25.10.2018

So halten Sie wirksame Arbeitssicherheitsunterweisungen

Eine erfolgreiche Unterweisung hat die Aufgabe, ein sicherheitsgerechtes Verhalten Ihrer Mitarbeiter zu begünstigen. Doch wie informieren Sie Ihr Team, damit es sich am Arbeitsplatz angemessen verhält, um Schäden und Unfälle zu vermeiden?

Mitarbeiter hören bei einer Arbeitssicherheitsunterweisung zu.

Um sich den Stempel „wirksam“ verdient zu haben, muss Ihre Arbeitssicherheitsunterweisung drei Dinge leisten:

  1. Wissen steigern: Die Teilnehmer kennen nach der Unterweisung die Gefährdungen und die entsprechenden Schutzmaßnahmen.
  2. Kompetenz steigern: Teilnehmer können besprochene Schutzmaßnahmen effizient anwenden.
  3. Motivation steigern: Teilnehmer wollen die erarbeiteten Maßnahmen tatsächlich einhalten.

Wenn Sie nicht möchten, dass Ihre Arbeitssicherheitsunterweisung erfolglos verpufft, sollten Sie es tunlichst vermeiden, sich während der Unterweisung im Paragraphendschungel zu verirren. Das schmälert das Interesse immens und Sie haben die Zuhörer nicht auf Ihrer Seite.

Aber auch darüber hinaus sollten Sie als Unterweisender bei der Durchführung einer Unterweisung auf einige „Spielregeln“ achten, um den Erfolg Ihrer Sicherheitsbelehrung zu gewährleisten.

Hintergrund: So lernen Menschen

Diese Spielregeln hängen damit zusammen, wie Menschen lernen. Studien zeigen: Wenn Lernende zum passiven Zuhörer degradiert werden, merken sie sich nur rund 20 % von dem, was ihnen erzählt wird. Spricht der „Lehrer“ jedoch mehrere Sinne an (Auge, Ohr, Gefühl) oder gibt er seinen Teilnehmern gar die Gelegenheit, selbst aktiv zu werden, steigert sich der Lernerfolg erheblich.

Merkfähigkeit je nach Grad der Interaktion

Beziehen Sie Unterweisungsteilnehmer aktiv mit ein

Sie sollten Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten folglich so vermitteln, dass sich Ihre Mitarbeiter persönlich einbezogen fühlen.

Inwieweit Sie Interaktionen zulassen, wirkt sich auch auf die Motivation der Mitarbeiter aus. Idealerweise binden Sie die Mitarbeiter bereits bei der Erarbeitung der Maßnahmen ein, damit diese vorbehaltlos akzeptiert werden und dauerhaft wirken. . Nur so sichern bzw. ändern Sie Überzeugungen, nur so motivieren Sie zu sicherem Verhalten.

Wichtig ist auch das Auftreten des Unterweisenden. Wer Desinteresse ausstrahlt, Mitarbeiter ständig unterbricht oder signalisiert, dass er Bedenken nicht ernst nimmt, hat schnell jede Art von Glaubwürdigkeit und Vertrauensvorschuss der Mitarbeiter verspielt.

Kommunikation: Klar und deutlich unterweisen und für positive Gesprächskultur sorgen

Was bedeutet das nun konkret für Ihre Unterweisungen? Zum einen: Achten Sie auf Ihr Kommunikationsverhalten.

Senden Sie klare Ich-Botschaften (nachdem ich das das gelesen habe, würde ich persönlich nie mehr ohne…) und setzen Sie W-Fragen ein (Wer? Warum? Wie? Wozu? etc.), um einen fließenden Dialog entstehen zu lassen. Lassen Sie auch unbequeme Einwände gelten und gehen Sie auf die Äußerungen Ihrer Mitarbeiter inhaltlich ein. Bleiben Sie unbedingt bei den Tatsachen, wenn Sie unterweisen.

Sie werden mit einer falschen Aussage konfrontiert? Formulieren Sie diese als Frage um und geben Sie diese an den Mitarbeiter zurück.

Ebenso erforderlich ist es, Ihre Mitarbeiter ausreden zu lassen, hören Sie aktiv zu. Beachten Sie unbedingt, bei der Unterweisung nicht ausschließlich selbst zu reden, fordern Sie hingegen zu Äußerungen und Fragestellung Ihrer Mitarbeiter auf.

Auch Ihre innere Einstellung ist wichtig. Machen Sie sich schon bevor Sie die Unterweisung beginnen bewusst, dass jeder einzelne Ihrer Zuhörer über erhebliche Fachkompetenz verfügt – und Sie sich auf einen ehrlichen Austausch auf Augenhöhe einlassen. Lassen Sie dabei auch persönliche Schwächen gelten.

Arbeitssicherheitsunterweisung richtig vorbereiten

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Wer gut vorbereitet ist, reagiert souverän und sicher und hat alle Rahmenbedingungen so gesetzt, dass sie Teilnehmer animieren statt verstören. Beachten Sie dabei die 10 folgenden Punkte:

1. Thema festlegen

Das Thema Ihrer Arbeitssicherheitsunterweisung legt einen ersten, noch groben Rahmen für die Veranstaltung fest. Formulieren Sie das Thema so, dass jeder sofort weiß, was ihn erwartet. Fassen Sie das Thema nicht zu weit. Es lohnt sich, statt einer langen Unterweisung mehrere kurze durchzuführen.

2. Klären, wer die Teilnehmer sind

Überlegen Sie, ob das Thema wirklich für all die Mitarbeiter relevant ist, die Sie zur Unterweisung eingeladen haben. Machen Sie sich auch Gedanken über den Kenntnisstand der Teilnehmer: Wenn Sie ständig bei Adam und Eva anfangen, langweilen Sie nur.

3. Ziel der Unterweisung klarmachen

Wenn Sie eine Unterweisung durchführen, sollten Sie eine klare Vorstellung davon haben, was Sie erreichen wollen. Welches Verhalten wird von den Teilnehmern nach der Unterweisung erwartet? Möchten Sie primär neue Fähigkeiten vermitteln oder zielen Sie auf Motivationen ab?

4. Inhalte der Unterweisung festlegen

Weniger ist mehr. Es sollten in einer Unterweisung nur solche Dinge besprochen werden, die zum Thema gehören, zum Erreichen der Lernziele nötig und für alle Teilnehmer wichtig sind.

Icon für Unterweisungsmethoden: Sinne ansprechen5. Für Unterweisungsmethoden entscheiden

Je mehr Sinne der Teilnehmenden (Auge, Ohr, Gefühl) angesprochen werden und je mehr sie Gelegenheit haben, sich selbst mündlich oder schriftlich zu äußern, desto größer wird der Lernerfolg sein.

6. Medieneinsatz festlegen

Oft können Sie sich durch den Einsatz geeigneter Medien helfen lassen. Testen Sie vor der Unterweisung unbedingt, ob Filme, Bilder oder Infografiken auch so dargestellt werden, wie Sie sich das vorstellen.

7. Zeitliche Dauer + Puffer planen

Probieren Sie aus, wie lange Sie für einen Vortrag oder eine Demonstration brauchen. Legen Sie auch für Diskussionen oder Demonstrationen genau fest, wie viel Zeit Sie wofür genau veranschlagen. Planen Sie Pufferzeiten ein.

8. Zeitpunkt der Unterweisung festlegen

Am Ende ihrer Arbeitszeit sind die Beschäftigten müde und wollen nach Hause. Auch während der Arbeit ist eine Unterweisung nicht sinnvoll. Bester Zeitpunkt ist also morgens, bevor der Arbeitsalltag alle fest im Griff hat.

9. Ort der Unterweisung festlegen

Viele Betriebe verfügen über eigene Schulungsräume, die speziell für diesen Zweck eingerichtet sind. Immer sollte der Raum für eine Unterweisung ruhig gelegen, gut beleuchtet und ausreichend groß sein.

10. Üben, üben, üben

Gehen Sie die einzelnen Punkte Ihrer Unterweisung vorher durch. Überlegen Sie sich mögliche Fragen sowie Ihre Reaktion darauf. Prüfen Sie, ob Ihr geplanter Medieneinsatz auch funktioniert, machen Sie vor praktischen Demonstrationen Trockenübungen.

Inhaltlicher Ablauf einer erfolgreichen Arbeitssicherheitsunterweisung

Wie bauen Sie nun den Ablauf einer Unterweisung Arbeitsschutz inhaltlich auf?

  • Stellen Sie zunächst eine persönliche Ebene zwischen Ihnen als Unterweisenden und Ihren Mitarbeitern her. Dies geschieht durch eine freundliche Begrüßung und einer klar umschriebenen Bekanntgabe des Themas. Stellen Sie dabei eine möglichst konkrete Verbindung zur betrieblichen Praxis her.
  • Vermitteln Sie dann das notwendige Wissen mithilfe diverser hilfreicher Medien auch Videos oder Selbstlernprogramme sind erlaubt. Sinnvoll eingesetzt unterstützt diese Art der Präsentation eine besonders erfolgreiche Vermittlung der Lerninhalte, macht komplexe Informationen anschaulich und gestaltet zudem den Ablauf der Unterweisung besonders abwechslungsreich. Visualisieren Sie Zwischenziele und bauen Sie praktische Übungen ein, wenn es sich anbietet.
  • Binden Sie dabei das bereits bestehende Wissen sowie die Fertigkeiten Ihrer Mitarbeiter mit ein. Regen Sie zu Diskussionen an, damit die Beteiligten eigene Erlebnisse darlegen können. Sprechen Sie im Anschluss die geforderte Verhaltensweise in der jeweiligen konkreten Situation an. So ergeben sich verbindliche Regeln und Vereinbarungen, die durch Ihre Mitarbeiter in der Praxis umgesetzt werden sollen. Durch entsprechende Erfolgskontrollen stellen Sie fest, ob alle Vereinbarungen im Arbeitsalltag greifen und von allen Beteiligten auch eingehalten werden.

Unterweisung Arbeitsschutz rhetorisch überzeugend durchführen

Fazit einer erfolgreichen Arbeitssicherheitsunterweisung: Die Rhetorik macht’s! Bereiten Sie sich gut auf eine Unterweisung vor und spielen Sie diese im Vorfeld durch. Das gibt Sicherheit und Sie werden sich Ihrer Rhetorik bewusst, die nicht unerheblich zur langfristigen Sicherung Ihrer Ziele ist.

Eine unkomplizierte, klare Sprache kommt bei Ihren Mitarbeitern an und setzt sich in deren Gedächtnis fest. Agieren Sie nach diesen Kommunikationsregeln, gelingt Ihnen auch Ihre Unterweisung.

Vorlage UnterweisungskonzeptVorlage zur Vorbereitung Ihrer Arbeitssicherheitsunterweisung

Um sich auf Ihre Unterweisung gut vorzubereiten hilft Ihnen ein Konzept, indem Sie die wichtigsten Ziele, Inhalte und Methoden, die Sie einsetzen möchten, festhalten. So strukturieren Sie den Ablauf für sich selbst und werden sich über Ihre Ziele und einen (passenden) Einsatz von Medien klar. Eine kostenlose Vorlage dafür, wie ein solches Unterweisungskonzept aussehen könnte, finden Sie hier in unserem Downloadbereich.

 

Autor: Bernadette Buhl