09.05.2016

Arbeitsschutzmanagementsystem: mehr Überblick, mehr Effizienz

Immer mehr Arbeitgeber sind angesichts der Kosten für krankheitsbedingte Fehlzeiten von Mitarbeitern und angesichts eines steigenden Durchschnittsalters der Beschäftigten bereit, in ein Arbeitsschutzmanagementsystem (AMS) zu investieren und den Arbeits- und Gesundheitsschutz auf professionelle Beine zu stellen. Nutzen Sie diese Chance, um jetzt ein AMS aufzubauen!

Ein Arbeitsschutzmanagementsystem (AMS) macht den Arbeitsschutz, der immer komplexere Problemstellungen lösen muss, effizienter. Denn ein funktionierendes AMS führt weg vom reaktiven Reparaturbetrieb hin zu einem System, das die verschiedenen Arbeitsschutzziele kombiniert und effizient erreicht.

Vorteile eines Arbeitsschutzmanagementsystems:

  • Arbeitsschutzvorschriften werden eingehalten.
  • Mängel im Arbeitsschutz werden festgestellt und beseitigt.
  • Schwachstellen in der Arbeitsschutzorganisation können analysiert und korrigiert werden.
  • Die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten werden nachhaltig verbessert.
  • Sicherheits- und gesundheitsgerechtes Verhalten wird dauerhaft ermöglicht und gefördert.

Im Zentrum: die Gefährdungsbeurteilung

Das zentrale Instrument zur Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen ist die Gefährdungsbeurteilung. Damit kann der Arbeitsschutz geplant, gesteuert, durchgeführt und kontrolliert werden.

Wichtig ist es, die Gefährdungsbeurteilung bereits in den Wertschöpfungsprozessen des Unternehmens mitzudenken, und das von Anfang an: Wird z. B. bei der Beschaffung eine mögliche Gefährdung von Mitarbeitern als Kriterium aufgenommen, können Risiken von vornherein minimiert oder unter Umständen sogar ganz vermieden werden.

Hier wird der systemische Ansatz deutlich: Die Gefährdungsbeurteilung wird nicht einmal vorgenommen und in Intervallen oder nach Bedarf wiederholt. Vielmehr stellt sie im Rahmen eines AMS eine kontinuierliche Bewertung von Veränderungen dar und hilft, deren Auswirkungen auf Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter zu verstehen und Fehlentwicklungen zu vermeiden.

Sie wird so zum integralen Baustein der Wertschöpfungsketten und hilft, Fehlentscheidungen (gesundheitsverschlechternde Veränderung von Arbeitsplätzen, Etablierung unsicherer Produktionsabläufe) zu vermeiden. In jeden betrieblichen Ablauf müssen also

  • die Gefährdungsermittlung
  • die Maßnahmenableitung
  • die Maßnahmenumsetzung
  • und die Erfolgskontrolle

integriert werden.

Prozesse im Arbeitsschutzmanagementsystem darstellen

In den meisten Unternehmen gibt es bereits entsprechende Systeme, an die sich ein AMS andocken lässt. Deshalb sollen für das AMS bewährte Darstellungsformen verwendet werden.

Dann geht es an die Ermittlung und Abbildung der betrieblichen Prozesse, etwa anhand einer Prozesslandkarte, in der auch die Schnittstellen dargestellt sind. Die Projektmitglieder sollen auf die jeweiligen Prozessverantwortlichen zugehen und mit ihnen zusammen die Arbeitsschutzrelevanz prüfen.

An den Schnittstellen muss mit den Verantwortlichen beider Abteilungen gesprochen werden, weil beim Übergang häufig Gefahren übersehen werden: Beide Führungskräfte glauben oft, die jeweils andere Seite sei für Risiken zuständig. Detailliert ist nun gemeinsam mit den Fachverantwortlichen festzulegen, wie Prozesse geändert oder neue Abläufe eingeführt werden müssen, welche Aufgaben zu erledigen sind und welche Termine bzw. Fristen dafür vorgesehen werden. Dann gilt es, die bisherige Dokumentation zu modifizieren.

Dokumentation modifizieren

Ein Arbeitsschutzmanagementsystem kann auf dem bewährten 3-Säulen-Modell jeder Dokumentation aufbauen: Überblick, Beschreibung der Abläufe, detaillierte Anweisungen.

  1. Das Arbeitsschutzmanagement-Handbuch gibt in der ersten Ebene eine Übersicht über die Prozesse des Unternehmens und beschreibt z. B. grundsätzliche Ziele, Regelungen und Strukturen. Diese übergreifenden Darlegungen enthalten bereits Verweise auf die zugehörigen Bestandteile der weiteren Dokumentation.
  2. Im zweiten Teil erfolgt die Beschreibung der Verfahrensabläufe und Prozesse im Unternehmen. Die Gliederung sollte hier möglichst standardisiert sein und auf Details (wie Arbeitsanweisungen) verweisen.
  3. Die dritte Ebene ist die Detail-Ebene mit arbeitsplatz– und tätigkeitsbezogenen Abläufen und den damit verbundenen Betriebs- und Prüfanweisungen. Auch hier sind Standardisierungen und einheitliche Vorgehensweisen notwendig, um den Arbeitsschutzprozess in ein systemisches Verfahren integrieren zu können.
Autor: Markus Horn