kommunikationsverhalten:

  • Senden Sie klare Ichbotschaften (nachdem ich das gelesen habe, würde ich persönlich nie mehr ohne …) und setzen Sie W-Fragen ein (wer? warum? wie? wozu? etc.), um einen fließenden Dialog entstehen zu lassen.
  • Lassen Sie auch unbequeme Einwände gelten und gehen Sie auf die Äußerungen Ihrer Mitarbeiter inhaltlich ein. Bleiben Sie unbedingt bei den Tatsachen, wenn Sie unterweisen.
  • Sie werden mit einer falschen Aussage konfrontiert? Formulieren Sie diese als Frage um und geben Sie diese an den Mitarbeiter zurück.
  • Ebenso erforderlich ist es, Ihre Mitarbeiter ausreden zu lassen. Hören Sie aktiv zu. Beachten Sie unbedingt, bei der Unterweisung nicht ausschließlich selbst zu reden, fordern Sie hingegen zu Äußerungen und Fragestellung Ihrer Mitarbeiter auf.

Auch Ihre innere Einstellung ist wichtig. Machen Sie sich, schon bevor Sie die Unterweisung beginnen, bewusst, dass jeder einzelne Ihrer Zuhörer über erhebliche Fachkompetenz verfügt – und Sie sich auf einen ehrlichen Austausch auf Augenhöhe einlassen. Lassen Sie dabei auch persönliche Schwächen gelten.

Arbeitssicherheitsunterweisung richtig vorbereiten: in zehn  Schritten zum Erfolg

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Wer gut vorbereitet ist, reagiert souverän und sicher und hat alle Rahmenbedingungen so gesetzt, dass sie Teilnehmer animieren. Beachten Sie dabei die folgenden zehn Punkte:

1. Thema auswählenIcon für Thema der Arbeitssicherheitsunterweisung

Das Thema Ihrer Arbeitssicherheitsunterweisung legt einen ersten, noch groben Rahmen fest. Fassen Sie das Thema nicht zu weit. Es lohnt sich, statt einer langen Unterweisung mehrere kurze durchzuführen.

Icon für Teilnehmer2. Klären, wer die Teilnehmer sind

Überlegen Sie, ob das Thema wirklich für all die Mitarbeiter relevant ist, die Sie zur Unterweisung eingeladen haben. Machen Sie sich auch Gedanken über den Kenntnisstand der Teilnehmer: Wenn Sie ständig bei Adam und Eva anfangen, langweilen Sie nur. Optimal arbeiten lässt sich übrigens in kleineren Gruppen von bis zu acht Personen.

Icon Ziel der Arbeitssicherheitsunterweisung3. Ziel der Arbeitssicherheitsunterweisung klarmachen

Wenn Sie eine Unterweisung durchführen, sollten Sie eine klare Vorstellung davon haben, was Sie erreichen wollen. Welches Verhalten wird von den Teilnehmern nach der Unterweisung erwartet? Möchten Sie primär neue Fähigkeiten vermitteln oder zielen Sie auf Motivation ab?

Icon für Inhalte der Arbeitssicherheitsunterweisung4. Inhalte der Unterweisung festlegen

Weniger ist mehr. Es sollten in einer Unterweisung nur solche Dinge besprochen werden, die zum Thema gehören, zum Erreichen der Lernziele nötig und für alle Teilnehmer wichtig sind. Dinge, die nur einzelne oder wenige Mitarbeiter betreffen, gehören nicht in die Unterweisung. Sie sollten sie gesondert besprechen.

Icon für Unterweisungsmethoden: Sinne ansprechen5. Sich für Unterweisungsmethoden entscheiden

Je mehr Sinne der Teilnehmenden (Auge, Ohr, Gefühl) angesprochen werden und je mehr sie Gelegenheit haben, sich selbst mündlich oder schriftlich zu äußern und selbst etwas zu tun, desto größer wird der Lernerfolg sein. Sie sollten die Beschäftigten deshalb, wo immer das möglich ist, in den „Unterricht“ einbeziehen. Oft können die Mitarbeiter sich ein Thema erarbeiten, indem Sie sie zu ihren Erfahrungen am Arbeitsplatz befragen. Anhand erkannter Sicherheitslücken lässt sich dann viel leichter vermitteln, welche Schutzmaßnahmen tatsächlich erforderlich sind. Praktische Übungen sollten, wo immer sie möglich sind, zur Unterweisung gehören.

In diesem Beitrag werden die wichtigsten Unterweisungsmethoden mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt.

Icon Bildschirm6. Medieneinsatz festlegen

Oft hilft der Einsatz von Filmen, Bildern oder Infografiken, um Inhalte bei den Zuhörern nachhaltig zu verfestigen. Testen Sie vor der Unterweisung, ob Filme, Bilder oder Infografiken auch so dargestellt werden, wie Sie sich das vorstellen.

Icon für die zeitliche Dauer der Arbeitssicherheitsunterweisung7. Zeitliche Dauer und Puffer planen

Probieren Sie aus, wie lange Sie für einen Vortrag oder eine Demonstration brauchen. Legen Sie auch für Diskussionen genau fest, wie viel Zeit Sie wofür genau veranschlagen. Planen Sie Pufferzeiten ein.

Die optimale Unterweisung sollte nicht zu lang dauern, sonst sinkt die Aufmerksamkeit der Zuhörer drastisch. Im Arbeitsschutz sind Unterweisungen zwischen 5 und maximal 30 Minuten sinnvoll. Vorab sollten Sie überlegen, ob eine längere Unterweisungseinheit oder mehrere kurze Einheiten sinnvoller sind.

Je anregender Sie eine Unterweisung gestalten, also mit Filmen, praktischen Übungen oder Beispielen aus dem Betrieb, desto länger bleiben die Mitarbeiter konzentriert.

Icon Kalender8. Zeitpunkt der Arbeitssicherheitsunterweisung festlegen

Am Ende ihrer Arbeitszeit sind die Beschäftigten müde und wollen nach Hause. Auch während der Arbeit ist eine Unterweisung nicht sinnvoll. Bester Zeitpunkt ist also morgens, bevor der Arbeitsalltag alle fest im Griff hat.

9. Ort der Arbeitssicherheitsunterweisung festlegenIcon für den Ort der Arbeitssicherheitsunterweisung

Viele Betriebe verfügen über eigene Schulungsräume, die speziell für diesen Zweck eingerichtet sind. Immer sollte der Raum für eine Unterweisung ruhig gelegen, gut beleuchtet und ausreichend groß sein. Den Ort müssen Sie auch Ihren Zielen anpassen. Steht der Erwerb von Fähigkeiten im Vordergrund, brauchen Sie einen Raum, der groß genug ist, sodass alle Teilnehmer Ihre praktische Demonstration sehen und dann selbst üben können.

Icon für "üben" bei der Arbeitssicherheitsunterweisung10. Üben, üben, üben

Gehen Sie die einzelnen Punkte Ihrer Unterweisung vorher durch. Überlegen Sie sich mögliche Fragen sowie Ihre Reaktion darauf. Prüfen Sie, ob Ihr geplanter Medieneinsatz auch funktioniert, machen Sie vor praktischen Demonstrationen Trockenübungen.

Inhaltlicher Ablauf einer erfolgreichen Arbeitssicherheitsunterweisung

Wie bauen Sie nun den Ablauf einer Unterweisung Arbeitsschutz inhaltlich auf?

  1. Stellen Sie zunächst eine persönliche Ebene zwischen Ihnen als Unterweisendem und Ihren Mitarbeitern her.
    Dies geschieht durch eine freundliche Begrüßung und eine klar umschriebene Bekanntgabe des Themas. Stellen Sie dabei eine möglichst konkrete Verbindung zur betrieblichen Praxis her. Lassen Sie Ihre Zuhörer auch nicht darüber im Unklaren, wie sich Ihre Unterweisung gliedern wird.
  2. Vermitteln Sie dann das notwendige Wissen mithilfe diverser hilfreicher Medien.
    Auch Videos oder Selbstlernprogramme sind erlaubt. Sinnvoll eingesetzt, unterstützt diese Art der Präsentation eine besonders erfolgreiche Vermittlung der Lerninhalte, macht komplexe Informationen anschaulich und gestaltet zudem den Ablauf der Unterweisung besonders abwechslungsreich. Visualisieren Sie Zwischenziele und bauen Sie praktische Übungen ein, wenn es sich anbietet.
  3. Binden Sie dabei das bereits bestehende Wissen sowie die Fertigkeiten Ihrer Mitarbeiter mit ein.
    Regen Sie zu Diskussionen an, damit die Beteiligten eigene Erlebnisse darlegen können. Sprechen Sie im Anschluss die geforderte Verhaltensweise in der jeweiligen konkreten Situation an. So ergeben sich verbindliche Regeln und Vereinbarungen, die durch Ihre Mitarbeiter in der Praxis umgesetzt werden sollen. Durch entsprechende Erfolgskontrollen stellen Sie fest, ob alle Vereinbarungen im Arbeitsalltag greifen und von allen Beteiligten auch eingehalten werden.

Unterweisung Arbeitsschutz rhetorisch überzeugend durchführen

Auch ohne umfangreiche Rhetorikübungen können Sie einige Punkte bei Ihren Unterweisungen leicht beherzigen, die Ihre Rhetorik gleich enorm verbessern.

  • Achten Sie auf kompakte Sätze. Schachtelsätze und lange Ausführungen gehören nicht in eine Unterweisung.
  • Nutzen Sie Beispiele zur Veranschaulichung.
  • Sprechen Sie langsam, ruhig und gelassen. Machen Sie zwischen zwei Sätzen gerne auch eine längere Pause.
  • Eine gute Rhetorik lebt vom Dialog. Stellen Sie Fragen, geben Sie Denkanstöße oder kleine Aufgaben.
  • Überlegen Sie sich einen packenden Einstieg, damit Ihre Zuhörer von Beginn an dabei sind.
  • Stellen Sie sich gleich von Anfang an aufrecht hin: Kopf über der Wirbelsäule, Schulterblätter nach hinten, Bauch etwas anspannen. Sie wirken dann gleich viel selbstbewusster und sprechen lauter.

Fazit: Für eine erfolgreiche Arbeitssicherheitsunterweisung sind ein interaktives Konzept, Ihre Rhetorik und Vorbereitung wichtig! Spielen Sie die Unterweisung im Vorfeld durch. Das gibt Sicherheit und Sie werden sich Ihrer Rhetorik bewusst. Eine unkomplizierte, klare Sprache kommt bei Ihren Mitarbeitern an und setzt sich in deren Gedächtnis fest.

Autor*innen: Bernadette Buhl, Dr. Kurt Kropp, WEKA Redaktion